Kippa-Flashmob gegen Antisemitismus

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Offener Judenhass

Der „Kippa-Flashmob“ rief viele Interessierte auf den Plan – auch lautstark antisemitische

Gestern vor einem Monat wurden in Berlin der Rabbiner Daniel Alter und seine sechsjährige Tochter von antisemitischen Jugendlichen angegriffen. Alter wurde dabei schwer verletzt. Zum Gedenken an den Überfall hat die Initiative „Bremer BürgerInnen gegen Apartheid und Hass“ gestern Nachmittag vorm Dom einen „Kippa-Flashmob“ veranstaltet. Neben 25 TeilnehmerInnen und zahlreichen Interessierten rief der auch einen Holocaust-Leugner auf den Plan.

„Sechs Millionen Juden? Es waren vielleicht 600.000 – wenn überhaupt!“: So lauteten die Worte des 62-jährigen Baukalkulators Helmut Makowski aus Bremen, als er von empörten Flashmob-TeilnehmerInnen an den Holocaust erinnert wurde. Das schien notwendig zu sein, denn Makowski störte mit lautstarken Zwischenrufen die Veranstaltung. Von „den Rothschilds“ und „dem jüdischen Kapital“ war da die Rede und davon, dass Deutschland „bis heute von den Südländern besetzt“ sei. Außerdem „müssen wir Deutsche immer noch Unsummen an den Staat Israel bezahlen“. Das Thema der Kundgebung interessierte ihn indes wenig. Was „eine Kappa“ sei, wisse er nicht und wolle es auch gar nicht wissen.

Dabei ging es Mitinitiatorin Elisabeth Lahusen genau darum: „Bis zum Tag des Überfalls hat Rabbi Alter über seiner Kippa normalerweise immer eine Baseballkappe getragen, und das tun aus Angst vor Übergriffen und Pöbeleien viele Juden.“

Die Initiative wollte darüber hinaus auch ein Zeichen gegen eine Gruppe ProtestlerInnen setzen, die jeden Samstag am Dom gegen die Politik Israels demonstriert – freilich harmlos im Vergleich zu Helmut Makowski, der „beweisen kann, dass höchstens ein paar Hunderttausend Juden umgebracht wurden“.

„Wir tragen heute offensiv die Kippa, weil wir möchten, dass sie genauso zum Straßenbild dazu gehören sollte wie ein Kopftuch oder ein Hut“, sagt Lahusen. Das scheint allerdings noch in weiter Ferne zu liegen.

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