VA: Das egoistische Gen?

Wo: Kurzschluss
Wann: 04.08.11 um 19:30 Uhr

Dass die/der überzeugte Anti-Kapitalist_in in Diskussionen auf eine Darstellung des Menschen als von Natur aus „egoistisches“ Wesen trifft, geschieht nicht selten, dass so Argumentierende daraus das Fazit ziehen, eine kommunistische Gesellschaftsform könne nicht funktionieren, sowieso. Sofern es in unserem „Grundwesen“ liegt, egoistisch und Macht-strebend zu sein, ist ein jeglicher Versuch zur Veränderung zweck- und langfristig erfolglos. Menschliches Verhalten scheint determiniert und unveränderlich (schlecht), dafür aber biologisch begründet und legitim. Ausgrenzung, Ausbeutung, das Elend vieler und der „Kampf ums Überleben“ sind vielmehr Resultat genetischer Anlage, als einer vom Menschen produzierten und sich entwickelnden Herrschaftsform. Grund genug also für uns, dieser sogenannten „Natur des Menschen“ einmal nachzugehen.
Denn auch wenn es sich bei eben beschriebenem Argumentationsgang und seiner Schlussfolgerung um Blödsinn und sicherlich eher um Selbstlegitimation eigener Gemütlichkeit und eigenem Zusprechens kapitalistischer Reproduktion handelt, ist eine „Ich-Stärke“ des Menschen erkennbar existierend. Wo beginnt also sein Egoismus, in welchen Lebensumständen und in welchem Maße? Unter welchen Umständen stellt er diesen ggf. zurück und wie lässt sich all dieses nicht genetisch, sondern soziologisch erklären? Was folgt daraus? Wann setzen Reflexionsvermögen und freier Wille ein, während determiniertes Handeln längst überschritten wird?

Um dies und ähnliches zu diskutieren lädt die Basisgruppe Antifaschismus (BA) deshalb zusammen mit der Gruppe Kritik im Handgemenge am 4. August um 19.30 Uhr wieder zum Agitare Bene Cafe ein. Agitare Bene ist ein offener Diskussionstermin für den keine Vorbereitung nötig ist und bei dem das Thema des Folgetermins gemeinsam entschieden wird.Er findet jeden ersten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr im „Kurzschluss“ in der Lahnstraße 16 statt.


6 Antworten auf „VA: Das egoistische Gen?“


  1. 1 Tip 29. Juli 2011 um 18:47 Uhr

    „Das egoistische Gen“ ist ein Buch mit ganz anderem Inhalt auf genetischer Ebene, das aber auch rein gar nichts mit politisch/soziologischen Begriffen gemein hat. Vielleicht bissl unglücklich gewählt der VA-Titel ;-) .

  2. 2 Syndikalist 02. August 2011 um 23:23 Uhr

    Für die Teilnehmenden wäre, mal am Rande erwähnt, die Schrift „Gegenseitige Hilfe“ des bekannten Anarchisten und Geographen Peter Kropotkin, sehr erwähnenswert.
    Kropotkin beschreibt in diesem Buch, wie sich gegenseitig unterstützende Individuen sogar besser entwickeln und schneller „voran kommen“ als Individuen wie sie die Sozialdarwinisten gerne beschreiben. Dabei bezieht er sich u,a auch auf Beispiele aus der Tierwelt.
    Schade, dass darauf in der Ankündigung garnicht eingegangen wurde, als Gegenansatz zu dem sozialdarwinistischen Geseier, dass einem so oft in den Medien um die Ohren gehauen wird.

  3. 3 Bildzeitung 04. August 2011 um 10:02 Uhr

    Ok, jetzt verstehe ich auch, warum diese Syndikalisten im Beruf wie im Privaten immer so erfolgreich, ja so gut entwickelt sind… Thx

  4. 4 Kommunist_in 04. August 2011 um 17:08 Uhr

    Kropotkin ist ein gutes beispiel dafür das idealistische und deterministische Gesellschaftsanalysen nicht nur dem dogmatischen Marxismus vorbehalten waren (sind?). Ich finde es gut das in dem Text nicht auf ihn Bezug genommen wird. Wer es selber prüfen möchte, hier findet sich das Buch: http://www.gutenberg.org/ebooks/4341

  5. 5 Syndikalist 08. August 2011 um 14:48 Uhr

    Bildzeitung: Genau, du hast es exakt erfasst! Beim Syndikalismus geht es darum innerhalt der kapitalistischen Gesellschaftsordnung beruflich möglichst weit aufzusteigen, darin waren die GenossInnen in der Tat nicht so erfolgreich bisher.
    Da müssten sie als Spezies, wie du sie ja beschreibst, echt nochmal dran arbeiten. Danke für den Hinweis!

    Kommunist_in: [Bitte einsetzen: Diverse Sätze mit Fremdwörtern gespickt, um möglichst interllent auszusehen, dem gegenüber ablehnenswerte Ansichten zu unterstellen und um fehlende Stichhaltigkeit und fehlende Beweise für die eigenen Thesen zu übertünchen.][Abschließend noch einzusetzten: Für die Diskussion viel zu langen Literaturlink und verweis darauf, dass der schon recht scheiße sei, mit Verbindung auf die Eingangs erwähnten Thesen]

    PS: Ich hab versucht mich deinem Niveau anzupassen, ich hoffe es ist mir gelungen :)

  6. 6 Kommunist_in 09. August 2011 um 11:20 Uhr

    @Syndikalist: Sorry, ich wollte mich nicht unnötig kompliziert ausdrücken. Mir ging es draum folgendes zu sagen: Kropotkin macht eigentlich nichts anderes als diejenigen die „dem Menschen“ unterstellen egoistisch zu sein, nur das er den gegenteiligen Schluss zieht. Der Haken liegt aber nicht erst in seinem Schluss sondern bereits darin wie er zu ihm kommt, in seiner Methodik. Die ist nämlich nicht materialistisch, d. h. ein gesellschaftlicher Gegenstand wird aus sich selber heraus bestimmt (und kritisiert), sondern idealistisch, d.h. der Gegenstand wird von einem beliebigen, nach eigenem Geschmack, gewählten Standpunkt aus betrachtet. In diesem Fall ist dieser gewählte Standpunkt der der auf den Menschen übertragenen Evolutionstheorie, es könnte aber auch jeder andere sein. Dieser evolutionstheoretische Standpunkt funktioniert zusätzlich aber auch noch deterministisch d. h. er hat ein aus der Systematik des (selbstgewählten) Standpunktes folgenes Ergebnis, ein Ziel. In diesem Fall das der besser entwickelten und damit erfolgreichen Linken. Jedenfalls auf der Erscheinungsebene ist das alles dem historischen dogamtischen Marxismus sehr ähnlich, auch wenn das manchen anarchistischen Selbstvergewisserungen nicht schmeckt. Aus diesen Gründen finde ich es richtig und gut das in dem Einladungstext (und übrigens auch nicht bei der VA) nicht auf Kropotkin Bezug genommen wurde. Der von mir angehängte Text war übrigens der Text auf den du verwiesen hattest. Ich fand es sinnig, damit sich die hier mitlesenden sich auch selber ihre Meinung bilden können. Auch wenn er lang ist hätte das doch auch in deinem Interesse sein müssen?

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