Die BILD hat’s erkannt: Chaoten, ein Vogel und ein Sixpack Bier


Screenshot bild.de

„Häuser besetzen statt teure Mieten!“ und „Yuppies verpisst euch!“ Chaoten der „Autonomen Gruppe“ klebten nachts das Viertel mit bunten Plakaten zu.

Darauf kündigten sie auch an, Häuser besetzen zu wollen. Im Fokus der Autonomen steht das neue Wohn- und Geschäftshaus am Ziegenmarkt. Ihr Protest richtet sich gegen Investoren, die ihrer Meinung nach später die Mieten hochtreiben.

Haltestellen, Fensterscheiben von Boutiquen, Restaurants – alles wurde dicht geklebt. Fransesco Giuriola (52) vom „la cucina“ schimpft:

„Was habe ich damit zu tun, wenn die Politik entscheidet, ein altes Haus durch ein Neues zu ersetzen? Das hier ist purer Vandalismus!“

Seit gut einem Jahr werkeln Bauarbeiter an dem schicken Objekt mit Wohnungen und hellen Büros im Obergeschoss. Im Erdgeschoss eröffnet heute Rewe seinen Laden.

Bauleiter Markus Mennerich (39) kann die Aufregung nicht verstehen: „Es gab extra einen Architekturwettbewerb, Viertel-Bewohner hatten ein Mitspracherecht.“

Marketing-Managerin Ingrid E. (34) wohnt direkt gegenüber des Neubaus: „Ich finde es nicht schlecht, mit den großen Fenstern und Balkonen. Ist doch logisch, dass man heute nicht mehr so baut wie vor hundert Jahren.“

Was sagt Viertel-Bürgermeister Robert Bücking zu der Plakat-Aktion der Autonomen?

„Ich glaub die haben einen Vogel. Der Supermarkt ist wichtig für das Steintor und die dortigen Händler. Und am Ende werden wir sehen, wie die Plakatkleber mit ihrem Sixpack Bier aus dem Supermarkt laufen.“

Quelle: bild.de

siehe auch:
Nordsee Zeitung: Schleichende Aufwertung im Viertel


13 Antworten auf „Die BILD hat’s erkannt: Chaoten, ein Vogel und ein Sixpack Bier“


  1. 1 schrecklich, aber wahr... 27. April 2012 um 1:31 Uhr

    dass ein bild-artikel mehr hergibt, als „linksradikale“ plakate. bei so einer erbärmlichen aktion vergeht mir jede solidarische kritik. wie kann mensch sich nur so sehr um sich selbst drehen und nix mehr mitkriegen außerhalb des kleinen juz-jägerzauns.
    die autonome gartenzwerg-fraktion hat beschlossen, dass es im viertel nicht mehr so schön ist wie früher und deswegen irgendweclhe beknackten läden und den rewe-neubau als hauptfeind ausgemacht. mal ehrlich – wenn’s nicht so traurig wäre, wär’s zum brüllen.
    die deutsche europa-politik jagt millionen menschen in griechenland in existenznöte, ne nazi-gruppe ermordet unbehelligt 10 menschen, eine rechte regierung nach der anderen übernimmt den laden in den nachbarländern, die grenzen werden immer dichter, etc. und kaum ein mensch kriegt mehr die klappe dazu auf. aber wenn jedes jahr mehr leute mit teuren sonnenbrillen durchs lange durchgentrifizierte viertel schlendern, ist das echt der untergang und muss mit entsprechendem pathos bekämpft werden.
    soviel bier kann ich mir in der friese gar nicht leisten, wie ich kotzen möchte!
    ps: wenn ich die pappköppe erwische, die den gedenk-pavillon für die von nazis ermordeten menschen vollgekleistert haben, zieh ich sie persönlich an den ohren vom vokü-tisch zum saubermachen.
    aber wahrscheinlich ist der pavillon in wahrheit auch nur eine geplante yuppie-aktion, um wertvolle plakatflächen zu stehlen.
    ihr könnt mir sowas von gestohlen bleiben. eure dumpfheit ist eins von vielen spiegelbildern der herrschenden ordnung.

  2. 2 Klebstoffmonster 27. April 2012 um 16:06 Uhr

    Es ist nicht ok mit solchen flames die Anliegen gegeneinander zu stellen.
    Beim ersten Kommentator kommt das Ressentiment voll durch.
    Schreiben so die Hausbesitzer?

    Es gab eine ganze Reihe von Protesten gegen den KrisenKrieg der Eurozone und Solidaritätsaktionen mit Griechen, Spanier_innen u.a. – auch mit autonomer Beteiligung.

    Schön, dass es auch Aktionen gibt, die von der Form her noch weitergehen und sich nicht an die engen Regeln halten.

    Nur sollte das noch besser klappen.
    Pathetisch die BILD – „Plakatterror“, klingt wie ein Lob oder Neid. Auf dass es wirksamer wird.

  3. 3 Rocco! 28. April 2012 um 20:03 Uhr

    Sehr guter Kommentar, danke dafür!

  4. 4 zu schön um wahr zu sein... 29. April 2012 um 0:40 Uhr

    Erstens war dies wohl kaum die Friese, wie du durchblicken lassen möchtest! Wie weltfremd bist du solche Vermutungen ins Netz zu stellen?

    Zweitens: Sagst du gerade wirklich, dass man nichts gegen kapitalistische Stadtumstrukturierung machen darf, weil es noch viel schlimmere Dinge auf der Welt gibt? Was geht denn mit dir?

    Drittens: Du verkürzte das Problem darauf, das Menschen mit teuren Sonnenbrillen durchs Viertel laufen – dass dabei ganz real Menschen vertrieben werden, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können und/oder von Polizei am Aufenthalt gehindert werden scheint für dich kein Thema zu sein.

    Viertens: Die Gedenk-Stencils auf dem Trafohäuschen wurden doch, wie ich das sehe, extra frei gelassen. Wieso es nun nicht mehr erlaubt sein soll auf freien Flächen zu plakatieren müsstest du mir mal erklären.

    Um in deinem Vokabular zu bleiben – deine Dumpfheit ist eins von vielen Spiegelbildern der Herrschenden Ordnung. Dein Text hätte auch von der CSU kommen können.

  5. 5 @klebstoffmonster @zu schön 30. April 2012 um 13:17 Uhr

    die abwehrmechanismen sind immer die gleichen: du hast kritik, du musst hausbesitzer sein, beim geheimdienst oder mindestens bei der csu – an der die aktion mit ihrer heimeligen verteidigung der eigenen wohnzone viel näher dran ist. aber dazu gäbe es viele seiten zu füllen.
    nirgendwo wurde behauptet, dass mensch nichts gegen kapitalistische stadtumstrukturierung tun soll. aber es ist einfach so herrlich weltfremd, was dazu gemacht wird.
    schaut euch doch mal im viertel um. die große umstrukturierung hat lange stattgefunden. natürlich gibt es auch noch mal konjunkturen wie im moment und mietpreise steigen – aber das ist keine gentrifizierung im engen sinne. die ekelhaften bullenkontrollen gegen junks und andere hat es im viertel immer schon gegeben, was nichts besser macht, aber teil der bremer drogenpolitik ist und nicht zu einem großen umstrukturierungsplan gehört. gentrifizierung kommt aus den sechzigern und meint den planmäßigen umbau eines stadtteils wie brooklyn oder london-islington damals. was in wilhelmsburg passiert ist, kommt dem vielleicht ein bisschen nahe. nicht mit teuren, sondern mit günstigen mietpreisen werden student_innen und mittelschichtfamilien in den stadtteil gelockt, um dessen struktur zu verändern.
    im viertel waren es die politischen kämpfe um die trasse und der zuzug von alternativer, linker kultur, die den stadtteil von einem sehr heterogenen stadtteil (in den 50er jahren wurden hier gezielt ärmere familien angesiedelt, um im rahmen von gleichstellung eine soziale mischung zu erzeugen) zu einem „szene-kiez“ machten. das ist wohl kaum eine entwicklung, die rückgängig gemacht werden soll, oder?
    das was heute passiert, ist einfach die (sicher nicht schöne) entwicklung eines touristisch und marketingmäßig gut verwertbaren stadtteils. von dieser verwertung profitieren dann ja auch wieder kleine läden, die mehr frequentiert werden (golden shop, tom&karo, dönerbuden) – was nicht heißen soll, dass ich die entwicklung gut finde, aber es ist eben widersprüchlich. was dagegen passiert ist einfach das trauern um einen subkulturelle hegemonie, die nicht unter der stadtteilstruktur zusammengebrochen ist, sondern unter dem niedergang autonomer und linksradikaler politik- und lebenskonzepte (darüber ließen sich auch viele und sicher spannende seiten füllen). aber dieser niedergang ist mit mantren, die „unser viertel“ beschwören, nicht rückgängig zu machen.
    für abwertung des stadtteils und günstige mieten hätte mensch damals für die spd-trasse kämpfen müssen. die dgb-wohungsbaugesellschaft hätte dann auch hier erfolgreich arbeiter_innen-wohnungen bis 28 stockwerke gebaut und das viertel sähe in weiten teilen aus wie die neue vahr oder tenever.
    aber irgendwie wohnen auch autonome so gerne in gemütlichen altbauten und da es die eben nicht für alle gibt, kämpft man zumindest für den eigenen verbleib in einem solchen.
    dann aber sich die vertriebenen bewohner_innen auf die fahne (plakate) zu schreiben, ist heuchelei.
    die sind in der größten mehrheit lange weg. wer sich für ausgegrenzte der kapitalistischen stadtstruktur interessiert, geht in bezahlbare quartiere und hört sich dort mal an, was die leute so umtreibt. und glaubt mir, es sind nicht zu viele „yuppies“, cafés und supermarkt-neubauten.
    und leider (!!!) sind auf diesem gebiet städtisch finanzierte programme wie ‚wohnen in nachbarschaften‘ engagierter und näher an den bewohner_innen als autonome stadtteilpolitik. wer kontakt aufnehmen will, kann sicher gern mal eine öfentliche stadtteilgruppensitzung in huchtingen oder tenever besuchen.
    und wieder ps und da werd ich nochmal sauer: es wurden nur die freien flächen auf dem gedenk-pavillon plakatiert. na dann ist ja gut. sag mal, hackt’s??? an den seiten des denkmals für die ermordeten vom 9.11.38 ist auch noch platz zum plakatieren – bei den wenigen übrigen plakatflächen ist das ja wirklich wichtig. hilfe, ist das ätzend!! macht euch mal gedanken zu der tragweite von rassismus und antisemitismus in der gesellschaft (euch eingeschlossen)!

  6. 6 endofroad 30. April 2012 um 22:08 Uhr

    endofroad ist nicht das Forum für [längere] Dis­kus­sio­nen!

    Nutzt doch bitte andere Medien dafür!

  7. 7 @ "@klebstoffmonster @zu schön" 02. Mai 2012 um 0:42 Uhr

    Es ist gut, wichtig und richtig, dass dort die Stencils angebracht wurden. Endlich mal ein gutes Projekt in der Jugendarbeit. Aber trotzdem ist das immer noch ein Trafohäuschen und keine Gedenkstätte. Wie kannst du das Ding mit einem Denkmal vergleichen? Ist jetzt jede Wand mit einem antifaschistischen Graffiti, welches auf die Opfer rechter Gewalt aufmerksam macht für Plakate tabu? Es wurde doch gut drauf geachtet, dass genügend Platz zu den Stencils eingehalten wurde.

    P.S: Auch wenn ich nicht all deine Kritik teile: vielen Dank für diesen gut geschriebenen und mit inhalt gefüllten Kommentar. Schön hier mal nicht nur Beleidigungen zu lesen…

    @ Eor: Warum sollen denn hier keine Diskussionen geführt werden?

  8. 8 @@@ 03. Mai 2012 um 17:11 Uhr

    Das Trafohäuschen wurde von den Kids zu einem Gedenkort gemacht und natürlich ist das für Plakate tabu! Was macht ihn denn nach deiner Wahrnehmung nicht zu einem Denkmal? Der Ort soll dazu einladen, sich mit den Leuten zu beschäftigen und sich deren Geschichten durchzulesen und dafür ist es wichtig, wenn die nicht einfach gerade noch so zwischen irgendwelchen beknackten und nicht-beknackten Plakaten durchscheinen.
    Ist doch echt widerlich, das noch diskutieren zu müssen!!!
    Das ganze Viertel ist eine riesige Plakatwand und es muss aber natürlich genau auf einem der wenigen ganz klar politisch besetzten Orte sein. Ist ja dann auch geradezu ne Einladung, dass das Moments und andere Atzen da bald auch drauf kleistern.
    Ich hab mich die ganze Zeit gefragt, wie lange es dauert, bis Nazis den Pavillon beschädigen, irgendwelche Arschlöcher drauf taggen oder oder..
    Und wer ist als erstes so bekloppt? „Autonome Gruppen“… Bitter!

  9. 9 endofroad 05. Mai 2012 um 12:53 Uhr

    Keine ausufernden Diskussionen, weil:

    - Öffentlichkeit, Nazis, Bullen, VS, etc. lesen mit
    - Offenlegung von Interna
    - fragwürdiger Umgang untereinander
    - …

    Wir empfehlen wir ausufernde Diskussionen andere Medien. Beispielsweise die LaRage.
    Oder schreibt nen Artikel für den Blog mit euren Diskussionsinhalten. Ist netter als dieses rumgeflame!

    siehe auch:
    endofroad.blogsport.de/diskussion

  10. 10 bobo 05. Mai 2012 um 14:05 Uhr

    naja… als erstes so bekloppt waren wohl „köfte und koscher“ per stencil, aber das geht sicherlich völlig in ordnung.

  11. 11 @bobo 06. Mai 2012 um 17:56 Uhr

    meinste nicht ernst, oder? troll!

  12. 12 nenene 08. Mai 2012 um 23:19 Uhr

    anstatt sich mal zu freuen dass überhaupt jemensch was macht… und woher willst du wissen was die menschen so in ihrer restlichen zeit tun? ziemlich vermessen. solln sich die meckermäuler, motzer*innen mal am riemen reissen und mal aufhören alles wegzuflamen was ihnen nicht passt, und mal selbst aktiv werden anstatt über realpolitisch uninteressantes zu labern. wenn du das alles so scheisse findst dann geh und mach ma was zu dem thema. soweit ich das gesehn hab warns ja nur die blöden autonomen die was gemacht haben.. und alle andren meckern halt nur rum. wie (fast) immer.

  13. 13 @nenene 11. Mai 2012 um 17:42 Uhr

    uiuiui, jetzt spricht die d.i.y.-heimwerker-fraktion: hauptsache ärmel aufkrempeln, zupacken, aufbauen. denken und reflektieren ist offenbar überbewertet.
    wenn das die antwort auf eine begründete diskussion zu einer aktion ist, dann macht diskutieren offenbar wenig sinn.
    und es bleibt dabei: wer die gedenkwand vollschmiert, hat zumindest verbal einen auf die mütze verdient und bisschen in-sich-gehen statt zurückflamen könnte nicht schaden.
    und mal ehrlich: manchmal lieber nix machen, anstatt irgendwas.
    der macht-ja-sonst-keiner-was-vorwurf wird zur kenntnis genommen und z.b. hiermit beantwortet: http://www.kreiszeitung.de/nachrichten/bremen/obdachlose-sind-verlierer-2311660.html

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