DEL: ereignisreiches Wochenende

Keine Stimme für Nazis!
Am Freitag dem 25. September 2009 demonstrierten im Laufe des Nachmittags- sowie der Abendstunden insgesamt mehr als 300 Jugendliche, Antifaschist_Innen und Bürger_Innen gegen neonazistische Aktivitäten im Kontext der Bundestagswahlen.

Gemeinsam mit unterschiedlichen lokalen Bands rief ein Bündnis aus rund 15 Organisationen, Parteien und Vereinen zu einer Kundgebung auf dem Delmenhorster Marktplatz auf. Nach einer verstärkten Mobilisierungsphase an Schulen, im Internet, sowie mittels unterschiedlichster Printmedien fanden sich folgend etwa 300 Jugendliche am Kundgebungsort ein.

Neben unterschiedlichen Redebeiträgen, feierten Acàbalo, Cassettes, No Reasons und Pyrosis gemeinsam mit dem Publikum antifaschistisches Engagement gegen Neonazis und riefen dazu auf, den deutschen Faschist_Innen weder eine Stimme, noch sonstigen Freiraum zu überlassen.

JN-Landesvorsitzender greift Kundgebung an.

Am Rande der Kundgebung kam es mehrfach zu Stör- und Zwischenfällen durch Neonazis, die grob der lokalen Neonazistruktur, sowie dem Spektrum der sgnt. „Autonomen Nationalisten“ zuzuordnen sind.

Unter anderem pöbelte Mario Müller am Bahnhof einen Punk an, weitere Neonazis warfen Flaschen auf 2 Jugendliche und bekannten sich zum „Nationalem Sozialismus“.

Bereits am Nachmittag hatten Benjamin Grätsch und Julian Monaco (Landesvorsitzender der „Jungen Nationaldemokraten“) die Kundgebung beobachtet und Fotos erstellt – um circa 22:00 Uhr griff schließlich eine Gruppe von etwa 15 Neonazis einen Jugendlichen in unmittelbarer Nähe der Kundgebung mit Flaschen, Steinen, sowie weiteren Waffen an.

Die sich auf dem Parkplatz des Freibades „Delfina“ aufhaltende Neonazigruppe positionierte sich anschließend bewaffnet in einer Reihe unter Laternen und suchte offensiv die Konfrontation mit Kundgebungsteilnehmern, als sich jedoch weitere Antifaschist_Innen den Neonazis näherten verschwand die Gruppe in den Graftanlagen.

Unter den Neonazis befanden sich unter anderem Mario Müller (ehemals Harpstedt – Delmenhorst), Marcel Hesse (Delmenhorst), Kevin Boeck (Bookholzberg), Stefan Rabe (Heide) – sowie Julian Monaco, dieser wurde am 22. August 2009 im Rahmen einer Saalveranstaltung im Delmenhorster Umland zum als „Landesführer“ titulierten Vorsitzenden der „Jungen Nationaldemokraten“ in Niedersachsen ernannt.

Infotisch am 26. September 2009.
Am Folgetag der Kundgebung führten 6 Neonazis einen „Infotisch“ in der Delmenhorster Innenstadt durch. Nachdem bereits am 29. August 2009 ein Infotisch durch Bürger_Innen und Antifaschist_Innen teils blockiert werden konnte (wir berichteten), fanden sich auch heute Protestierende in der Nähe des Propagandatisches ein.

Die Neonazis konnten keinerlei Material an Interessierte verteilen, die massiv vertretenen Polizeikräfte (unter anderem mit Hunden) schirmte den Stand fast vollkommen von der Öffentlichkeit ab – lediglich einige Bürger_Innen bedienten sich an dem ausgelegten Material – um dieses zu entsorgen!
Weiter muss jedoch auf das repressive Verhalten der Polizeikräfte verwiesen werden: Erneut wurden Jugendliche durch Polizeikräfte bedroht und “aufgeklärt”, Bürger_Innen wurden daran gehindert Transparente zu entrollen, sich in einer Versammlung zu organisieren, sowie Passant_Innen für den Gegenprotest zu mobilisieren.

Die anwesenden Neonazis (u.a. erneut Stefan Rabe, Marcel Hesse, Benjamin Grätsch, Florian Cordes, Kevin Boeck, sowie Julian Monaco) verschwanden um 13:00 Uhr, nachdem ihnen durch die Polizeikräfte ein Platzverweis erteilt wurde. Nur wenige Minuten später, attackierte Marcel Hesse gemeinsam mit Benjamin Grätsch einen Jugendlichen in Delmenhorst-Hasport – keine Spur mehr vom vermeindlich bürgerlichen Auftreten in der Innenstadt/anlässlich öffentlicher Aktionen.

Letztlich führten Neonazis innerhalb der letzten 30 Stunden mehr als 4 bestätigte Übergriffe auf Jugendliche durch, ein Infotisch wurde veranstaltet, sowie weitere neonazistische Plakate im Delmenhorster Stadtgebiet angebracht – positiv anzumerken ist jedoch, dass trotz massiver Naziaktivität ein antifaschistisches Konzert, nahezu ungestört auf dem Marktplatz durchgeführt werden konnte. Weitere (antifaschistische) Aktionen werden/müssen folgen!

Quelle: Antifa Delmenhorst
Foto: Recherche-Nord