Flashmob zum Buy Nothing Day

Am Samstag den 27.11.10 fand in Bremen ein Flashmob anlässlich des „Buy Nothing Days“ statt.

Rund 20 Leute trafen sich vor der Waterfront um mit Sprechblasen-Schildern,viel Jubel und lauten Rufen in ironischer Weise darauf aufmerksam zu machen, dass blinder, unreflektierter Konsum scheiße ist, ein System, in dem Konsum und Wachstum für die Gesellschaft wichtig ist sowieso scheiße ist und um ein Gesellschaftssystem zu fordern, welches ohne den Zwang zum Konsum und rücksichtslosem, unendlichem Wachstum, auskommt.

Dabei wurden die kaufenden Leute dazu aufgefordert, symbolisch einmal einen Tag nichts einzukaufen und einfach einmal zu entspannen, spazieren zu gehen oder sich mit Freunden zu treffen. Dieses ungerechte und herrschaftsbasierende System wird dadurch natürlich nicht angegriffen, vielmehr sollen die Leute über ihre Situation im System, die Verteilungsverhältnisse und das erzwungene wirtschaftliche Wachstum etc. nachdenken, denn ohne die Individuen, die den ganzen Scheiß mit ihrem Handeln stützen würde das System nicht funktionieren, denn die Gesellschaft reproduziert die Individuen und umgekehrt.

Die Gruppe an „Jubeldemonstranten“ machte sich auf den Weg in die Waterfront, geführt von einer Person im weißen Umhang, die den Kapitalismus Lob pries. Die Person hielt verschiedene Gegenstände und Waren in die Luft und präsentierte sie der feiernden Gruppe, die mit „Kaufen, Kaufen“ Rufen durch die Läden der Waterfront lief. Es erklangen Sprüche wie: Ich würde auch mit Blut bezahlen“, „Mein Konsum stützt das System“, „Heute kaufe ich mir Lebensqualität“, „Ich bin kein Mensch, ich bin Konsument“, oder einfach „Mehr, mehr, mehr“ aus den Reihen der Demonstrant_innen.

Doch der Spaß in der Waterfront währte nicht lange: Nach wenigen Minuten kamen Sicherheitsleute, die den weiß vermummten, Kapitalismus feiernden Menschen an der Spitze der Gruppe ohne Vorwarnung körperlich angingen. Vorwurf: Hausfriedensbruch! Sofort kamen Passanten hinzu, die den übereifrigen Sicherheitsbeamten beruhigten und die Demonstrant_innen in Schutz nahmen. Nach kurzen hin und her verließ die Gruppe dann mit Jubel und erneuten „Kauf-Gesängen“ die Waterfront um in die Innenstadt zu fahren und die Aktion dort zu wiederholen. Leider wurde die Gruppe vorm Gebäude von der mittlerweile angerückten Polizei aufgehalten und eine Person musste die Personalien abgeben (Keine Anzeige).

In der Innenstadt lief die ganze Aktion etwas erfolgreicher! Ungestört lief die Gruppe vom Brill Richtung Domsheide, mit Zwischenstopps bei verschiedenen Läden. Nach einiger Zeit folgte der Gruppe ein Polizeiwagen, der aber nichts tat, als die Straßenbahnen zu blockieren um dann an der Domsheide mit anzusehen, wie die Flashmobteilnehmer_innen sich auf verschiedene Straßenbahnen und Busse aufteilten und davon fuhren anstatt sich noch einmal kontrollieren zu lassen.

Es gab selbstverständlich viel negative Reaktionen, aber erfreulicherweise auch einiges Positives Feedback bis hin zur Frage wie die Teilnahme an solchen Aktionen möglich sei und warum es keinen öffentlichen Aufruf gegeben habe.

Die Aktion soll auf jeden Fall wiederholt werden, auch abseits des Buy Nothing Days.


8 Antworten auf „Flashmob zum Buy Nothing Day


  1. 1 Kommunistin 30. November 2010 um 17:00 Uhr

    Dann erzählt mal den Hartz4-Empfänger_innen und Papierlosen, das sie mal einen Tag sich vom Konsumterror erholen sollen… Eure autonome Moral ist bigott!

  2. 2 noferrer 30. November 2010 um 17:16 Uhr

    sehr schön! aller berechtigter und unberechtigter kritik (am „buy nothing day“) zum trotz: endlich passiert mal wieder was in bremen!
    aus kritik enwickelt sich praxis, aus widerständischer praxis entwickelt sich aber eben auch kritik.
    Wer auf einer theoretischen ebene bleibt bleibt bleibt bleibt bleibt.

  3. 3 Red X-Mas 30. November 2010 um 17:39 Uhr

    Der Konsum, auch in der Weihnachtszeit, gehört marxitisch gesehen erstmal zur Phase der Reproduktion und ist per se notwendig.

    http://www.youtube.com/watch?v=z-huk-Oro4U

  4. 4 antikap3.0 30. November 2010 um 20:23 Uhr

    Statt „Get Everything For Free“ oder wenigstens „Buy Everything“ ein „Buy Nothing Day“? Für hunderttausende Menschen in diesem Land und über eine Milliarde weltweit ist jeden Tag „Buy Nothing Day“, wollt ihr das wirklich feiern und für alle einfordern?

  5. 5 noferrer 30. November 2010 um 21:10 Uhr

    @red x-mas
    per se is ne floskel die ersma per se fürn arsch ist, tautologische überflüssigkeiten. reproduktion, als zwang über natürliche bedürfnisse hinaus, auch und gerade im konsum, ist nur so weit notwendig wie mensch sie akzeptiert und keine eigenen strukturen sucht / aufbaut.
    wenn mensch dies auf grund einer von ihm als „kritik“ benannten grundlage tut ist mensch offensichtlich ein fachidiot.

    @antikap 3.0:
    denk doch mal drüber nach, dass die „veranstalter“ als selbstverantwortliche individuen nicht nur weltweit sondern auch in ihren kulturellen zusammenhängen + einer klasse leben und versuche ihre kritik in diesem kontext zu sehen anstatt mit deiner makrosicht nur dich und welweit zu sehen.

    ich gratuliere allen labertaschen und empfehle ihnen darüber nachzudenken das laut endofroad die letzte aktion bei der menschen auf der strasse warenein solidemo für das wendland am 06.11 war.
    also: fresse halten! besser machen!

  6. 6 olli 01. Dezember 2010 um 13:41 Uhr

    @kommunistin: wäre die lösung mehr hetz4, damit wir uns ein „richtiges“ leben kaufen können?
    papierlose sollten sich von ihren scheißjobs tatsächlich anders erholen können, als entspannungs-shoppen zu betreiben und nur so das gefühl zu bekommen irgendwie „dazu“-zugehören.

    @red x-mas: konsum – marxistisch – notwendig…?
    und in dem video werden todeslager in sibierien gefordert. du hast doch echt die genickschüsse nicht gehört.

    @antikap 3.0: ich meine, daß die forderung „alles für alle“ total an der realität vorbeigeht. die erde gibt einfach nicht genug her, als daß wir den deutschen lebensstandard zur gesellschaftlichen grundausstattung aller menschen machen können.

    zu dem thema konsum schließe ich daraus für mich, daß ich mich dem von unserer gesellschaft im normalzustand geforderten unreflektierten (ungesteuerten, rücksichts- und hemmungslosen) konsum verweigere. der damit einhergehende verzicht hat nichts mit einer zurschaustellung eines der egopolierung dienenden asketismus zu tun, sondern ist notwendige folge.
    wenn wir mit der umverteilung beginnen, wird kaum etwas in deutschland bleiben und das ist die gerechte folge unserer geschichte vom beginn an bis zum heutigem tage.
    vom nachrevolutionärem leben in saus, braus und überfluss zu träumen läßt vielleicht den alltag überstehen, geht an der wirklichkeit aber vorbei.

  7. 7 noferrer 01. Dezember 2010 um 18:22 Uhr

    @olli: na ja schaun wir mal ;)
    auf nem planeten der momentan genug futter für 12 milliarden menschen produziert bleibt nach der umverteilung bestimmt noch nen bisschen was zum schlemmen übrig – …

    dein letzter absatz setzt sehr schön den „kopf voll von kritik aber voll im system“ trend mit dem volksopiatischen versprechen vom himmlischen paradies gleich – sehr passend, finde ich.

  1. 1 Christmas canceln – Fuck Santa Claus « Antifaschistische Aktionsgruppe Sabotage Pingback am 02. Dezember 2010 um 0:22 Uhr
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