„Wildtierverbot greift bei Circus Belly nicht“

kopiert aus dem Weser Kurier

Im Dezember erst hat die Bremische Bürgerschaft mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken ein Wildtierverbot für Zirkusse beschlossen. Doch das ändert offensichtlich nichts an der Praxis: Im März gastiert der Circus Belly auf einem Privatgrundstück in Bremen. In der Manege werden dann auch Krokodile, Schlangen und Löwen zu sehen sein.

An den Zäunen entlang der Straßenbahnlinien hängen bereits die Plakate. Circus Belly kündigt eine Show mit dem Namen „Stars of cinema“ an. Doch es geht nicht nur darum, dass Pirat Jack Sparrow und der Gladiator artistische Leistungen zeigen, sondern auch darum, dass der Zirkus vom 9. bis zum 15. März mit exotischen Tieren auftreten wird. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigt, dass zum Beispiel auch Tiger und Kamele dabei sein werden – was eigentlich in Bremen per Bürgerschaftsbeschluss verhindert werden sollte.

Mit dem Parlamentsbeschluss vom Dezember ist der Senat aufgefordert worden, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, „Zirkussen in Bremen den Auftritt zu verbieten, die folgende Tiere halten“. Es folgt eine lange Liste von Arten, unter anderem Alligatoren, Antilopen, Bären, Jaguare, Krokodile, Tiger, Tümmler, Wölfe und Zebras. Begründung der Abgeordneten: „Eine artgerechte Haltung von Wildtieren ist im Zirkus nicht möglich.“ Im selben Beschluss wird der Senat aufgefordert, eine Bundesratsinitiative für ein bundesweites Verbot zur Haltung von Exoten in Zirkussen zu starten.

Offensichtlich hat die Entscheidung der Bürgerschaftsmehrheit, Zirkusse mit Wildtieren an der Landesgrenze abzuweisen, keinen greifbaren Effekt. „Bisher konnte weder eine Bremer Verordnung noch das bundesweite Verbot umgesetzt werden“, sagt die Sprecherin der Senatorin für Bildung und Wissenschaft, Karla Götz. Sie verweist darauf, dass das Ressort die juristischen Möglichkeiten ausgelotet habe und derzeit keine Chance sieht, aktiv zu werden und das Verbot zu verwirklichen. Auch andere Kommunen seien an einer lokalen Lösung gescheitert, so Götz weiter. Einziger Ausweg aus ihrer Sicht: Zunächst müsse das Tierschutzgesetz geändert werden. Das aber würde nochmals einige Zeit in Anspruch nehmen. Da sich das Gesetz auf Bundesebene ändern müsse, so Götz, wäre zunächst eine Mehrheit des Bundestages notwendig.

Zweites Problem: Belly gastiert nach eigenen Angaben mit der Kino-Schau in der Nähe des Weserparks auf einem Privatgrundstück. Auf diesem Weg könnte sich das Unternehmen auch in Zukunft einer Bremer Verordnung entziehen, da sich diese aufgrund der rechtlichen Möglichkeiten nur auf öffentliche Flächen beziehen kann. Vor wenigen Wochen war das noch anders, da machte Belly mit seinem „Weihnachts-Circus“ und vielen Wildtieren in der Überseestadt Station. Vermieter war in diesem Fall die öffentliche Hand, genauer die Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

„Wir sind in Bremen sehr beliebt und wissen, dass die Bremer unsere Shows mögen“, betont der Direktor Klaus Köhler. Besonders der klassische Zirkus locke das Publikum an die Manege, so Köhler. Solange die Zuschauer zahlreich erscheinen, sähe er keinen Grund, um die Programmstruktur zu ändern. Auch im Anschluss an die „Weihnachts-Circus“-Termine hatte der Veranstalter eine positive Bilanz gezogen. Die Debatte über das Wildtierverbot ärgert den Zirkusdirektor. Er vergleicht die Lebensbedingungen der Tiere mit der von exotischen Haustieren.

Die Abgeordneten, die den Antrag im Dezember eingebracht haben, können mit der Entwicklung nicht zufrieden sein. Das Beschlusspapier war von Linda Neddermann (Grüne) und Insa Peters-Rehwinkel (SPD) vorbereitet worden. „Zurzeit bleibt uns aber nichts anders übrig, als zu warten. Ich bedaure das“, räumt Linda Neddermann ein. Weil das Verbot nicht greift, ruft sie die Bremer dazu auf, Zirkusse mit Wildtieren im Programm zu meiden. Dass nach dem Beschluss vom Dezember jetzt aber nichts passiert, will das Bürgerschaftsmitglied nicht akzeptieren. „Da müssen wir noch nachhaken.“ Entgegen der Bildungsbehörde weist sie auf Städte hin, die ihrer Kenntnis nach ein Verbot sehr wohl durchgesetzt hätten, zum Beispiel Heidelberg und Köln.

Ähnlicher Meinung ist auch die SPD-Abgeordnete und Urheberin des Antrags, Insa Peters-Rehwinkel. „Ich behaupte nicht, dass es den Tieren in Zirkussen generell schlecht geht, dennoch kann ich diese Art der Tierhaltung nicht gutheißen“, betont sie. Wie Neddermann setzt sie auf eine bundeseinheitliche Lösung, hält diese aktuell aber für eher unwahrscheinlich. Die Mehrheit des Bundestags hat sich mit den Stimmen der Regierungsmehrheit erst im Dezember gegen ein Wildtierverbot ausgesprochen.

Weitere Zirkus-Gastspiele mit Wildtieren in Bremen sind folglich denkbar. Wann sich nach „Stars of Cinema“ des Unternehmens Belly die nächste Show anmeldet, stand gestern noch nicht fest. Die Debatte wird derweil nicht allein in Bremen geführt. Erst vor wenigen Tagen hat es Medienberichten zufolge eine Auseinandersetzung zwischen Tierschützern und dem Zirkus Universal Renz gegeben, der in diesem Monat in Münster gastierte und jetzt nach Detmold zieht. In Münster richtete sich der Protest speziell gegen das Halten von Elefanten in Zirkussen.

Quelle: Weser Kurier