„Dritte Halbzeit“

Die Neonazi-Hoolband „Kategorie C“ kündigt für Samstag ein Konzert im „Umkreis“ ihrer Heimatstadt Bremen an.

Normalerweise hält sich die Bremer Neonazi-Hool-Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ (KC) musikalisch gern fern der Hansestadt auf. Jetzt kündigt sie ganz offiziell ein Konzert für den kommenden Samstag im „Umkreis Bremen“ an. Zunächst soll von einer Leinwand auf der Bühne live das Fußballspiel zwischen dem SV Werder Bremen und dem HSV übertragen werden, Anpfiff ist 18.30 Uhr, danach werde KC loslegen und „dann feiern wir ‘ne Party“, steht auf der Homepage. Genaue Anreisedaten werden dann ab mittags über die angegebene Telefonnummer bekanntgegeben, heißt es.

Ungewöhnlich. Denn KC-Sänger Hannes Ostendorf betreibt in einem Vorort im Norden Bremens einen Fastfood-Laden und möchte dort nur als harmloser mittelständischer Unternehmer gesehen werden. Ebenso wie sein jüngerer Bruder, der in der Innenstadt den Szeneladen „Sportsfreund“ unterhält, welcher jedoch intern als Treffpunkt auch für Anhänger der Neonazi-Hoolgang „Standarte 88 Bremen“ angesehen wird. Offiziell aber wollen beide Bremer nichts mit Politik am Hut haben.

„Sport Frei“ von Bruder Henrik Ostendorf

Auch als grölender Sänger der Hoolband KC legt Hannes Ostendorf Wert auf den Slogan „Fußball ist Fußball und Politik bleibt Politik“, dabei vermischt gerade er gern mal die Metiers. So beteiligte sich Ostendorf 2006 gemeinsam mit der Göttinger Neonazi-Band „Agitator“ am Soli-Konzert für den inhaftierten Sänger der verbotenen Band „Landser“ in Berlin. Ein Jahr zuvor mobilisierte sein Umfeld zur Demonstration von Hools und Neonazis aus Norddeutschland wegen eines Konzertverbots in Lüneburg.

Im Laden des jüngsten Ostendorf-Sprosses wird neben Erik and Son`s, Pitt Bull, Fankleidung von „Kategorie C“, auch die Marke „Sport Frei“ des ältesten Ostendorf-Bruders Henrik vertrieben. Der ist Geschäftsführer beim Deutsche Stimme-Verlag der NPD und gilt für den Bremer Verfassungsschutz als Anführer der gewaltbereiten 30- bis 50-köpfigen Hooligangruppe „Standarte“. Deren Homepage ist auf den NPD-Mann zugelassen.

Nachwuchs beim „Nordsturm Brema“

Seit ihrer Gründung 1997 gibt es eine enge Vernetzung zwischen der Band KC und der „Standarte Bremen“. Die rechte Schlägertruppe machte 2005 von sich reden, als sie mit über 150 Neonazis und Rockern gemeinsam auf einem Partyschiff der „Shark Lounge“ ihr 15-jähriges Bestehen feierte. Angehörige der Standarte sollen 2007 beim brutalen Überfall auf eine Party von Fans im Ostkurvensaal des Werder-Stadions beteiligt gewesen sein, gegen acht der Hools wurde Anklage erhoben. An der Trauerfeier eines Hells Angels’ in diesem Sommer in Bremen nahm auch ein Türsteher und Hool teil, auf dessen Motorrad groß der Schriftzug „Standarte Bremen“ prangt.

„Wir sind erlebnisorientiert“ heißt einer ihrer verharmlosenden Sprüche. Den Nachwuchs rekrutieren sie bei den „City Warriors“ und im „Nordsturm Brema“. Deren Anhänger nennen sich im Stadion gern „NSHB“, einer der Anführer gilt als führender Aktivist der „Freien Kameradschaft Bremen“. 2008 erhielten acht Nordsturm-Anhänger Stadionverbot vom SV Werder, weil während eines Spiels gegen Bochum im Fanblock eine Banderole mit der Aufschrift „NS-HB Sport frei“ entrollt wurde.

„Menschen mit einem exklusivem Hobby“

Stadionverbote bei rechten Hooligangs in Bremen sind keine Ausnahme und treffen nicht immer den Kern. Denn nicht alle „Standarte“-Anhänger seien überhaupt Fußball- oder Werder-Fans. Viele lockt eher die Auseinandersetzung in den Straßen oder entlegenen Ortem um die Stadien an. Geheime Verabredungen werden getroffen. Das Ziel ist es danach, den Spezialeinheiten der Polizei zu entkommen.

„Wir sind Extremsportler, Menschen mit einem exklusivem Hobby“, prahlte einer der Standarte-Anführer vor Jahren gegenüber Medien. Die meisten von ihnen seien „rechts“ eingestellt, berichtet ein anderer, aber direkt mit der NPD hätten außer Henrik Ostendorf in Bremen nur wenige zu tun. Feste Regeln und Hierarchien gebe es innerhalb der Hooliganstrukturen nicht. Wer ein „Kämpfer“ sei, werde aufgenommen. Unter den Anhängern seien nur wenig Arbeitslose, die meisten würden ein bürgerliches Leben führen, rühmen sich die Bremer. Das Spiel mit dem Feuer, der Kick an der Sache würde sie locken. Manche wären einfach gern in der „Dritten Halbzeit“ beim „Räuber- und Gendarm“-Spiel mit der Polizei dabei.

Gewaltbereite Hooligans am Hauptbahnhof

Bei solchen Offenbarungen macht die offizielle Ankündigung von „Kategorie C“, zum harmlosen „Public Viewing“ vor dem Konzert einzuladen, fernab vom Geschehen im Weserstadion, eher argwöhnisch. Meistens sammeln sich gewaltbereite Bremer Hools gegenüber vom Hauptbahnhof oder in zwei, drei anderen Szenekneipen. Im April 2010 beim Spiel gegen den 1. FC-Köln gab es in der Bremer-Neustadt gewalttätige Ausschreitungen und unzählige Festnahmen, darunter auch Rechte, wie es heißt.

Vor einem Drittligaspiel gegen Hansa Rostock im August jagten Bremer Hooligans die Gegner aus dem Osten durch die Straßen. Es gab auf beiden Seiten vorläufige Festnahmen, eine Person wurde mit Kopfverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Ausgerechnet bei der bevorstehenden Ankunft verfeindeter HSV-Fans in Bremen will die Hool-Band KC ihre Anhänger mit einer passiven Fußballshow im Umkreis anlocken – das scheint wenig glaubwürdig. Es sei denn auch Hamburger Hooligans nehmen den Zug nach auswärts.

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