Kein Frei.Wild in Aurich! Ein Erlebnisbericht

kopiert aus: Indymedia linksunten

Am Freitag den 12. April 2013 demonstrierten in Aurich ca. 400 Menschen gegen Ausgrenzung und Rassismus. Anlass dafür war ein Konzert der Band Frei.Wild in der Sparkassen-Arena. Mehr als 3.000 BesucherInnen zog es zu dem Konzert der umstrittenen Band.

Ein Erlebnisbericht:
Das Konzert der Band Frei.Wild, die sich in der sogenannten Grauzone bewegen, zog mehr als 3.500 Menschen nach Aurich. Die meisten davon wollten das Konzert tatsächlich besuchen. Ungefähr 400 allerdings versuchten mit einer Demonstration die Problematik des von der Band propagierten Rassismus und Patriotismus auf der Straße zu thematisieren.
Zunächst sehr ruhig und schon fast lethargisch setzte sich die Demonstration vom Marktplatz in Bewegung. Die Route ging durch die Innenstadt, an der Sparkassen-Arena (inkl. Frei.Wild Fans) vorbei und endete am JUZ, wo es Vokü und ein Konzert mit unterschiedlichen Bands gab.

Während der gesamten Demonstration tauchten am Rand Frei.Wild Fans auf, teilweise mit eindeutiger rechter Symbolik auf den Klamotten. Es gab von der Demonstration teilweise gar keine Reaktion.
Vor dem Carolinenhof fand eine Zwischenkundgebung mit Redebeiträgen der DGB-Jugend und dem Bündnis selber statt. Hier wurde gut verständlich nicht nur erklärt warum Frei.Wild mit ihrer Musik an rechte Ideologien anknüpfen, sondern auch inwiefern Nationalismus und Patriotismus zuträglich für den Staat und den Kapitalismus funktionieren. Das hat uns sehr gefreut. Leider fehlte es auch hier an
Enthusiasmus in der Demo. Nach den jeweiligen Redebeiträgen vernahm mensch nur betretenes Schweigen und einzelnen Applaus.(Wir fänden es schön, wenn die Redebeiträge online zugänglich gemacht werden könnten, zum Beispiel als Ergänzung oder Kommentar)
Einige Meter weiter wurde ein Mensch aus der Demonstration gezogen und die Personalien wurden festgestellt. Grund der Polizei sei gewesen, dass die Person einen Schlagstock dabei hätte, was sich als unwahr herausstellte. Die Demo wartete auf den Genossen, um nach seiner Freilassung gemeinsam weitergehen zu können.Als die Demonstration and der Sparkassen-Arena vorbei lief, kam Dynamik auf. Die Frei.Wild Fans standen schaulustig da und filmten fleißig in die Menge. Von der Demonstration kamen deutliche Ansagen wie „Deutschland ist scheiße, ihr seid die Beweise“ und „Wir kriegen euch alle“.Frei.Wild Fans entgegneten ihre üblichen Sprüche, die angelehnt an ihr großes Idol Phillip Burger (Sänger der Band) noch absurder klingen, als die Texte selber. Zum Beispiel „Auswandern!“, um nur einen zu nennen.Zum Ende hin lief die Demonstration in ein Wohngebiet und endete schließlich am JUZ. Dort kam es noch zu einigen Übergriffen durch die Polizei. Unter dem Vorwurf der Vermummung, und in einem Fall des Sticker kleben, griffen sie Leute heraus, um die Personalien feststellen zu können. Dabei war kein klares Muster zu erkennen, nach dem sie vorgehen. Als die DemoteilnehmerInnen anfingen sich zu wehren und in Sicherheit zu bringen, setzte die Polizei Pfefferspray ein.Zu späterer Stunde kam die Information, dass alle in Gewahrsam Genommenen wieder draußen seien.Mensch konnte den Abend also bei Konzert und gutem Essen ausklingen lassen!

Unser Fazit aus den Erlebnissen des Tages:
Es war schön zu sehen, dass in Aurich so viele Menschen gegen das umstrittene Konzert auf die Straße gingen. Auch hatten wir das Gefühl, dass es eine gute Orgastruktur gab. Jedoch war nach außen kaum erkennbar, was die eigentliche Kritik an der Band Frei.Wild im Speziellen und an Nationalismus / Patriotismus im Allgemeinen ist. Die Redebeiträge haben das zwar inhaltlich gut wieder gegeben, waren aber schwer zu verstehen, wenn mensch sich einige Meter weiter weg befand. Leider gab es keine Flyer, mit denen die PassantInnen hätten aufgeklärt werden können (zumindest haben wir keine gesehen).Auch die Reaktion auf die Frei.Wild Fans finden wir kritikwürdig. Unter den über 3.000 KonzertbesucherInnen befanden sich definitiv Nazis. Die meisten Leute jedoch haben wahrscheinlich noch nicht einmal eine Idee davon, warum sich nationalistische Songtexte negativ auswirken. Mit Sprüchen wie „Wir kriegen euch alle!“ fühlen sie sich in ihrer stumpfen Extremismustheorie vielleicht sogar bestätigt und, was noch viel wichtiger ist, wir schaffen eine Distanz zwischen uns und den Fans, die sie unerreichbar macht.Das mag auch das Ziel von Manchen sein, wir allerdings denken, dass die meisten Frei.Wild Fans nicht über rechte Ideologie an Frei.Wild kamen, sondern andersrum. Das möchten wir gerne verhindern!

Infos über Frei.Wild:
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/deutschsprachige-band-freiwild-fuer-die-rechten-muessten-wir-eigentlich-verraeter-sein-1.1520374

http://www.publikative.org/2012/10/26/kein-frei-wild/

http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/89/freiwild.php#top

http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2013/03/17/frei-wild-und-ihr-volkischer-regionalpatriotismus_11995

Demoaufruf:
http://keinfreiwildinaurich.wordpress.com/about/


3 Antworten auf „Kein Frei.Wild in Aurich! Ein Erlebnisbericht“


  1. 1 Ein Fragender 23. April 2013 um 11:42 Uhr

    Welche Symbole auf den Kleidungsstücken hast du gesehen, dass du davon ausgehs, dass es rechte FreiWild fans waren?

  2. 2 endofroad 24. April 2013 um 15:00 Uhr

    Wegen Shitstorm und einigen echt ekelhaften Kommentaren von pöbelnden und anscheinend auch stark rechtsoffenen „Frei.Wild-Fans“ wurde die Kommentarfunktion blockiert.

    FREI.WILD DAS MIKRO KLAUEN!

  1. 1 Frei.Wild-Shitstorm – ekeliges BestOf « end of road Pingback am 23. Mai 2013 um 16:11 Uhr
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