Heute stören, Samstag grölen

Quelle: taz.de

Für Samstag plant die Nazi-Rockband „Kategorie C“ ein Konzert in Bremen. Dagegen demonstriert die Antifa am Dienstag – und die Nazi-Hooligans wollen auch kommen.

Kurz nach Bekanntwerden der rechtsextremistischen Mordserie der „NSU“ plant die rechte Hooliganband „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ einen Auftritt in Bremen. Dagegen demonstriert heute das antifaschistische Bündnis „Rechte Gewalt stoppen“. Die Band rief ihre Fans dazu auf, ebenfalls von Beginn der Demo an dabei zu sein.

„Wenn Ihr Euch das Elend anschauen wollt, findet Euch um 17 Uhr am Brill ein…Viel Spaß dabei!“, heißt es auf der Band-Website zur Demo. Was das bedeuten kann, steht nicht nur in den Songtexten: Sänger Hannes Ostendorf wurde erst Ende September vom Amtsgericht für einen brutalen Überfall auf Werder-Fans im Ostkurvensaal verurteilt. Auch in seinen Liedern wird er deutlich, etwa auf dem aktuellen Album „Deutsche Jungs“: „Bam, Bam, Bam, Antifa halt’s Maul! Bam, Bam, Bam, Ihr seid der letzte Dreck! Bam, Bam, Bam, wir hauen euch alle weg!“

Einschüchtern lassen will sich der Demo-Anmelder davon nicht: „Es ist ein Spiel für die Nazis, aus der Distanz ihr Gesicht zu zeigen.“ Seinen Namen will der Anmelder dennoch nicht in der Zeitung lesen.

Mit der Demo gehe es dem Bündnis nicht nur um die Verhinderung des Konzertes. „Die Morde der Thüringer Nazi-Terroristen zeigen, wie wichtig es ist, jeder Art von rechter Ideologie sofort entgegenzutreten“, sagt der Anmelder.

Im Mai konnte die Band in einem Vereinsheim in Oslebshausen vor 300 Fans aus dem rechten Spektrum ungestört aufgetreten. „Nach dem NPD-Aufmarsch im April, nachdem das Konzert im Mai von der Polizei zugelassen wurde und nach den milden Urteilen im Ostkurvensaal-Prozess denken die Nazis, sie könnten hier nett weiter machen,“ sagt der Anmelder.

Die Bremer Behörden warten derweil ab. „Wir wissen bislang nicht, wo das Konzert stattfinden soll“, sagt Rainer Gausepohl, Sprecher des Innensenators. „Die Polizei ist vorbereitet und wird gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen.“ Die Band hält ihre Auftrittsorte geheim. Am Tag des Konzerts werden Fans per Telefon zu Schleusungspunkten geleitet, wo sie den Auftrittsort erfahren.

Vor ein paar Tagen verschickte das Innenressort Briefe an 380 Vereine und 67 Vereinslokale. Die Wirte sollen die Polizei verständigen, wenn die Band bei ihnen auftreten will.

Dem Bremer Rechtanwalt Jan Sürig ist das nicht genug. Von der Leiterin des Stadtamtes forderte er Informationen über den Auftritts-Ort. Sürig geht davon aus, dass diese Information zu erlangen sei, da anderenfalls „der weitere Einsatz von V-Leuten des Bremer Verfassungsschutzes in der NPD und in der rechtsextremen Szene kaum noch zu rechtfertigen wäre“, heißt es in seinem Schreiben. Die Band übernimmt mit ihrem Namen „Kategorie C“ die Polizei-Bezeichnung für „gewaltsuchende“ Hooligans. Der Bremer Verfassungsschutz schreibt, sie sei „besonders wegen ihrer gewaltverherrlichenden Lieder in der Skinhead-Szene beliebt und trat in der Vergangenheit zusammen mit rechtsextremistischen Skinhead-Bands bei Konzerten auf.“

kopiert aus der taz