Stadtumstrukturierungsgegner besuchten die Rewe-Eröffnung am Ziegenmarkt

Am 26.04. gegen 15:00 fanden sich ungefähr zwanzig Stadtumstrukturierungsgegner am Ziegenmarkt ein. Vor dem Rewe war ein Luftballonstand, wo Leute kostenlos Glücksrad drehen durften um Kugelschreiber, Schlüsselbänder oder Deutschlandwimpel fürs Auto zu gewinnen. Drinnen gab es gebratene Champignons von Wiesenhof. Ein paar Sicherheitsleute sorgten für Sicherheit.

Die Stadtumstrukturierungsgegner standen erst unschlüssig herum, machten dann aber fröhnlich von dem Angebot Gebrauch. Besonders die Deutschlandfahnen waren beliebt. Aber auch die Champignons wurden gerne gegessen. Später gab es sogar einen Kasi, der mit verzerrtem Punkrock die Rewe-Musik ergänzte.

Insgesamt war die Aktion recht gemütlich. Der Rewe hat sich sicherlich sehr über die zusätzlichen Gäste gefreut.

siehe auch:
taz: Yuppie-Wohnungen unbeliebt


2 Antworten auf „Stadtumstrukturierungsgegner besuchten die Rewe-Eröffnung am Ziegenmarkt“


  1. 1 immer diese männers 29. April 2012 um 23:32 Uhr

    Die Antigentrification-Szene scheint sehr männlich dominisert. Schade, dass nur männlich-sozialisierte Personen an der Aktion teilnahmen…

  2. 2 strukturelle strukturierung 30. April 2012 um 13:35 Uhr

    es ist einfach so herrlich weltfremd, was da gemacht wird.
    schaut euch doch mal im viertel um. die große umstrukturierung hat lange stattgefunden. natürlich gibt es auch noch mal konjunkturen wie im moment und mietpreise steigen – aber das ist keine gentrifizierung im engen sinne. die ekelhaften bullenkontrollen gegen junks und andere hat es im viertel immer schon gegeben, was nichts besser macht, aber teil der bremer drogenpolitik ist und nicht zu einem großen umstrukturierungsplan gehört. gentrifizierung kommt aus den sechzigern und meint den planmäßigen umbau eines stadtteils wie brooklyn oder london-islington damals. was in wilhelmsburg passiert ist, kommt dem vielleicht ein bisschen nahe. nicht mit teuren, sondern mit günstigen mietpreisen werden student_innen und mittelschichtfamilien in den stadtteil gelockt, um dessen struktur zu verändern.
    im viertel waren es die politischen kämpfe um die trasse und der zuzug von alternativer, linker kultur, die den stadtteil von einem sehr heterogenen stadtteil (in den 50er jahren wurden hier gezielt ärmere familien angesiedelt, um im rahmen von gleichstellung eine soziale mischung zu erzeugen) zu einem „szene-kiez“ machten. das ist wohl kaum eine entwicklung, die rückgängig gemacht werden soll, oder?
    das was heute passiert, ist einfach die (sicher nicht schöne) entwicklung eines touristisch und marketingmäßig gut verwertbaren stadtteils. von dieser verwertung profitieren dann ja auch wieder kleine läden, die mehr frequentiert werden (golden shop, tom&karo, dönerbuden) – was nicht heißen soll, dass ich die entwicklung gut finde, aber es ist eben widersprüchlich. was dagegen passiert ist einfach das trauern um einen subkulturelle hegemonie, die nicht unter der stadtteilstruktur zusammengebrochen ist, sondern unter dem niedergang autonomer und linksradikaler politik- und lebenskonzepte (darüber ließen sich auch viele und sicher spannende seiten füllen). aber dieser niedergang ist mit mantren, die „unser viertel“ beschwören, nicht rückgängig zu machen.
    für abwertung des stadtteils und günstige mieten hätte mensch damals für die spd-trasse kämpfen müssen. die dgb-wohungsbaugesellschaft hätte dann auch hier erfolgreich arbeiter_innen-wohnungen bis 28 stockwerke gebaut und das viertel sähe in weiten teilen aus wie die neue vahr oder tenever.
    aber irgendwie wohnen auch autonome so gerne in gemütlichen altbauten und da es die eben nicht für alle gibt, kämpft man zumindest für den eigenen verbleib in einem solchen.
    dann aber sich die vertriebenen bewohner_innen auf die fahne (plakate) zu schreiben, ist heuchelei.
    die sind in der größten mehrheit lange weg. wer sich für ausgegrenzte der kapitalistischen stadtstruktur interessiert, geht in bezahlbare quartiere und hört sich dort mal an, was die leute so umtreibt. und glaubt mir, es sind nicht zu viele „yuppies“, cafés und supermarkt-neubauten.
    und leider (!!!) sind auf diesem gebiet städtisch finanzierte programme wie ‚wohnen in nachbarschaften‘ engagierter und näher an den bewohner_innen als autonome stadtteilpolitik. wer kontakt aufnehmen will, kann sicher gern mal eine öfentliche stadtteilgruppensitzung in huchtingen oder tenever besuchen.
    autonome, verlasst die linksdeutschen vorgärten! los!

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