Bericht aus Delmenhorst.

Wie viele von euch bestimmt schon der Lokalpresse entnommen haben fanden in der Nacht vom 21. auf den 22. Januar Gewalttaten von Neonazis gegenüber alternativen Jugendlichen vor einer Kneipe in Delmenhorst statt.[1,2,3]
An genanntem Samstag Abend gab es in der „Szene“ in Delmenhorst ein Konzert der Neonazi-Hooliganband „Kategorie C – Hungrige Wölfe“, welche derzeit unter dem Namen „H.E.R.M.“ auftritt.
Circa 50 bis 60 Personen füllten die relativ neue Kneipe in der Orthstraße Ecke Lange Straße, darunter stadtbekannte Neonazis, Hooligans und Rocker.

ANGRIFFE.

Während in der Presse und in den Polizeiberichten von einem Angriff die Rede ist, gab es tatsächlich zwei. Der chronologisch erste hatte zum Glück nicht so schwere körperliche Folgen wie der zweite. Aber der Reihe nach:

Gegen 1 Uhr läuft eine Person an der „Szene“ vorbei, nach ein paar Metern wird diese von hinten angesprochen, auf Beleidigungen und Fragen wie: „Du bist doch einer der linken Zecken?“ folgen sofort Schläge und Tritte durch die eindeutig als solche zu erkennenden Kategorie C-Fans (u.a. Gürteltasche mit KC – Schriftzug). Der Angriff wurde von weiteren Besuchern, welche vor der „Szene“ standen, mit Beifall kommentiert. Die angegriffene Person schaffte es mit Gesichtsverletzungen und teilweise starken Prellungen zu entkommen.

Knappe 2 Stunden nach diesem Angriff, gegen 2:45 Uhr, bewegte sich eine Gruppe von 12 alternativ lebenden Menschen durch die Lange Straße vorbei an dem Ort des Konzerts. Als eine vor der Kneipe stehende Person diese erblickte verschwand er in der Lokalität um kurz danach mit rund 25, mit Baseballschlägern und Flaschen bewaffneten, weiteren Personen die Gruppe anzugreifen. Im Verlauf des Angriffes wurde einer Person mehrmals auf den Kopf getreten ein Augenzeuge sprach später von „Herumspringen auf dem Kopf“.
Das Resultat waren auf Seiten der Angegriffenen mehre leichte bis moderate Verletzungen, sowie eine zunächst lebensbedrohliche Kopfverletzung eines 21-Jährigen!
Aus Rücksichtnahme auf das Opfer wollen wir hier keine detaillierten Verletzungsbeschreibungen veröffentlichen, es sei jedoch gesagt, dass es drei Tage lang nicht sicher war, ob die Person überleben würde!

POLIZEI/VERFASSUNGSSCHUTZ.

Vor dem Hintergrund, dass ein Mensch fast tot geprügelt wurde, ist der Fakt, dass die Polizei dieses im Vorfeld hätte verhindern können umso trauriger.
Der niedersächsische Verfassungsschutz (VS) hatte offenbar Samstag Mittag Kenntnis von dem geplanten Konzert erlangt, wusste aber nach eigenen Aussagen nicht wo sich dieses abspielen sollte.
Zudem informierte der VS offensichtlich nicht einmal die Polizei über ein eventuelles Konzert der Neonazis.
Denn als bereits um 22 Uhr eine Ruhestörung in der „Szene“ gemeldet wurde, kamen weder die Streifenwagenbesatzung noch die „zusätzlichen zivilen Einsatzkräfte der Polizei im Stadtgebiet“[4] auf die Idee, dass dieses das geplante Konzert sein könnte.
Soweit so schlecht, für einen Verein welcher sich die Verhinderung eben solcher Konzerte auf die Fahnen schreibt.

Des weiteren wählte wohl Peter Piskalla, seines Zeichens Besitzer der Kneipe, und einer der Angreifer, den Notruf aufgrund von „pöbelnden Jugendlichen“.
Dieser fand wohl gemerkt nach dem Angriff und bereits nach dem Entfernen der Opfer statt.
Auch zu diesem Zeitpunkt vernahmen die, zugegebenermaßen anscheinend uninformierten, Polizisten kein Konzert.

Umso skandalöser ist die Behauptung der Polizei, erst am Dienstag den 24.01. durch „ein Video auf einer Internetplattform“ von dem stattgefundenen Konzert erfahren zu haben![5]

Des weiteren tauchten am Mittwoch dem 25.01. Beamte des Fachkommissariats 4 (Politisch motivierte Straftaten) im Krankenhaus auf und befragten das schwer verletzte Opfer in ziemlich aggressiver und bedrängender Art und Weise, zwei anwesende Freunde des Opfers konnten die Situation jedoch etwas entschärfen.

Ebenfalls am Mittwoch durchsuchte die Polizei die „Szene“, ob etwas Relevantes gefunden wurde ist nicht bekannt, die Polizei schloss jedoch von vornherein aus, dass der Besitzer an der Tat beteiligt war: „Es handelte sich hierbei um eine sogenannte Durchsuchung beim Unverdächtigen zum Auffinden von Beweismitteln. Der Betreiber der Gaststätte, der bei der Durchsuchung anwesend war, zeigte sich kooperativ.“[6]

Das die Polizei und der Verfassungsschutz keine Hilfe im Kampf gegen reaktionäre Ideologien sein können ist uns bewusst, dass, gerade aufgrund der Öffentlichkeit in Zusammenhang mit der „NSU“, der VS nicht in der Lage oder nicht Willens ist ein solches Konzert, mit den immer gleichen Folgen, zu verhindern ist jedoch bezeichnend!

FAZIT.

Von der „Szene“ ausgehend gab es innerhalb von drei Stunden zwei Angriffe auf alternativ denkende oder lebende Menschen, bei diesen wäre eine Person beinahe ums Leben gekommen! Die Neonazis in Delmenhorst haben mit dieser Kneipe einen neuen Treffpunkt gefunden, in dem sie mit Gleichgesinnten erst zu einer gewaltverherrlichenden und faschistoiden Band feiern und danach direkt davor Menschen hemmungslos zusammenschlagen können.

Im Kampf gegen alle Formen der Diskriminierung und Unterdrückung brauchen wir einen organisierten Selbstschutz, zudem ist erneut bewiesen worden, dass sich nicht auf die Staatsorgane verlassen werden kann!

Den antifaschistischen Selbstschutz organisieren!
Naziangriffe unmöglich machen!

1 = Weser Kurier
2 = Delmenhorster Kreisblatt
3 = TAZ
4 = Polizeipresse 1
5 = Polizeipresse 2
6 = Polizeipresse 3

Link mit Infos zu der Band „Kategorie C“, HIER.

Quelle: Antifa Delmenhorst


6 Antworten auf „Bericht aus Delmenhorst.“


  1. 1 Jens 28. März 2012 um 12:19 Uhr

    High,

    sehr fetter Bericht.

    Ist schon krass was Politik als Wahnsinn in den Köpfen der Menschheit anrichten kann und damit meine ich Politik im Allgemeinen.

    Irgendwie wird Politik immer von außen gesteuert und verursacht Minderwertigkeit, Hass, Getriebenheit und vieles mehr.

    Mir erscheint es folgendermaßen:

    Ist Politik eine Krankheit?
    Steckt man sich persönlich über die Medien, Freunde und Parteien an?
    Ist Politik heilbar?

    Gruß aus Delmenhorst

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