„Schul-Besetzung mit Türstehern“

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Der SchülerInnen-Protest ist dieses Jahr radikaler und ihm wird auch härter begegnet: Die Besetzung des Alten Gymnasiums führte zum Polizei-Einsatz, später verriegelten Securitys die Türen

„Vorbildlich“ seien sie gewesen und gründlich aufgeräumt hätten sie morgens auch – nach der Besetzung des Alten Gymnasiums in der Nacht zu Dienstag fand so mancher Lehrer doch noch ein Lob. Am Montag noch, als sich etwa 150 SchülerInnen nach Unterrichtsschluss versammelten, hatte die Schulleitung die Polizei gerufen. Die zwölf bis 18-Jährigen hätten den Eindruck vermittelt, auf „Action“, gar „Randale“ aus zu sein, hieß es aus Lehrerkreisen, viele seien „von ganz anderen Schulen“ gekommen. Gleich mehrere Mannschaftswagen-Besatzungen rückten an und riegelten die Schule ab. Später bewachte gar ein privater Sicherheitsdienst die Türen.

„Das wirkte bedrohlich und hat viele verschreckt“, sagt Paul Kreiner, Mitglied der GesamtschülerInnen-Vertretung (GSV). Die kräftigen Uniformierten an den Eingängen und in den Gängen – damit hätten die SchülerInnen nicht gerechnet. Nur etwa 70 seien im Gebäude geblieben. „Viele wollten ihren Schlafsack erst später holen und kamen nicht mehr rein“, so Kreiner. Auch die Zufahrtstraßen wurden abgeriegelt, um zu verhindern, dass mehr Leute in die Schule gelangten. Ab 22 Uhr standen die SchülerInnen dann gar unter dem „Schutz“ des F.B.I.S: der privaten Sicherheits-Firma also, die bis vor Kurzem auch den Besucher-Strom zur Diskothek „Stubu“ in Schach hielt. Auf Weisung der Bildungsbehörde vertraten die Securitys am Alten Gymnasium allerdings eine striktere Türpolitik: Sie schlossen kurzerhand die Eingänge ab, ließen niemanden rein noch raus. Bis zu 50 UnterstützerInnen harrten bis nachts vor dem Gymnasium aus.

Drinnen diskutierten die Verbliebenen über „alternative Schulen“ oder das „Lernen unter dem Diktat der Note“. Auch Transparente wurden gemalt, Stricken und Nähen geübt.

Vermasselt hat der Polizeieinsatz den SchülerInnen ihre Besetzung aber dennoch. Eigentlich wollten sie mehrere Tage bleiben, 40 Workshops waren vorbereitet, nun mussten die meisten ausfallen.

„Es war der Versuch, uns einzuschüchtern, vor allem die Neuen“, so Kreiner. Dieses Jahr fordern die SchülerInnen mit ihrem Prostest nicht hier und dort mehr Geld für die Bildung, sondern haben „ein generelles Problem mit dem Schulsystem“. LehrerInnen und Schulleitung könnten da nicht einfach zustimmen.

Anders als während des Schulstreiks im vergangenen Jahr: Auch da war das Alte Gymnasium besetzt worden, in Absprache mit den LehrerInnen wurde ein nächtlicher Bildungsmarathon abgehalten – von der Polizei keine Spur.

In den nächsten Tagen soll es nun ruhiger werden. Aber Kreiner kündigt an: „Es kommt zu einer neuer, längeren Besetzung.“ Nun wisse man ja, womit zu rechnen sei.

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