16.07. antifaschistische Kundgebung in Tostedt

Eigentlich war für den 16. Juli 2011 eine Kundgebung mit Skate-Contest auf der Skaterbahn geplant. Diese Veranstaltung wurde vor einiger Zeit beim Landkreis Harburg angezeigt. Kurze Zeit spät erklärte die Samtgemeinde Tostedt, dass sie die Skaterbahn nur für rein „sportliche Veranstaltungen“ zur Verfügung stellen würde und nicht für eine „politische Veranstaltung“. Auch weiterhin werden in Tostedt antifaschistische Aktionen behindert, anstatt wirkungsvolle Aktivitäten gegen die rechte Umtriebe und Strukturen vor Ort zu unterstützen. In einem solchen Klima konnte sich die neofaschistische Szene in Tostedt in den letzten Jahren verfestigen und ausdehnen. Die Kampagne Landfriedensbruch wird dennoch den Tag zu nutzen wissen und mit der Kundgebung erneut ein Zeichen setzen. Damit die Nazis in Tostedt keine Möglichkeiten finden ungestört ihren Terror fortzuführen.

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Rechte Gewalt, neonazistische Gruppierungen und Parteien und Naziaufmärsche gehören mittlerweile wieder zum Alltag in Deutschland. Kaum ein Wochenende vergeht, an dem nicht irgendwo Neonazis aufmarschieren um ihre rassistischen, antisemitischen und völkischen Botschaften zu propagieren.
Gerade Tostedt hat sich in den letzten Jahren zu einem Zentrum neofaschistischer Aktivitäten entwickelt. Immer wieder kommt es hier zu Übergriffen von Neonazis auf nicht-rechte und antifaschistische Jugendliche. Das Treiben der örtlichen Neonazis wird von Seiten der Behörden und der Polizei zumeist verharmlost oder verschwiegen. Anstelle einer offensiven Auseinandersetzung mit dem Problem, ist mensch in Tostedt in erster Linie um den Ruf des Ortes bemüht.

Nazis versuchen – auch in der Nordheide – den öffentlichen Raum für sich in Beschlag zu nehmen. Sie okkupieren bewusst Dorffeste, Skaterbahnen oder Dorfplätze. In Tostedt ist der Naziladen „Streetwear Tostedt“ ein fester Anlaufpunkt für die rechte Szene geworden.

Dagegen gilt es offensiv vorzugehen. Den Nazis darf es nicht gelingen Zonen der Angst zu schaffen, die Linke oder Migrant_innen nicht mehr ungefährdet betreten können. Hier gilt es für Antifaschist_innen besonders präsent zu sein und der Dominanz der Nazis – gerade im ländlichen Raum – etwas entgegenzusetzen. Das kann bedeuten dem organisierten Neofaschismus „ihre“ Treffpunkte streitig zu machen aber auch gezielt durch antifaschistische Demonstrationen Flagge zu zeigen. Es darf kein ruhiges Hinterland für Neonazis geben – nirgendwo.

Ein wichtiger Bestandteil antifaschistischen Engagements ist es zu verhindern, dass es Neonazis oder der NPD überhaupt gelingt junge Menschen an sich zu binden. Eine linke, emanzipatorische Jugendkultur ist die beste Prävention gegen neofaschistische Einstellungen und Handlungen. Sie ist auch eine notwendige Voraussetzung zur Verschiebung des regionalen Kräfteverhältnisses. Da wo sie in Ansätzen vorhanden ist, gilt es sie zu unterstützen und zu fördern. Antifaschistische Aktionen, wie am 6. und 19. März 2011 in Tostedt, waren für einige Jugendliche aus Tostedt und Umgebung eine Initialzündung für weitergehendes politisches Engagement.

Die Selbstsicherheit von Gruppen wie der Nazi-Kameradschaft „Gladiator Germania“ oder dem sog. „Nationalen Widerstand Tostedt“ fusst auf der Erfahrung von Sanktionsfähigkeit durch Gewalt und politischer Provokation, welche sie in der Region um Tostedt ausüben können. Dieser Raum lässt sich nur durch entschiedenes Auftreten und deutlicher Artikulation einer gegenteiligen Position begrenzen. Eine rechte Jugendkultur wie in Tostedt, die es nicht gewohnt ist mit ernsthaftem Widerstand konfrontiert zu sein, ist nur durch Erhöhung des politischen Drucks zu bekämpfen. Dazu waren die Aktionen der antifaschistischen Kampagne Landfriedensbruch erste Schritte, die durchaus dafür gesorgt haben, dass die örtlichen Neonazis in ihrem Handeln eingeschränkt wurden und die Anzahl der Übergriffe zurückgegangen ist.

Mit einer erneuten Kundgebung will die Kampagne Landfriedensbruch am 16. Juli 2011 wieder in Tostedt aktiv werden.
Unter dem Motto „Skaten gegen Nazis – Für eine antifaschistische Jugendkultur“ findet die Kundgebung auf dem Parkplatz hinter dem Bahnhof (Zinnhütte) statt. Beginn ist um 12 Uhr.

Mobivideo hier.

Quelle: Kampagne Landfriedensbruch