Träger-Verband will Jugendhaus „Buchte“ kaufen

kopiert aus dem Weser-Kurier

Bremen. Etwa sechs Jahre ist es her, da wollte das Jugendhaus „Buchte“ in der Buchtstraße sein Internet-Café renovieren. Mit der Tapete kam jedoch der Putz von Wand und Decke. Diagnose: Das Mauerwerk ist marode, Schimmel sitzt darin. Seit 2005 verhandelt die Naturfreundejugend Bremen, Träger der Einrichtung, bereits mit Immobilien Bremen (IB) über die nötige Sanierung. Der Verband würde der Stadt das Haus sogar abkaufen und es auf eigene Kosten instandsetzen. Eine Lösung gibt es aber immer noch nicht.

Jedoch ist ein Gespräch zwischen Immobilien Bremen und „Buchte“ im Januar vereinbart. Und die zuständige IB-Abteilungsleiterin Susanne Engelbertz erklärt: „Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden werden.“

Jens Singer und David Kostial, Mitarbeiter der „Buchte“, hoffen das, sind nach ihren bisherigen Erfahrungen aber vorsichtig geworden. 2003 oder 2004, sagt David Kostial, wollten die „Buchte“-Aktiven ihr Internet-Café renovieren und erlebten eine böse Überraschung: Schimmelbefall in der Außenmauer. Seitdem laufe die Auseinandersetzung mit IB beziehungsweise ihrer Vorgängerin „Gesellschaft für Bremer Immobilen“ (GBI) über Baukosten, Sanierungsumfang, Kaufoption und die Frage, wer zuständig ist. Das alles, sagen die beiden 35-Jährigen, sei zermürbend.

Putz ist weggebröselt

Das Internet-Café wird seit dem Renovierungsversuch nur noch als Lager genutzt, ebenso wie der Raum darüber, im Dachgeschoss. Hier wie dort bietet sich ein Anblick des Verfalls. Die Dachverkleidung: weggegammelt. Der Putz: weggebröselt. Die Außenmauer: gesprenkelt mit kleinen Punkten – Schimmel. Auch der Rest des Hauses ist in keinem guten Zustand. „Seitdem wir wissen, dass eine Grundsanierung nötig ist, haben wir nichts mehr investiert“, sagt Jens Singer. Ein Jugendhaus lebe zwar davon, nicht picobello zu sein. Doch wie es jetzt in der „Buchte“ aussieht, „das finden wir selbst nicht mehr gut“.

Gehe es nach der Naturfreundejugend, wäre das Haus längst gekauft und hergerichtet. Mit IB sei aber trotz vieler Gespräche noch keine Einigung erzielt worden. Dabei gibt es breite Unterstützung aus der Politik: Der Beirat Mitte habe sich immer wieder für die „Buchte“ stark gemacht, sagt Ortsamtsleiter Robert Bücking. Auch die Sozialbehörde lobt die Einrichtung in den höchsten Tönen. Nun, sagt Singer, habe sich auch die Finanzbehörde eingeschaltet, um zwischen Immobilen Bremen und „Buchte“ zu vermitteln.

Hintergrund des Streits ist unter anderem der Mietvertrag, den die Naturfreundejugend mit der Stadt geschlossen hat. Dort ist eine sehr niedrige Miete vereinbart worden – und dass die Mieter für die Instandhaltung des Hauses zuständig sind. Allerdings, sagt der Bremer Anwalt Jürgen Maly, war das Gebäude schon 1973 marode. In jenem Jahr, Maly war damals 19 und Mitglied im Vorstand der Bremer Naturfreundejugend, sei die „Buchte“ in ihr jetziges Quartier gezogen. Das Haus stand damals leer, sagt Maly. „Es gab keine Elektrik, keine Heizung, nichts.“ Allerdings gab es Spuren von offenen Feuern, Obdachlose hatten das Gebäude als Nachtquartier genutzt. Im Vertrag mit der Stadt, sagt Maly, verpflichtete sich die Naturfreundejugend dann, Elektrik, Heizung und Sanitäranlagen zu installieren.

Als jetzt der Schimmel auftauchte, stand zunächst die Frage im Raum, ob der Verband seine Instandhaltungspflicht verletzt hat. Nach den Worten von Susanne Engelbertz ist das mittlerweile jedoch kein Streitpunkt mehr. Die Stadt wolle die „Buchte“ unterstützen und gestehe zu: Für den Träger sei es schwierig, Sanierungsmittel für ein gemietetes Gebäude aufzutreiben. Dann, sagt David Kostial, ging es darum, sich einen Überblick über das Ausmaß der nötigen Instandsetzung zu verschaffen. Der Verband ließ auf eigene Rechnung eine Kostenschätzung erstellen. Ergebnis: 330000 Euro. „Das war 2005 oder 2006″, sagt Kostial. Auf dieser Basis wurde beratschlagt, wie es weitergehen soll. Position der Naturfreundejugend: Wir können die Sanierung nur dann selbst bezahlen, wenn das Haus uns gehört. Also bot der Verband an, die „Buchte“ zu kaufen. Das war 2008.

Laut Susanne Engelbertz hat die Stadt gegen einen Verkauf des Gebäudes prinzipiell nichts einzuwenden. Warum die Immobilie trotzdem noch nicht der Naturfreundejugend gehört, dazu gehen die Darstellungen jedoch auseinander.

Verschiedene Versionen im Umlauf

Nach den Worten von David Kostial stellte die GBI Bedingungen: Ein von GBI beauftragter Architekt sollte den genauen Aufwand in einer Kostenberechnung erfassen; außerdem wollte GBI das Finanzierungsmodell der Naturfreundejugend prüfen. Eine Kostenberechnung habe IB dann aber gar nicht vorgelegt, sondern eine zweite Kostenschätzung – in diesem Herbst. Ergebnis: 391000 Euro. Kostial: „Eigentlich sind wir genauso weit wie vor zwei Jahren.“ Nach den Worten von Susanne Engelbertz haperte der Verkauf dagegen daran, dass die Naturfreundejugend 2008 nicht das nötige Geld hatte, um Kauf (130000 Euro als Verkehrswert des Grundstücks; das Haus selbst ist praktisch nichts mehr wert) und Sanierung zu schultern.

Das stimmt, sagt Jens Singer. Damals standen bei der Naturfreundejugend nur 274000 Euro bereit. Allerdings habe die GBI nie das noch fehlende Geld als entscheidende Hürde für den Verkauf geltend gemacht. „Hätten wir dieses Signal bekommen, hätten wir sofort weitere Spenden eingetrieben“, sagt der 35-Jährige.

Und Susanne Engelbertz räumt ein: Die von IB vorgelegte Kostenschätzung sei für die Naturfreundejugend nur von bedingtem Nutzen. Denn darin seien die Standards zugrunde gelegt, die die öffentliche Hand bei einer Sanierung berücksichtigen müsste. Ein Verband wie die Naturfreundejugend sei aber nicht an alle diese Kriterien gebunden.

„Das hätten wir schneller machen müssen“

Warum war 2008 keine Einigung nach dem Modell möglich: Der Verband setzt seine 274000 Euro für den Kauf des Gebäudes und die ersten Sanierungsschritte ein; das restliche Geld wird in den Folgejahren eingeworben. Ein solcher Vorschlag sei nicht gemacht worden, sagt Susanne Engelbertz. Dass IB zwei Jahre für die eigene Kostenschätzung brauchte, sei misslich. „Das hätten wir schneller machen müssen.“

Die Naturfreundejugend hofft nun auf ein gutes Ende – ab Januar soll verstärkt Geld für Kauf und Sanierung der „Buchte“ gesammelt werden. Unter anderem mit Solidaritäts-Konzerten.

kopiert aus dem Weser-Kurier