VA: Freiraum-Diskussionsrunde

Sonntag, 29.7.12 | 16 Uhr | Infoladen | mit Kaffee und Kuchen

Seit dem 17.6. läuft die Vortrags- und Diskussionsreihe (Frei) Räume!?. Die Veranstaltungen mit dem L!z, dem Haus Friedensbruch, der Roten Flora und mit Jürgen Mümken waren gut besucht, die Beteiligung an den Diskussionen danach hat uns sehr positiv überrascht. Dies haben wir zum Anlass genommen, nochmals zu einer Diskussionsrunde einzuladen, um mit vielen Menschen bei Kaffee und Kuchen ausführlicher diskutieren zu können. [Info]

Im Folgenden haben wir hier bruchstückhaft einiges an Gedanken aus den Veranstaltungen zusammen getragen und ergänzt. Dabei stellen die Thesen keine einheitliche Positionierung dar, sondern können sich durchaus widersprechen und sind teilweise bewusst provokativ formuliert. Folgendes könnten wir zur Grundlage nehmen, um ins Gespräch über die Bremer Verhältnisse zu kommen und welche Perspektiven sich daraus ableiten lassen:

  1. Die sozialen Verhältnisse an einem Ort (z.B. offene Gewalt von Nazis oder strukturelle Gewalt von Konservativen oder religiösen Strukturen), haben einen großen Einfluss darauf, ob und in wie weit ein selbstverwalteter Raum in der Lage ist, ein antagonistischer (Stör-)Faktor zu werden. An manchen Orten wird sich daher mit weniger oder gar nicht radikalen Zielen zufrieden gegeben.
  2. Ist es für eine Infragestellung der Eigentumsverhältnisse wichtig/unabdingbar, dass ein Projekt besetzt ist und somit von Grund auf einen Störfaktor in der herrschenden Ordnung darstellt? (Bsp. „Flora bleibt unverträglich“, kein Vertrag, keine Auflagen, keine offiziell Verantwortlichen und daher keine Vereinnahmung in dieser Hinsicht)
  3. „Schwarze Blöcke statt runde Tische!“(Flora)
  4. Es kann keinen „(be-)frei(t)en“ Raum innerhalb der Gesellschaft geben, da alle Menschen Teil der gesellschaftlichen Gewaltverhältnisse sind und diese damit in Räumen, die wir nutzen, auch reproduzieren. Inwieweit ein solcher Raum die Möglichkeit bietet, diese „klein“ zu halten und sich schrittweise daraus zu befreien, hängt davon ab, wie radikal und unversöhnlich die Positionierung ausfällt.
  5. Eine herrschaftsfreie Form des Zusammenlebens ist nicht möglich ohne eine Neuordnung, in der jeder Mensch die Kontrolle über dessen Lebensverhältnisse hat und das in Abhängigkeit zur Freiheit der Anderen. Somit dient das Festhalten an persönlichen Privilegien und das Ausleben dieser – zum Beispiel zur „kreativen Selbstentfaltung“ – einzig dem Erhalt der Unterdrückung vieler und der „Freiheit“ weniger.
  6. Die „Flucht“ in Bereiche der Gesellschaft, in denen Leerstand besteht oder die günstigen Erwerb von Grundbesitz ermöglichen, bieten keine sozialrevolutionäre Perspektive.
  7. Gentrifizierungsprozesse sind politisch gewollt und angestossen.
  8. Funtionieren gewollte/geplante Aufwertungsprozesse?
  9. Freiräume sollten nicht zu Befriedungsräumen werden, sondern jederzeit von uns wieder auflös- und zerstörbar sein. „Es geht um mehr als nur die Wände.“(Flora)
  10. Mieten, Pachten sowie Zwischennutzungen sind die uns aufgezwungenen Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe an der Nutzung von Räumen. Diese werden daher niemals einen anderen Weg ermöglichen als den der gesellschaftlichen Zuordnung, Kontrolle und Unterdrückung. Ein möglicher Schritt dort heraus können kollektive Wohnformen sein.
  11. Welche Möglichkeiten haben wir zu intervenieren in einem von Umstrukturierung betroffenen Viertel?
  12. Die Öffnung von Freiräumen über Szenezusammenhänge hinaus bietet die Möglichkeit einer sozialrevolutionären Perspektive.
  13. Freiräume verlieren an Potenzial in gesellschaftlichen Konflikten durch eine fehlende (gemeinsame) Aussendarstellung/ Positionierung.
  14. Welche Vor- und Nachteile für eine emanzipatorische Entwicklung haben Ghettoisierung und/oder soziale Durchmischung der Bewohner_innen?