Uni: Studentenverbindung gestört

Am Donnerstag, den 26. Mai 2011, sollte ein Vortrag der Burschenschaft „Bremer Wingolf“ zum Thema „Entwicklung der Solartechnik in Deutschland“ an der Universität Bremen stattfinden. Bei einer vorherigen Veranstaltung des Wingolf im letzten Semester, referierte der Bundesbruder des Wingolf, Dr. Dirk Mahsarski, über das SS-Ahnenerbe. Zahlreiche farbentragende Burschenschaftler mit Kappen und Bändern fanden sich damals zu der geschichtsrevisionistischen Veranstaltung ein.
Um eine ähnliche Verantaltung des Wingolf zu verhindern, blockierten gestern zahlreiche Aktivist_innen kurzerhand den Veranstaltungsraum der Studentenverbindung. Um ein Ausweichen der Burschis auf andere Räume zu verhindern, wurden auch drei andere Räume mit Stühlen, Tischen und Klebeband verbarrikadiert.
Die eintreffenden Burschis wirkten überrascht und hilflos, ebenso wie der Referent der Veranstaltung, Kurt Reinhard aus Syke. Dieser betreibt seit 1975 die REINHARD SOLARTECHNIK GmbH in Syke. Er gab an, nicht zu wissen, wer ihn zu dieser Veranstaltung eingeladen hätte. Dennoch schien es ihm, nachdem er über den Wingolf aufgeklärt wurde, egal zu sein. Er ärgerte sich über die „linken Chaoten“, die für die Raumblockade verantwortlich waren und drohte mit der Polizei. Soetwas könne man nur in Bremen erleben, so Reinhard.
Nachdem die Burschenschaftler die Haustechnik der Universität informiert hatten, öffnete diese ihnen den Raum. Die Burschis fingen an, die Barrikaden abzubauen, welche dann wieder von den im Raum anwesenden Aktivist_innen aufgebaut wurden. Daraufhin wurde die Polizei alarmiert. Nach circa 25 Minuten, die der Wingolf bereits an Verspätung hatte, beschlossen die Blockierer_innen, abzuziehen. Das Ziel, den Wingolf zu stören und den Vortrag zu behindern war mehr als erfolgreich, ein Zusammentreffen mit der alamierten Polizei unnötig.
Die Teilnehmer_innenzahl der Burschenschaftler belief sich übrigens auf nur 7 Personen.

Der Bremer Wingolf ist als „christlicher” und „deutscher” Verband 1841 gegründet worden. Zu Beginn wohl eher als Verein der braven evangelischen Studenten gedacht, mauserte er sich in der Kaiserzeit zum engen Verbündeten des auch in Bremen aktiven „Verein Deutscher Studenten“ (VDSt), dem er auch politisch nahestand und steht. Der Bremer Wingolf wurde 1998 gegründet, und ist vor allem an der Hochschule Bremen aktiv.

Der Dachverband des VDSt ist 1881 als antisemitischer Scharfmacherverband gegründet worden und war einer der heftigsten Schrittmacher der NSDAP an den deutschen Hochschulen. Der Bremer Verein wurde 1993 gegründet und gibt sich in den letzten Jahren besonders „liberal”. Freilich sind Zweifel angebracht: So wurden in Bremen die „akademischen Blätter” verteilt, die Zeitung des Bundesverbandes. Darin waren z.B. Artikel von Jürgen Hatzenbichler, der auch in der rechtsextremen „Jungen Freiheit” schreibt, und Texte von mehreren FPÖ-Politikern. Oder ein Heft über „Südtirol”, in dem deutlich gemacht wird, dass man für das, was man für „deutsche Kultur” hält, auch in dieser italienischen Provinz kämpft. Nach wie vor sind die Vereinsfarben scharz-weiß-rot und die Fahne des Kaiserreichs weht vor dem Vereinshaus in Horn-Lehe.

Kein Raum, keine Uni, kein Platz für Burschenschaften!

(Rechte) Männerbünde, Seximus und Elitedenken bekämpfen!

Für Informationen über Studentenverbindungen in Bremen wird empfohlen: 2. Ausgabe der „Tante Paul“


verbarrikadierter Raum