Polizei massiv überlastet

kopiert aus dem Weser-Kurier

Bremer Polizei: So geht es nicht weiter

Bremen. Serienräuber und Autodiebe könnten in nächster Zeit leichteres Spiel als sonst haben. Für sogenannte Schwerpunktmaßnahmen in den Stadtteilen sei keine Zeit, heißt es aus Polizeikreisen. Grund ist die Terrorwarnung, die viel Personal bindet. Die Bremer Polizei schiebt aktuell einen Berg von 292.000 Überstunden vor sich her.


Die erhöhte Alarmbereitschaft angesichts der Terrorwarnungen bindet bei der Polizei viel Personal, das an anderen Stellen fehlt.

Allein 30.000 Überstunden leisteten die Beamten für die Einheitsfeier. Hinzu kommen noch die vielen Stunden, die die Begleitung des Castortransports erforderte. „An der Belastungssituation gibt es nichts zu beschönigen“, so ein Führungsbeamter.

„Einige Tage verstärkt Präsenz zeigen, das ist kein Problem“, versicherte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Freitag. Werde die aktuelle Terrorwarnung aber zum Dauerzustand, dann „haben alle Polizeibehörden in der Bundesrepublik ein großes Problem“. Noch muss die Polizeiführung niemanden aus dem Urlaub zurückrufen. „Das könnte sich in dem Moment ändern, in dem wir in die dritte Alarmierungsstufe kommen“, sagt Heinz-Jürgen Pusch. Der sogenannte ständige Polizeiführer ist für die Koordinierung sämtlicher Maßnahmen der Landespolizei verantwortlich. „Seit Mittwochmittag müssen wir andere Felder brach liegen lassen“, erklärt Pusch nüchtern. So schöben seine Kollegen zurzeit auch keine Extra-Schichten, sondern widmeten sich eben anderen Aufgaben und zeigten Präsenz in der Stadt.

Serienräuber, notorische Einbrecher in Parzellengebieten, angetrunkene Autofahrer, Raser oder Autoaufbrecher profitieren paradoxerweise von der erhöhten Alarmbereitschaft der Sicherheitskräfte: Sogenannte Schwerpunktmaßnahmen, bei denen sich Polizisten gezielt auf die Lauer legen, um einer Tätergruppe in einem Stadtteil oder einer Region das Handwerk zu legen, fallen in nächster Zeit unter den Tisch.

Personalsituation „auf Naht genäht“
„Das wirkt sich auf die Sicherheitslage in der gesamten Stadt aus“, heißt es düster aus Kreisen der Polizei. In sechs Wochen haben Bereitschaftspolizisten ein Wochenende „betonfrei“. Das bedeutet, diese Tage dürfen sie fest für ihr Familienleben einplanen. Noch gehen die Polizeiführer nicht daran, dieses Tabu zu brechen und Leute zurückzurufen. Aber die aktuelle Personalsituation sei „auf Naht genäht“.

Übernächsten Sonntag spielt St.Pauli gegen Werder Bremen. „Da können wir nicht nur zwei Kontaktbeamte wie beim Laternenlauf hinschicken“, merkt der Chef der Bremer Gewerkschaft der Polizei, Horst Göbel, bissig an. Zumal auch die Bundespolizei nicht in alter Stärke mithelfen kann. Hinzu komme noch der Weihnachtsmarkt, für den Schutzpolizisten der Inspektion Mitte-West sowie Bereitschaftspolizisten zur Sicherung eingesetzt werden sollen. „In der Vorweihnachtszeit steigt erfahrungsgemäß die Zahl der Eigentumsdelikte und Einbrüche. Dafür wird es diesmal kaum Personal geben“, warnt Göbel. Und dies, obwohl bei seinen Kollegen beim Einsatzdienst auf der Straße längst nicht alle ihren Jahresurlaub auch in 2010 nehmen können. Vor diesem Hintergrund ist für Göbel „völlig unverständlich“, dass in den kommenden Haushalt nur 60 neue Stellen statt der „dringend benötigten 120″ für die Polizei einkalkuliert würden. „Weitere junge Leute sollen angeblich im Laufe des nächsten Jahres noch eine Zusage erhalten, aber das sind nur Absichtserklärungen“, fürchtet Göbel. Außerdem: „Wenn im Juni erst die Entscheidung fällt, sind die Besten schon bei anderen Polizeien untergekommen.“

Verschiedene Problemlagen
„Ein weiterer Abbau ist nicht vertretbar“, bestätigt auch Innensenator Mäurer. Die Polizei habe neben der aktuellen Lage und dem Alltagsgeschäft noch die Bekämpfung krimineller Clans, die engmaschige Kontrolle von Rockerbanden, die Sicherheit auf der Diskomeile sowie die Bekämpfung der Drogenkriminalität im Viertel auf dem Zettel. Parallel dazu gingen die Einsatzstunden allein beim Thema Fußball permanent nach oben. Deswegen müssten auch im nächsten Oktober 120 neue Polizeianwärter ihren Dienst antreten können. Anders als Göbel hält er es für vertretbar, die restlichen 60 erst im Frühsommer benachrichtigen zu können. Bei der Feuerwehr stehen unterdessen seit Mittwochmittag zwei blitzschnell eingerichtete Stabräume mit Computer, Telefon und Funkgeräten für den Katastropheneinsatz bereit. Die „konkrete Gefahr“, von der Thomas de Maizière am Mittwoch sprach, hatte den Umbau nötig gemacht.

Quelle: Weser-Kurier


1 Antwort auf „Polizei massiv überlastet“


  1. 1 off topic 21. November 2010 um 15:00 Uhr
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