VA: „Abrechnung mit den Nazi-Eltern“

Mittwoch, 17. April 2013 |19 Uhr | Wall-Saal der Stadtbibliothek Bremen

Autorenlesung mit Niklas Frank und anschließender Diskussion

Der Journalist Niklas Frank recherchiert seit Jahrzehnten über die NS-Verbrechen seiner Eltern. Schonungslos und unversöhnlich hat er sich mit seinem Vater und seiner Mutter auch literarisch auseinandergesetzt.

Während in der Bundesrepublik nach 1945 in den Familien wie auch gesamtgesellschaftlich die NS-Verbrechen beschwiegen,
verharmlost oder auch geleugnet wurden, hat Niklas Frank gegen seine Eltern deutlich Position bezogen und deren Täter_innenschaft klar benannt.

Sein Vater Hans Frank war mitverantwortlich für die nationalsozialistische Vernichtungspolitik in Polen. Er wurde im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zum
Tode verurteilt und im Oktober 1946 hingerichtet. Seine Mutter Brigitte Frank zog als »Frau Generalgouverneur« zur Schnäppchenjagd durch das Warschauer Ghetto und riss Pelze aus jüdischen Geschäften an sich, deren Inhaber_innen fälschlicherweise glaubten, durch sie ihr Leben retten zu können.

Seine biographische Abrechnung führt Niklas Frank seit vielen Jahren öffentlich. Dabei geht es auch um die Diskussion darüber,
dass in nahezu allen deutschen Familien die NS-Täterschaft der Eltern und Großeltern pauschal abgestritten wird – während die oft frei erfundenen Entlastungs-Legenden der Täter_innen von deren Kindern und Enkelkindern bereitwillig geglaubt werden.

Autorenlesung aus »Der Vater. Eine Abrechnung« (1987), »Meine deutsche Mutter« (2005) und »Bruder Norman!« (2013).