Mitteilung der Oldenburger Wagenburg

Letztes Jahr im Sommer konnten wir aus der Presse entnehmen, dass die Wasserstadt untergegangen ist und ein solches größenwahnsinniges Projekt keinen Investor fand. Von verschiedenen Fraktionsmitgliedern des Baurates wurde uns angedeutet, dass die nächsten fünf kommenden Jahre der Wagenplatz keinem Bauvorhaben weichen müsse.
Dieser Punkt war für uns ein gelungener Abschluss des jahrelangen Kopfzerbrechens, ob wir weiterhin im Stau stehen dürfen.

Leider handelte es sich nur um ein kurzes Aufatmen, denn schon im Winter brodelte die Gerüchteküche über. Ein neues Projekt sollte nun auf dem Gelände unseres Wagenplatzes entstehen.
Die Stadt hielt es scheinbar nicht für notwendig uns rechtzeitig über die Planungen zu informieren, wie es ursprünglich besprochen war.
Somit nahmen wir den Kontakt wieder auf.

In dem Gespräch mit Frau Nießen teilte sie uns mit, dass es nun ein neues Bauvorhaben gäbe, dem wir “besser früher als später, weichen sollen“. Von ihrer Seite aus wurde versucht, nahtlos an alte Verhandlungen anzuknüpfen. Das für uns längst begrabene Gelände am Pophankenweg wurde wieder ausgebuddelt und uns als einzig mögliches Ersatzgelände präsentiert.

Nach erneuter, reichlicher Überlegung entschieden wir uns gegen den Pophankenweg, da er für unsere Belange ungeeignet ist. Um konstruktiv an einer Lösung mitzuwirken, schlugen wir im Gegenzug drei Gelände vor, welche für uns als Ausweichgelände akzeptabel sind. Leider wurden unsere Vorschläge recht schnell abgelehnt. Weder ist für uns ersichtlich, ob die Verwaltung überhaupt ernsthafte Bemühungen unternahm, eine Bewohnung dieser Gelände für uns möglich zu machen, noch wurden uns Vorschläge für andere Gelände gemacht.

Uns drängte sich an diesem Punkt bereits der Eindruck auf, dass die Stadtverwaltung nicht an einer einvernehmlichen Lösung mit uns interessiert ist. Offenbar möchte sie uns partout auf den Pophankenweg abschieben. Dieser Eindruck bestätigte sich mit dem nächsten Brief, den uns die Stadtverwaltung schrieb. Es wurde mit Kündigung zum nächsten Februar gedroht, sollten wir uns nicht einvernehmlich einigen. Sprich den von uns abgelehnten Pophankenweg als zukünftigen Wohnort akzeptieren. Neben der Enttäuschung, dass unsere Alternativgelände lapidar abgelehnt wurden und keine weiteren konstruktiven Vorschläge erfolgten, stellt eine Kündigung und ein Umzug im Winter den Wagenplatz vor eine unzumutbare Situation.
Dies wird schnell ersichtlich, bedenkt man, dass wir seit 18 Jahren an diesem Ort leben und uns auf ihm wohnlich eingerichtet haben. Wir benötigen Zeit, Kraft und gutes Wetter, vor allem keinen Schnee oder Bodenfrost, um unseren Umzug realisieren zu können. Die Angedrohte Kündigung empfinden wir somit als provokativ.

Falls nun beim Lesen die Frage auftaucht, ob wir es uns als Wagenplatz zu einfach machen, nicht Kompromiss bereit genug wären und uns nicht ernsthaft an dem Prozess zur Findung eines Alternativgeländes beteiligen? Möchten wir noch einmal an die Mappe mit einer Auswahl an Geländen erinnern, die uns vor Jahren ausgehändigt wurde. Deren Aktualität dürfte heute kaum noch Bestand haben. Doch auch zur Zeit der Aushändigung, wurden dort zum größten Teil Gelände angeboten, welche sich nicht im Besitz der Stadt befanden, für welche es schon konkrete Bauvorhaben gab oder welche, die aufgrund der extrem dezentralen Lage oder den örtlichen Bedingungen zum Wohnen für uns ungeeignet waren.
Beispielsweise standen wir bei einer Begehung direkt im Garten, einer doch leicht verdutzt dreinschauenden Familie. Oder wir befanden uns auf einem vier Meter breiten, dicht bewachsenen Wall, für den wir außer einem kräftigen Schlucken und einem verdutzten Blick nicht viel übrig hatten.

Wir prüften und diskutierten die Vorschläge ausführlich und nannten der Stadtverwaltung auch Plätze, welche für uns als Alternativgelände in Betracht gekommen wären. Wie zum Beispiel das Gelände an der Maastrichter Straße, welches wir zusammen mit Herrn Pantel besichtigen dürften. Hier glomm für uns das erste Mal ein Fünkchen Hoffnung, doch am Ende wurde das Angebot seitens der Stadt wieder zurückgenommen.

Wir beschäftigen uns seit sechs Jahren ausführlich mit der Thematik Alternativgelände. Das heißt, wir prüfen und diskutieren die Vorschläge der Stadtverwaltung und suchen in Eigeninitiative potenzielle Ersatzgelände. Wir fordern die Stadtverwaltung auf, uns in die Verhandlungen mit einzubeziehen. Beispielsweise durch mehr Gespräche, bessere Kommunikation und der Teilnahme am runden Tisch, damit wir gemeinsam eine Lösung finden können.

Die von uns vorgeschlagenen Gelände: altes Klärwerk, Dalbenstrasse und Südufer werden von uns weiterhin als geeignet betrachtet. Es ist für uns eher eine Frage des politischen Willens von Stadt und Baurat, solche zentralen Gelände für uns zugänglich zu machen.

Um zu verdeutlichen, wie ausgezeichnet diese Gelände als neuer Standort der Wagenburg geeignet sind, haben wir folgende Installationen für Sie vorbereitet.

Viel Freude beim Betrachten wünschen Ihnen die Bewohner_innen des Wagenplatzes


2 Antworten auf „Mitteilung der Oldenburger Wagenburg“


  1. 1 Sven Lemcke 05. Februar 2013 um 18:47 Uhr

    Liebe Wagenburgler/innen,

    Mit grossem Interesse verfolge ich seit einigen Jahren eure Entwicklung und hoffe für euch das es eine vernünftige Lösung gibt. Leider zählt hier in Oldenburg nur noch der komerz und wir stehen einer Entwicklung ähnlich wie in Berlin oder Hamburg gegenüber wo alternative Wohnformen nicht gewünscht sind. Luxuswohnraum für eine kleine Grupper Reicher verdrängen viele Normalverdiener an den Stadtrand, was einer Ghettosierung gleichkommt.

    Ich selber wohne in Osternburg Visavis des Alhambras, schon meine Grosselter lebten dort und fanden das bunte treiben der sogenannten Alternativen Szene sehr interessant. Mir geht es da nicht anders jeder hat das Recht so zu leben wie er es für richtig hält. Denn gerade diese Bunte Mischung macht doch eine Stadt aus.

    Ich wünsche mir für eine Uebermorgenstadt etwas mehr Toleranz und weniger Luxussanierungen, Lebensraum für alle, Vor allem bezahlbarer Wohnraum für eine breite Masse, und keine Penthousewohnungen für die New Economy.

    Viele Oldenburger denken genauso wie ich und würden sich freuen wenn Ihr noch einen schönen Platz findet und endlich wieder in Ruhe so leben könnt wie ihr es wollt.

    Schöne gruesse Sven Lemcke.

  1. 1 OL: Wagenplatzdemo « end of road Pingback am 22. September 2012 um 14:53 Uhr
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