Sieh an, sieh an…

2000 Polizisten sollen Einheitsfeier sichern

Bremen. Im Internet rufen Autonome dazu auf, die Einheitsfeier Anfang Oktober in Bremen mit massiver Gewalt zu stören. Die Polizei nimmt die Aufrufe nach Aussage von Polizeipräsident Holger Münch ernst und hat damit begonnen, öffentliche Gebäude und Wohnungen bestimmter Personen zu sichern. Einen ersten Fall von Vandalismus hat es in der Nacht zu gestern bereits gegeben: Unbekannte bewarfen die Fensterfront des Weserhauses von Radio Bremen mit Pflastersteinen.

‚Wir nehmen das ernst. Das ist keine reine Spinnerei‘, bestätigt Polizeipräsident Münch. Rund 2000 Polizisten auch aus anderen Ländern werden seiner Aussage nach während der Einheitsfeiern in der Überseestadt und in der Stadtmitte präsent sein. Außerdem sind dem Vernehmen nach acht Richter sowie mehrere Staatsanwälte im Bereitschaftsdienst. Bekanntlich hat die Innenbehörde 2,1 Millionen Euro für die Sicherheit am 2. und 3. Oktober für den Nachtragshaushalt veranschlagt.

„Hauptsache es knallt!“
Die Aufrufe zu Gewalt und Sabotage unter der Überschrift ‚Hauptsache es knallt!‘ kommen ganz offensichtlich aus dem linken autonomen Spektrum. Die Texte finden sich im Internet zum Beispiel auf der Seite der Antifaschisten in Syke oder auf der Seite Indymedia. Dort werden Anschläge auf Autos beteiligter Unternehmen angekündigt, Sabotageakte in der Vorbereitungsphase der Einheitsfeier, Glasbruch und Farbschmierereien. Die Rede ist ausdrücklich von militanten Aktionen und dem Ziel, einen unkontrollierbaren Ausnahmezustand zu erreichen.

Den Vorfall am Weserhaus sieht Münch in diesem Zusammenhang als einen Fingerzeig. Gegen 2 Uhr in der Nacht hatten Anwohner laute Knallgeräusche gehört. Die Polizei stellte fest, dass vier Scheiben gesprungen waren, davor lagen Pflastersteine. Auf eine Scheibe war das Datum 3. 10. geschmiert. Jetzt sucht die Polizei nach Zeugen der Tat.

„Kommen Sie zum Bürgerfest“
Laut Holger Münch baut die Polizei ein Schutzkonzept auf, das bis zum Stichtag schrittweise intensiviert werden soll. Damit bezieht sich der Polizeipräsident vor allem auf die Sicherung von Gebäuden. ‚Es gibt einige Örtlichkeiten, die wir jetzt schon in das Konzept aufgenommen haben.‘ Hauptziel sei es zum einen, dass die Feier gesichert und die Veranstaltung eine Werbung für Bremen werde. ‚Unsere Hauptbotschaft an die Bürger lautet: Kommen Sie zum Bürgerfest.‘ Zum anderen sehe die Polizei ihre Aufgabe darin, mit Deeskalation friedlichen Protest möglich zu machen. Noch nicht einschätzen kann der Polizeipräsident hingegen, ob die Einheitsfeier Autonome aus anderen Großstädten nach Bremen ziehen wird.

Erinnerungen werden wach an die Einheitsfeier, die in Bremen vor genau 16 Jahren stattgefunden hat. Damals kam es zu schweren Ausschreitungen, zu Plünderungen im Ostertor. Autos brannten, in der City gingen Fensterscheiben zu Bruch, und Polizeibeamte wurden durch Steinwürfe schwer verletzt. Es kam auch zu Auseinandersetzungen direkt vor dem Rathaus.1994 hatten die Behörden ein Demonstrationsverbot verhängt, das aber von rund 1000 Personen unterlaufen wurde, 274 wurden am Ende in Gewahrsam genommen.

Es könnte vor allem am Sonnabend, 2. Oktober, eng werden in der Innenstadt. Denn zwei Demonstrationen sind bereits beim Stadtamt für diesen Tag angemeldet. Zum einen will sich ein antifaschistisches Bündnis um 16.30 Uhr auf dem sogenannten Investorengrundstück am Bahnhof treffen und von dort aus über den Brill in Richtung Zentrum marschieren. Die Veranstalter rechnen offenbar mit rund 2000 Teilnehmern. In zahlreichen Städten finden sogenannte Mobilisierungstreffs statt.

Martinistraße als Alternativroute
Eine erste Verhandlungsrunde mit dem Stadtamt hat es bereits gegeben. Ergebnis: Ein Protestmarsch durch die Obernstraße vorbei am Rathaus wird untersagt, als Alternativroute sei die Martinistraße angeboten worden, sagt Hans-Jörg Wilkens, Leiter des Stadtamtes. Er weist auch darauf hin, dass noch keine endgültige Entscheidung darüber gefallen ist, ob die Kundgebung stattfinden kann. Dabei müsse auch die Gesamtlage berücksichtigt werden. In wenigen Tagen soll mit der Polizeiführung abgestimmt werden, welche Erkenntnisse bisher vorliegen. Zum jetzigen Zeitpunkt geht zumindest die Polizei davon aus, dass ein Verbot nicht notwendig ist.

Die zweite Kundgebung an diesem Tag kann das Stadtamt noch nicht einschätzen. Offenbar soll eine Kunst-Demo in Anlehnung an die Oper ‚Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny‘ von Bert Brecht und Kurt Weill veranstaltet werden. Samt Kostümen und Wagen. Die Demonstranten haben auch hier eine Marschroute über den Marktplatz und durch die Obernstraße angemeldet. Wilkens macht indes auch in diesem Fall klar, dass dieser Weg nicht möglich sein wird.

kopiert aus dem Weser-Kurier


1 Antwort auf „Sieh an, sieh an…“


  1. 1 Aufbau, Übernachtungen, Stadtplan « end of road Pingback am 27. September 2010 um 10:24 Uhr
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