Nordenham: Nazis und die Todesstrafe

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Nachdem ein 45jähriger Kirchenmusiker aus Nordenham den sexuellen Missbrauch an drei Kindern gestanden hat, belagerte am Samstag, 17.März eine Gruppe vermummter Neonazis das Haus des Täters, zerstörte Außeneinrichtungsgegenstände und versuchte, in das Haus einzudringen. Die Nazis flüchteten, fünf der vermutlich acht Personen wurden jedoch im Verlauf des Abends von der Polizei gestellt.

Die Neonazis entstammen demselben Personenkreis, der auch den gewalttätigen Übergriff auf eine Person in der Oldenburger Kaiserstraße sowie den Farbanschlag auf den jüdischen Friedhof zu verantworten hat.

Ortskenntnis dürfte vor allem der in Brake wohnende Kevin Sinzingr bewiesen haben. Das Mitglied der NPD-Oldenburg kommt aus Nordenham und ist aktiver Teil des NPD-Unterbezirks.


Kevin Sinzingr (mitte) aus Brake bei einem NPD-Aufmarsch in Bremen

autoritäre Ideologie und ihrer Anschlussfähigkeit

Die Neonazis nutzen Fälle wie diesen, um ihrer Vorstellung von einem autoritären Gesellschaftssystem Ausdruck zu verleihen. In diesem Kontext fordern sie die Wiedereinführung der Todesstrafe.
Inhaltlich wollen die Nazis also den Tod von Menschen durch die Hand des Staates. Eine Analyse der gesellschaftlichen Ursachen, die zu sexualisierter Gewalt führen, findet nicht statt. Sie wollen Unrecht mit Unrecht begegnen.
Der Wunsch nach der Todesstrafe für Sexualstraftäter ist nicht nur inhuman, er greift auch zu kurz und unterlässt eine weitergehende, gesellschaftliche Analyse, die sich auf die Suche nach Ursachen sexualisierter Gewalt macht.
In unserer Gesellschaft herrschen immer noch sexistische Frauen*- und Männer*leitbilder vor und werden täglich vielfach reproduziert. Der „männliche Eroberer“ ist immer noch Teil dieser Rollenbilder. Grenzüberschreitungen werden so tagtäglich zur Normalität gemacht und verharmlost. Generell werden männlich sozialisierten Menschen Eigenschaften wie Stärke, Dominanz und Durchsetzungsvermögen zugesprochen. Die oben beschriebenen Eigenschaften auch mit Gewalt durchzusetzen, stellt die Fortführung dieser Denkmuster dar. Dass dies zwangsläufig auch zu sexistischen Grenzüberschreitungen führt, liegt auf der Hand.
Dies ist nur ein grob skizziertes Erklärungsmodell, das die gesellschaftlichen Verhältnisse zumindest teilweise mit einbezieht. Die Suche nach den Ursachen sexualisierter Gewalt ist natürlich noch viel komplexer. Neben der oben beschriebenen Theorie zur sexistischen männlichen Verfügungsgewalt spielen auch noch Faktoren wie Machtungleichheit zwischen Erwachsenen und Kindern, die Akzeptanz von aggressivem Sexualverhalten z.B. in den Medien, die geschlechtsspezifische Sozialisation von Machtausübung und Dominanz oder das vergleichsweise geringe Strafverfolgungsrisiko eine Rolle.
Um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen: Es geht uns bei diesen Überlegungen keineswegs darum, Täterschutz betreiben zu wollen.
Sexualisierte Gewalt wird jedoch nicht mit Lynchjustiz gegen Täter gelöst. Für die nachhaltige Bekämpfung dieses Problems bedarf es auch gesamtgesellschaftlich wirkender Interventionen, die den sexistischen Normalzustand angreifen und beseitigen.
Diese Überlegungen sind freilich komplexer als einfach nur den Kopf der Täter zu fordern. Gerade wegen der vermeintlich einfachen Lösung gelingt es Nazis mit diesem Thema oft, vergleichsweise viele positive Resonanzen zu erzielen. Oft werden Nazis bei lokalen Protesten gegen Sexualstraftäter mit ihrer Forderung nach der Todesstrafe von der Bevölkerung mit offenen Armen empfangen.
So gelingt es ihnen, sich und ihre nationalsozialistische Ideologie mit ihrer Vorstellung eines autoritären Gesellschaftssystems inklusive Todesstrafe ein Stück weit zur (akzeptierten) Normalität werden zu lassen.
Klar muss auch sein, dass die Nazis die Todesstrafe nicht ausschließlich für Sexualstraftäter fordern, sondern auch andere missliebige Menschen, die nicht in ihre sogenannte „Volksgemeinschaft“ passen, hinrichten wollen. Dies ist Teil der nationalsozialistischen Ideologie. Die „Volksgemeinschaft“ steht über allem. Alle Menschen, die ihr (vermeintlich) schaden, müssen der Logik der Nazis entsprechend beseitigt werden.

angestiftet von der NPD

Den Antrieb für die nun in Nordenham stattgefundene Aktion der Neonazis lieferte die NPD-Oldenburg. Regelmäßig werden auf der Facebookseite des Unterbezirks Aufrufe veröffentlicht, die die „Todesstrafe für Kinderschänder“ fordern. Bereits am 14. März verlinkte die NPD-Oldenburg einen Artikel, der auf den in Nordenham wohnenden Sexualstraftäter aufmerksam machte. Kommentar der NPD-Oldenburg: „Keine gnade gegen Kinderschänder“ (Fehler im Original). Ergänzender Kommentar eines Sympathisanten: „[…] man sollte die Leute aufknüpfen“. Diesen Kommentar sowie einen Artikel, der über die Aktion der Nazis berichtete, kennzeichnete die NPD-Oldenburg mit „gefällt mir“.
Noch eindeutiger in der Bildsprache wird der Huder NPD-Aktivist Lyzian Bankmann. Er stellte sich vermummt mit einer Axt in einer selbst gemachten Fotomontage dar, zusammen mit dem abgetrennten Kopf des Sexualstraftäters. Dazu der Slogan: „Keine Drohung, sondern ein Versprechen“.

Die Forderung nach der Todesstrafe ist ideologisches und politisches Programm der Neonazis um die NPD.


Screenshots der Facebookseite der NPD-Oldenburg


„Keine Drohung, sondern ein Versprechen“ – selbst erstellte Grafik des NPD-Aktivisten Lyzian Bankmann (Hude)

Die Proteste gegen Sexualstraftäter sind für die Nazis auch im Oldenburger Raum eine willkommene Gelegenheit, ihre Gewaltfantasien und Forderungen nach einem autoritären Gesellschaftssystem, das auch die Todesstrafe anwendet, zu präsentieren. Bei kaum einem anderen Thema ernten sie so viel Zuspruch wie bei diesem. Es ist daher dringend notwendig, in diesem Bereich Aufklärungsarbeit zu leisten und den Nazis überall dort entgegenzutreten, wo sie ihre menschenverachtenden Vorstellungen präsentieren wollen.

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siehe auch:
[regentied] nazi-lynchmob in nordenham