Alarm bei Werder Bremen

Am Donnerstag beginnt in Bremen endlich der Prozess gegen sieben rechte Hooligans wegen eines brutalen Überfalls im „Ostkurvensaal“ des Bundesligisten. Deren Gewaltbereitschaft ist in der Hansestadt kein Einzelfall. Auch der SV warnt seine Fans.

Zwei große Prozesse gegen Neonazis in Bremen. Morgen beginnt vor dem Amtsgericht in Bremen nach über vierjähriger Verhandlungszeit endlich das Verfahren gegen sieben Anhänger der Neonazi- und Hooligan-Szene in der Hansestadt. Während sich weitere sieben Mitglieder der Kameradschaft „Sturm Wiking“ bereits seit Mitte August vor dem Landgericht wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verantworten müssen, wirft die Staatsanwaltschaft den Hooligans aus dem Umfeld von „Standarte Bremen“ und „Nordsturm Bremen“ schweren Hausfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung vor.

2007 hatten sie eine Feier von Fans im Ostkurvensaal des Bundesligisten Werder Bremen gestürmt und einige Partygäste zum Teil schwer verletzt. Obwohl es sich bei beiden Prozessen um scheinbar unterschiedliche kulturelle Zusammenhänge handelt – Neonazis und Hooligans – gibt es in Bremen enge Verbindungen.

Durch die beiden Verfahren wird das Ausmaß neonazistischer Gewaltbereitschaft in Bremen deutlich. Auch der SV Werder Bremen scheint sich inzwischen seiner Rolle als ungewollter Magnet diverser extrem rechter Spektren bewusst. So schloss der Fußballverein kürzlich den Bremerhavener NPD-Spitzenkandidaten und Bundesvorständler Jens Pühse aus.

SV befürchtet vermehrtes Auftreten von Hooligans

Mit einem internen Schreiben informierte die Geschäftsleitung des Vereins Anfang August darüber, dass es beim Heimspiel gegen Kaiserslautern im Weserstadion zu Drohungen gegenüber Prozesszeugen durch einen stadtbekannten Türsteher und „Kopf der Hooliganszene“ gekommen sei. Werder Bremen warnte: „Wir haben außerdem Befürchtungen, dass es nicht nur bei verbalen Einschüchterungen bleiben könnte und die rechtsextreme Hooligan-Szene vermehrt um die Spiele von Werder Bremen auftreten wird“.

Tatsächlich sehen Szenekenner beide Prozesse in Bremen im engen Zusammenhang. Markus S., einer der Hauptangeklagten im „Sturm-Wiking“-Verfahren, der während des Prozesses in Untersuchungshaft genommen wurde, steht im Impressum für die Homepage der Hooligan-Nachwuchstruppe „Nordsturm Bremen“, dessen Anhänger sich jetzt im Ostkurvensaal-Prozess verantworten müssen. S. wird beiden Szenen zugeordnet. Dessen Vater und Bruder führten den Wahlkampf der NPD im Frühjahr 2011 maßgeblich mit an.

Über gute Kontakte zur Neonazi-Partei und ihr Umfeld verfügen wiederum auch die Angeklagten im Überfall-Prozess bei Werder Bremen. Hannes O. ist Sänger der bekannten rechten Hooliganband „Kategorie C“, bereits 1991 war er an einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim beteiligt. An KC-Konzerten im Landkreis Verden 2010 und in Bremen-Oslebshausen in diesem Jahr nahmen zahlreiche bekannte Neonazis aus der Region teil. O.s älterer Bruder, der ebenfalls lange zur „Standarte Bremen“ gezählt wurde, arbeitete bis vor wenigen Monate als Geschäftsführer des Deutsche Stimme-Verlags der NPD in Sachsen. Beide Brüder beteiligten sich vor fünf Jahren an einem Aufmarsch für den inhaftierten Sänger der kriminellen Band „Landser“ in Berlin.

Feier zum fünfjährigen Bestehen von „Nordsturm Brema“

Einer der weiteren Hooligan-Anführer, die sich ab morgen vor Gericht verantworten müssen ist Andree S., der längst als gewaltbereiter Neonazi in der Region gilt. S. nahm an zahlreichen Aufmärschen der Neonazi-Szene teil. Gemeinsam mit einem weiteren Angeklagten Mirco H. organisierte der im Bremer Speckgürtel lebende Doppelaktionist im Sommer die Feier zum fünfjährigen Bestehen der rechten Hooligantruppe „Nordsturm Bremen“ (beziehungsweise Brema) auf einem Weserschiff. „Nordsturm Brema“ war zuletzt bei einem Werder-Spiel in Bochum aufgefallen, als sie ein Transparent mit der bewusst doppeldeutigen Aufschrift „NS HB – Sport frei“ hissten und für Unruhen sorgten. In Bochum hagelte es Stadionverbote.

Trotz ihres aggressiven Backgrounds konnten sich Teile der Hooligannazi-Szene längst in Bremen und Umland etablieren. So betreibt einer der jetzt Angeklagten einen Imbiss, ein anderer arbeitet seit langem als Detektiv in einem der größten Bekleidungsgeschäfte in der Bremer City. Vielleicht ist es gerade dieser Tatsache geschuldet, dass der SV Werder Bremen zwar warnt, aber seit dem brutalen Überfall im Ostkurvensaal 2007 keine Stadionverbote gegen die stadtbekannten rechten Hooligans ausgesprochen hat.

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2 Antworten auf „Alarm bei Werder Bremen“


  1. 1 Anastasia 22. September 2011 um 14:54 Uhr

    Im Radio lief grad, daß das Verfahren teilweise eingestellt werden soll. Ich dachte zuerst ich hör nich richtig, doch dann die Gründe.

    Das Verfahren würde zu langer dauern usw.
    Einige Nazihools bekommen Verwarnungen und andere geringe Geldstrafen, wobei hier die höchste bei 300 Euro liegen soll (radio bremen).

    300 Euro??? Das doch nix und das wars dann??? Was soll ich dazu noch sagen? Das zahlen die aus der Portokasse und sind beim nächsten mal wieder da, einfach unfassbar!

  1. 1 geringe „Strafen“ für Nazi-Hools « end of road Pingback am 23. September 2011 um 11:01 Uhr
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