Schlecker-XL-Eröffnung blockiert

Protest statt Eröffnungsparty beim zweiten Bremer SchleckerXL in Bremen-Schwachhausen (Wätjenstraße)

Immer mehr Menschen aus immer mehr Bereichen des Erwerbslebens und der Gesellschaft mischen sich ein, wenn sich Widerstand regt gegen unzumutbare Bedingungen – wie z.B. bei Schlecker

Knapp 200 TeilnehmerInnen sind heute den Aufrufen des Bremer Mayday-Bündnisses, des Bremer Bündnisses „Wir zahlen nicht für eure Krise“ und von ver.di gefolgt, um am Eröffnungstag des 2. Schlecker XL-Marktes in Bremen gemeinsam mit KundInnen und PassantInnen deutlich zu machen: Wenn Schlecker XL – dann zu Mindest-Bedingungen wie Tariflöhne und Vertretung durch Betriebsräte.

Die Absicht sich innen im Schlecker XL zu treffen – wie beim 1. Schlecker-flashmob in Bremen-Gröpelingen Ende November durchgeführt – hat sich erübrigt, weil ein stundenlanger Schlecker-eigener „Stromausfall“ den Verkaufsbetrieb am Nachmittag des Eröffnungstages lahmgelegt hat. Die Filiale blieb ab 14 Uhr geschlossen – Protest statt Eröffnungsparty! Angeheuerte Security-Kräfte und zurückhaltend präsente Polizei sicherten also nur eine geschlossene Filiale.

Die Flashmob-Aktion „pinke Karte für Schlecker“ mit passenden Slogans wie „XL-Löhne für XL-Beschäftigte“, Sprechchören „Schlecker XL – ein Negativ-Modell“ und Beiträgen am offenen Mikrofon fand deshalb vor der Filiale statt: Umrahmt von zahlreichen Transparenten, Schildern und Fahnen sammelten sich vor und auf der Freitreppe vor dem Ladeneingang. Dass der ver.di Sekretär für den Handel, Richard Schmid, und eine Vertreterin der Partei „Die Linke“ und VertreterInnen der organisierenden Bündnisse dort das Wort ergriffen und über die skandalösen Verhältnisse im Einzelhandel – über Tarifflucht und Kündigungen von Kolleginnen, die möglicherweise Betriebsräte bei Schlecker gründen wollen – geredet haben, versteht sich von selbst – muss nicht besonders hervorgehoben werden. Das kennt mensch ja.

Interessant war aber zu hören, dass Stromausfälle bei Schlecker-Läden nicht zum ersten Mal bei bevorstehenden Protestaktionen auftreten. Und dass zumindest ein kleiner Teilerfolg vor einem Bremer Gericht in Bezug auf Schlecker erzielt werden konnte: Schlecker wurde durch Einstweilige Verfügung verpflichtet, für die kommende Betriebsratswahl auch Wählerlisten der XL-Märkte zur Verfügung zu stellen, d.h. Schlecker XL bleibt Schlecker!

Besonders an der öffentlichen Versammlung war, dass sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen an der Diskussion beteiligt haben: Eine Anwohnerin der Wätjenstraße, die mit ihren Nachbarinnen über die Probleme bei Schlecker spricht. Die Frau, die in ihrer beruflichen psychologischen Praxis mit Krankheitsbildern zu tun hat, die durch den Umgang einer rein profitorientierten „Wirtschaft“ mit Menschen neu entstehen. KollegInnen aus mehreren Bremer Betrieben, die über den Umgang ihrer Unternehmen mit den Beschäftigten reden – da wird für alle sichtbar und hörbar, dass nicht nur „der böse Anton Schlecker“, sondern auch namhafte Betriebe wie Siemens, die Hafenbetriebe mit dem Senat als Anteilseigner oder der Erfolgskonzern InBev alle Methoden, Tricks und Schliche anwenden, um sich satte Gewinne auf Kosten ihrer Belegschaften zu sichern.
Thema in der Versammlung war auch der Zusammenhang zwischen den Hartz-Gesetzen, die durch die Ausweitung von Leiharbeit und Minijobs und die Entrechtung der Erwerbslosen Unternehmen erst die Möglichkeiten gegeben haben, sich noch mehr als früher durch Niedriglöhne und die Deregulierung der Arbeitsverhältnisse zu bereichern. Das wurde in Beiträgen von Erwerbslosen und Beschäftigten angesprochen.

Besonders war an dieser Versammlung auch, dass sich Menschen zu Wort melden, die öffentliches Reden nicht gewohnt sind. Sie haben aber hier den Mut gefunden sich öffentlich zu äußern.
Resümee der Versammlung: es geht weiter mit Protesten – es bleibt noch viel zu tun. Es ist notwendig, immer breitere Bevölkerungskreise einzubeziehen, damit der Widerstand gegen unerträgliche Arbeits- und Lebensbedingungen an Kraft gewinnen kann.

Die Demonstration, die sich spontan formiert hat, führte durch einige Straßen in der Umgebung – die AnwohnerInnen waren durch die Aufrufe vorher informiert. Es gab zustimmendes Winken, neugierige Blicke – und einzelne Gespräche mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen im Einzelhandel schilderten.

Bericht bei buten un binnen
Bericht in der taz

Mayday-Bündnis Bremen


1 Antwort auf „Schlecker-XL-Eröffnung blockiert“


  1. 1 Jimbo 07. Februar 2010 um 1:47 Uhr
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