Veranstaltungstour: Gewerkschaft selber machen!

12. Juni | 20 Uhr | Paradox

Die IWW Jimmy John’s Workers Union (USA) – gewerkschaftliche Selbstorganisation im 21. Jahrhundert

Im Jahr 2008 haben Wobblies im mittleren Westen damit begonnen, sich und ihre Kolleg_innen in einer der Fast-Food-Kette zu organisieren. Jimmy John‘ s ist auf Sandwiches spezialisiert und machte durch witzige Werbespots auf sich aufmerksam, in denen der Slogan „So fast you will freak“ propagiert wurde (So schnell, dass du ausflippst). Zum Geschäftskonzept gehört neben der Produktionsweise Systemgastronomie auch die (angeblich super-schnelle) Auslieferung durch Biker. Jimmy John’s gehörte damals zu den am schnellsten wachsenden Fast-Food-Ketten der USA. Ein Trend, der inzwischen deutlich an Fahrt verloren hat.
Am 7. September 2010 gelang es den Wobblies, nach zwei Jahren Aufbauarbeit im Untergrund, in einer spektakulären Aktion an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Belegschaften von 9 Filialen gaben sich als Gewerkchaftsmitglieder zu erkennen und beantragten Wahlen zur Anerkennung der neu gegründeten IWW Jimmy Johns Workers Union.
Eine Kampfansage, die von den Besitzern der Kette, den Gebrüdern Mulligen, sofort mit Union-Busting-Maßnahmen beantwortet wurde. Union-Busting-Berater wurden für 85.000 USD angeheuert, die anstehenden Wahlen sollten mit allen Mitteln gewonnen werden, später wurden Organizer gefeuert, darunter auch Erik und Micah.
Die IWW konnte durch eine kombinierte Taktik aus direkten Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit und gerichtlichem Vorgehen zahlreiche Verbesserungen in Lohn, Sozialleistungen und Arbeitsbedingungen erkämpfen. Dabei profitierte die JJWU von den Erfahrungen der IWW Starbucks Workers Union seit 2004. Jimmy John’s unterlag zweimal in spektakulärer Weise und musste die gefeuerten Organizer wieder einstellen.
Als wichtigstes Konfliktfeld stellte sich mangelnde Krankenversorgung heraus. Viele Arbeiter_innen erschienen krank zur Arbeit, weil sie das Geld brauchten und Sanktionen zu erwarten hatten, wenn sie nicht selbst für Ersatz sorgen würden. Sie gefährdeten somit die Gesundheit ihrer Kunden.
Wir haben Erik und Micah eingeladen, uns die IWW Jimmy Johns Workers Union vorzustellen, weil wir hoffen, dass wir viel davon lernen können.
Der Ansatz des IWW-Organizing folgt dem Konzept des Solidarity Unionism und unterscheidet sich fundamtental vom Organizing, dass Profi-Gewerkschaften (Business Unions) in den USA und verstärkt auch in Deutschland betreiben. In drei internen Wochenend-Seminaren werden die beiden US-Wobs ihr Organizing-Konzept deutschssprachigen Wobblies und befreundeten Syndikalist_innen weiter geben.
Wir wollen mit den Veranstaltungen eine Anregung zur Organisierung am Arbeitsplatz geben – auch und gerade in scheinbar schwierigem Umfeld.

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