Zweiter Prozesstag gegen Nazi in Delmenhorst

Am 07.02.2013 wurde der Prozess gegen den Neonazi Mario Müller am Amtsgericht Delmenhorst fortgesetzt. Bereits am ersten Verhandlungstag wurden Zeug_innen gehört, die Aufschluss zu folgendem Sachverhalt geben sollten:
Am 4. März 2010 verteilte Mario Müller mit zwei weiteren Neonazis aus Delmenhorst Flyer gegen eine gleichzeitig im Rathaus stattfindende Ausstellung „Verfassungsschutz gegen Extremismus“. Die Neonazis wurden des Rathauses verwiesen, ignorierten dieses jedoch. Im Jahr 2011 wurde Mario Müller, der bis zu seinem Umzug nach Magdeburg als Führungskader der militanten Delmenhorster Neonaziszene galt, bereits zu 25 Tagessätzen à 10 Euro (erstinstanzlichs sogar 40 Tagessätze) verurteilt.
Vor dem Rathaus kam es dann zu einer Konfrontation mit Antifaschist_innen, die Müller mit einem selbstgebauten Totschläger angriff. Müller benutzte hierzu eine schwere Hantelmutter, die er in eine Socke steckte. Es kam zu schweren Verletzungen.
Um dieses Vorfall ging es heute vor dem Delmenhorster Amtsgericht.
Siehe auch: Radio Bremen

Müller wurde hierbei vom prominenten Szeneanwalt Wolfram Narath vertreten. Narath war u.a. bis zu ihrem Verbot Aktivist der „Heimattreuen Deutschen Jugend“, einer stramm nationalsozialistischen Organisation.
Nahrath [Info] versuchte schon zu Beginn des zweiten Prozesstages den Fortgang des Prozesses zu verzögern. So bestand er, bei Beantragung der Nebenklage auf Schmerzensgeld für den verletzten Antifaschisten, auf den Originalen oder beglaubigten Kopien der ärztlichen Atteste, anstatt sich mit einfachen Kopien zufriedenzugeben. Müller und sein Anwalt haben nun zwei Wochen Zeit, sich zu diesem Antrag zu äußern. Deshalb wird das Urteil voraussichtlich erst am 28. Februar verkündet werden.

Der heutige Verhandlungstag war vor allem durch Langwierigkeit geprägt. Es gab zahlreiche Zeug_innen, die sich alle kaum an die genauen Vorfälle des besagten Tages erinnern konnten. So sagten unter anderem der Sozialpädagoge eines Delmenhorster Jugendtreffs und der Hausmeister des Rathauses aus. Zwei Personen mit Migrationshintergrund, die sich während der Tat beherzt in die Aggressionen der drei Neonazis einmischten, erschienen nicht zur Verhandlung und wurden deshalb vom Richter mit Hilfe der Polizei von zu Hause abgeholt und dann erst einmal „in die Zelle“ gebracht. Dies, obwohl sie in einem vorherigen Prozess bereits umfassend zur Sache ausgesagt haben. Der Richter drohte den beiden Zeugen vor ihrer Aussage dann auch persönlich, sie wieder „in die Zelle“ zu stecken, falls sie den Ablauf des Prozesses (z.B. wegen Sprachproblemen) verzögern würden. Ebenfalls waren zwei Antifaschist_innen als Zeug_innen geladen und berichteten von dem Übergriff der Neonazis.

Müller wurde neben seinem einschlägig bekannten Anwalt auch noch von drei Neonazis aus der Region Bremen/Oyten begleitet. Prominentester Begleiter ist der langjährige Bremer Naziaktivist und „Anti-Antifa“-Fotograf Andreas Hackmann. Der Bremer Neonazis versuchte auch in Delmenhorst, Fotos von anwesenden Antifaschist_innen und Journalist_innen anzufertigen.

Der Prozess wird am 28.Februar um 13:30 Uhr am Amtsgericht Delmenhorst fortgesetzt. Zu diesem Termin wird auch die Urteilsverkündung erwartet.


1 Antwort auf „Zweiter Prozesstag gegen Nazi in Delmenhorst“


  1. 1 Urteil gegen Müller « end of road Pingback am 01. März 2013 um 19:48 Uhr
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