Mayday-Protest vor Schlecker XL-Markt

kopiert von indymedia

Vor kurzem hat die Drogeriemarktkette Schlecker ihren ersten Schlecker XL-Markt auch in Bremen eröffnet. AktivistInnen des Bremer Mayday-Bündnisses waren mit Flugblättern, Transparenten und Schildern vor Ort, die Resonanz war einmal mehr bemerkenswert…

Hintergrund ist, dass Schlecker bereits seit längerem gegenüber Konkurrenten wie Rossmann, dm & Co. ins Hintertreffen geraten ist. Schlecker hat deshalb begonnen, bundesweit viele seiner kleinen Filialen zu schließen und stattdessen größere und besser ausgestattete Schlecker XL-Märkte zu eröffnen. Das klingt zunächst einmal harmlos, ist es aber nicht. Denn für die Beschäftigten geht dieser Wechsel mit einer massiven Verschlechterung der Arbeitsbedingungen einher. Konkret ist es sogar so, dass die Beschäftigten der alten bzw. geschlossenen Filialen entlassen oder (so denn sie sich juristisch wehren) versetzt werden. Umgekehrt werden für die XL-Märkte neue Beschäftigte angeheuert – allerdings erhalten diese pro Stunde nur noch 6,50 Euro/brutto die Stunde und nicht mehr wie in den anderen Schlecker-Filialen ca. 12 Euro Euro/brutto. Das ist der Grund, weshalb das Bremer Mayday-Bündnis bereits im Rahmen der Krisendemo am 17.09. die von ver.di lancierte Rote-Karten-Aktion unterstützt und zudem ein Interview mit einer Schlecker-Angestellten vor einer Schlecker-Filiale vorgetragen hat: [hier] Wer mehr zu Schlecker wissen möchte, findet ansonsten auch viele und gute Infos auf der Webseite von Labournet: [hier]

Mittlerweile wurde auch in Bremen der erste Schlecker-XL-Markt eröffnet, und zwar in Gröppelingen, einem der ärmsten Stadteile Bremens. Leute aus dem Bremer Mayday-Bündnis waren ebenfalls vor Ort – einerseits um Flublätter zu verteilen (mit besagtem Interview von der 17.09.-Demo), andererseits um mit KundInnen und Angestellten ins Gespräch zu kommen. Doch bevor es losgehen konnte, rief die ohnehin reichlich gestresste Marktleitung zunächst einmal die Polizei. Diese kam auch, sah jedoch keine Veranlassung, irgendetwas zu unternehmen. Im Gegenteil: sie billigte die (nicht angemeldete) Aktion ausdrücklich, was die Marktleitung einigermaßen entgeisterte, vor allem deshalb, weil die Cops unverhohlen ihre Sympathie für die Aktion zum Ausdruck brachten – so wie noch viele weitere Leute an diesem Tag…

Bemerkenswert war zunächst einmal, dass der neu eröffnete Schlecker-Markt einem geradezu unglaublichen Massenanstrum ausgesetzt war. Schlecker hatte mit Schnäppchenpreisen gelockt (insbesondere für Toilettenpapier), und das wollten sich viele nicht entgehen lassen, was einmal mehr zeigt, inwiefern für viele Leute selbst ein paar gesparte Euro von grundlegender Bedeutung sind (oder wie kann es sonst erklärt werden, dass so manche KundInnen mit ihrem Auto vorgefahren kamen und 10, 20 oder mehr Packungen Klopapier abtransportiert haben…).

Dass es um Geld ging (und um nichts anderes) wurde auch daran deutlich, dass die allermeißten KundInnen ausgesprochen offen auf unsere Flugblätter reagiert haben. Die große Mehrheit hatte bereits aus dem Fernsehen von der Sache gehört und zeigte sich dementsprechend erbost. Letztlich herrschte vor dem Markt eine ähnliche Stimmung wie im Juli, als das Bremer Mayday-Bündnis vor verschiedenen Supermarkt-Filialen Soli-Pfandflaschen für Emmely sowie Unterschriften für die Emmely-Bundestagspetition gesammelt hat. Interessant war im Übrigen auch, dass die Gewerkschaft von diversen Leuten vermisst wurde: Wir hatten zwar die Roten Karten von ver.di dabei, doch ver.di selbst konnte an diesem Tag aus organisatorischen Gründen nicht vor Ort sein – was wir an dieser Stelle ausdrücklich nicht kritisch meinen (erwähnt sei vielmehr, dass sich in Sachen Schlecker in jüngerer Zeit eine durchaus von wechselseitigem Wohlwollen geprägte Kooperation zwischen ver.di und dem Mayday-Bündnis herausgebildet hat).

Und die Angestellten? Nun, die hatten an diesem Tag vor allem einen extremen Knochenjob zu erledigen. Ansonsten waren sie in ihren Äußerungsmöglichkeiten natürlich recht beschränkt, waren doch Markt- und Bezirksleitung die ganze Zeit vor Ort. Dennoch kam es zu so mancher Begegnung: So zeigte sich eine Angestellte eingermaßen erbost über das auf der 17.06.-Demo entstandene Sprechblasen-Schild „Schleck mich am Arsch“. Dieses sei, so die Angestellte, einfach nur primitiv, allerdings entspannte sich die Situation merklich, nachdem wir das Schild durch ein neues ersetzt hatten.

Das Fazit ist eindeutig: So unspektakulär derlei Aktionen sein mögen, sie sind eine gute Gelegenheit, um mit ungewöhnlich vielen Ḿenschen über grundlegende Fragen wie Gerechtigkeit, Erwerbsarbeit Widerstand etc. in Kontakt zu kommen. Und auch ist zum wiederholten Male deutlich geworden, wie einfach es ist, in Sachen ‚Einzelhandel‘ aktiv zu werden – gibt es doch mit den konkreten Geschäften Orte, an denen Protest artikuliert und auf diese Weise die Interessen der im Einzelhandel bzw. in der Zuliefererindustrie Beschäftigten unterstützt werden können.