Pfenning Logistics und ich – warum streiken wir nicht?

verdi verhandelt bei Pfenning in Bremen Niedriglohn, aber was machen wir?

Persönliche Lagebesprechung eines Kollegen

Ich, als Mitarbeiter im Bremer Mercedes Werk, bin vor kurzem mit einigen LKW fahrenden Kollegen von der Firma Pfenning ins Gespräch gekommen. Pfenning macht bei uns auf dem Werksgelände einen großen Teil der Anlieferung von Bauteilen. Dabei kam rüber, dass es seit einigen Wochen bei Pfenning Logistics einen neuen Haustarifvertrag mit der Gewerkschaft verdi gibt. Eigentlich wird ja mit Tarifverträgen von den Gewerkschaften immer Werbung gemacht, dass die uns mehr Geld, Urlaub und andere schöne Dinge bringen. Bei Pfenning sind aber viele KollegInnen unzufrieden mit dem Tarifabschluss.

Die “heiße Phase”

Im Dezember ging laut verdi Aufrufen die “heiße Phase” in den Verhandlungen los. Den Pfenning KollegInnen wurde viel versprochen, es könnte Streik geben, man würde auch soweit gehen, dass die LKWs stehen bleiben und richtig Druck machen. Die Belegschaft zeigte sich daraufhin aktiv und mutig. Nun passierte aber erstmal lange nichts, die KollegInnen wurden im Januar mit neuen Verhandlungsterminen hingehalten, aber weiterhin auf Auseinandersetzungen angestachelt. Dann wurde jedoch die Belegschaft von verdi Vertretern und Betriebsrat abgewiegelt, ein Streik wäre für das Unternehmen zu teuer, wenn die LKWs stehen würden, könnte Daimler als Kunde vergrellt werden. Der Höhepunkt war laut einem Kollegen die Aussage eines verdi Vertreters, ein Streik würde für die Verhandlungen keinen Unterschied bedeuten. Auf die Entgegnung, dann könnte man ja einfach streiken, gerade wenn es angeblich doch keinen Unterschied macht, wusste der verdi Mann vor versammelter Belegschaft keine Antwort.

Tarifabschluss – kleines Zuckerbrot und große Peitsche in einem

Anfang Februar gab es plötzlich den Tarifabschluss. Ein wirklicher Gewinn war das Ergebnis dann aber für keinen. Es wurde eine Staffelung nach Betriebszugehörigkeit festgelegt. Allein dabei stellt sich doch schon die Frage, wie das mit DGB und verdi Slogans “gleicher Lohn für gleiche Arbeit” vereinbar ist. Bei einer Staffelung nach Betriebszugehörigkeit wird knallhart die Belegschaft gespalten, die “Alten” haben gefälligst zufrieden zu sein und die “Jungen” bekommen weniger, so nach dem Motto “die haben ja eh nichts zu sagen”. Das ist eine ekelhafte Masche, die von DGB Gewerkschaften auch in anderen Bereichen gerne benutzt wird, um sich darüber die “Verhandlungsbasis” beim Arbeitgeber zu erkaufen, statt zu erkämpfen. Aber auch die Höhe der gestaffelten Löhne ist ernüchternd. Das Einstiegsgehalt liegt in den ersten 2 Jahren bei 1750 Euro brutto. Dann geht die Staffelung über 4 und 6 Jahre bis zu 8 Jahren Betriebszugehörigkeit, mit nur wenigen hundert Euro mehr. Zum Überleben reicht das kaum, außerdem wurden nach dem Abschluss erstmal alte Prämienzahlungen von Pfenning gestrichen und es wird erst im Herbst nach verhandelt.

Warum nicht zusammen Druck machen?

Wir unterhielten uns über die Möglichkeiten zu streiken. Wir kamen darauf, dass ein Streik nicht etwa Daimler als Kunden vergrellen, sondern einen wahnsinnigen Druck auf die Geschäftsleitung von Pfenning ausüben würde und gleichzeitig hätte ein Streik bei einem Zulieferer auch eine Wirkung auf uns Daimler KollegInnen, es könnte uns mit den Fremdfirmen KollegInnen zusammen bringen. Ich erinnerte mich auch an die letzten Arbeitsniederlegungen bei uns. Die gesamte Fremdfirmen Logistik arbeitete weiter und karrte in aller Ruhe genügend Ladungsträger ran, dass die Arbeit hinterher sofort wieder aufgenommen werden konnte. Wir fragten uns, was die DGB Gewerkschaften, verdi und die Metall zu verlieren haben,, warum die uns nicht gemeinsam aufrufen? Anscheinend, weil sie sich als verlängerter Arm der Unternehmer, als “Sozialpartner” auch der “Wirtschaftlichkeit” verpflichtet sehen.

Sozialpartner unter sich…

Aber was soll man gegen diese Partnerschaft von Unternehmern und Gewerkschaften tun? Ich kenne genügend Leute, die versuchen die Gewerkschaften von innen zu verändern. Die stellen das ganze Jahr über Anträge, dass “die Gewerkschaft” endlich mal zum Streik aufrufen soll. Die schreiben Briefe an die Vorstände und verteilen Flugblätter, dass “die Gewerkschaft” doch ihren Aufgaben nachkommen und was für uns tun soll. Ich finde, das ist verschwendete Kraft. Warum sollte eine Gewerkschaft, die voll in das System integriert ist und mit dem Arbeitgeber jeden Tag zusammen am Tisch sitzt und in zahlreichen Aufsichtsräten vertreten ist das tun?

…aber wir unter uns!

Die zwei Gewerkschaften verdi und IG Metall haben zusammen über 4 Millionen Mitglieder und machen keinen gegenseitigen Solidaritätsaufruf, wenn die eine von beiden (bei uns auf einem Werksgelände!) eine Auseinandersetzung führt. Wir bekommen über diese monströsen Organisationen keine Informationen über KollegInnen, die tagtäglich mit uns in der Halle zusammen arbeiten. Wenn wir aber einfach selbst aufeinander zugehen, lernen wir uns gegenseitig kennen, wir erfahren viel schneller von den Problemen und den Auseinandersetzungen, mit denen wir sonst alleine dastehen. Das gleiche kann doch auch funktionieren, wenn wir einfach selbst Aktionen gegen die Unternehmer organisieren. Wir haben mit unserer Arbeit und den Möglichkeiten, sich zu wehren selber viel mehr Erfahrung, als es je ein Gewerkschaftsfunktionär haben kann!

Ich bin also der Meinung, dass…

…wir mehr Macht gegenüber dem Arbeitgeber haben, wenn wir uns Branchen übergreifend selbst zusammen tun, Erfahrungen austauschen und uns für Aktionen absprechen.
…wir mit kleinen Aktionen anfangen können, wenn wir uns zum Beispiel mal alle zum “Dienst nach Vorschrift” verabreden, langsamer Stapler oder LKW fahren, in anderen europäischen Ländern wurden so in den letzten Jahren Forderungen von Fernfahrern durch blockierte Autobahnen durchgesetzt.
…auch ein Streik weder illegal noch unmöglich ist, wenn wir ihn selbst organisieren und uns das nicht ausreden lassen.
…wir auch jederzeit eigene neue Vereinigungen oder Gewerkschaften gründen können, um unseren Aktionen falls nötig auch einen “offiziellen” Rahmen zu geben. Die KollegInnen aus dem Hafen haben das z.B. mit dem Komitee Wir sind der GHB und später als Mittel zum Zweck mit der Contterm gemacht und die Bremer Taxifahrer haben sich auch ohne eine “Gewerkschaft” im Namen erfolgreich zur IG Bremer Taxifahrer zusammengeschlossen.

Lebendig sein, wie in Seattle 2012

Genau in diesen Möglichkeiten haben mich die Begegnungen mit den Pfenning Fahrern auch bestätigt. Wir sollten mehr Selbstvertrauen haben, KollegInnen ansprechen und Kontakte aufbauen. Wir müssen auf keine großen Organisationen Rücksicht nehmen, sondern einfach selbst handeln. In Seattle haben selbstorganisierte Trucker im Februar 2012 so mit vielen anderen AktivistInnen den ganzen Hafenbetrieb der Stadt lahm gelegt (ein sehr lesenswerter Bericht steht hier im Chefduzen-Forum). Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen und nicht an den armseligen Versuchen deutscher DGB Gewerkschaften, die eigene Existenz durch Niedriglohn Tarife abzusichern!


1 Antwort auf „Pfenning Logistics und ich – warum streiken wir nicht?“


  1. 1 Zaubernuss 08. Januar 2014 um 20:35 Uhr

    So mein Freund, warum schreibst Du jetzt nichts über den 2ten erreichen Tarifvertrag der Pfenning Truppe 6,0 % insgesamt auf 23 Monate!!!
    Wer hat das Deutschlandweit erreicht !!!!!
    Auch mal Positives Schreiben was Betriebsräte/Tarifkommissionen, mit der Ver.di zusammen erreicht haben. Und das im Speditionsgewerbe. Nur weil wir gut und stark organisiert waren.

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