Solidarisch geht es! Offener Brief an Bürgermeister Frank Lemmermann (weyhe)

Lieber Herr Lemmermann,

Mit dem vergangenen Naziaufmarsch am 11. Mai 2013 sind nun schon zwei Mal Neonazis innerhalb kürzester Zeit durch Weyhe marschiert. Was im Gegensatz zum ersten Aufmarsch der Partei “Die Rechte” in Weyhe am 23. März 2013 nun anders war, war dass das Aktionsfeld der Gegenaktivitäten um weitere Aktionsformen ergänzt wurde. Wo beim ersten Aufmarsch der sichtbare Protest aus einer Kundgebung vor dem Bahnhof bestand, ermöglichten es nun zahlreiche Menschen in einer Aktion zivilen Ungehorsams, nämlich durch das direkte Blockieren des Bahnhofs und einer Straße, dass die Nazis nicht wie geplant marschieren konnten, sondern mit einiger Verspätung loslaufen mussten.
Wir begrüßen diese Ausweitung der Aktionsformen, mit denen sich Leute gegen die Nazis stellten. Allerdings hätten wir uns ein wenig Solidarität mit den Blockierer*innen gewünscht. Statt sich mit ihnen zu solidarisieren, haben Sie sich, Herr Lemmermann, dazu berufen gefühlt, die Blockierer*innen vom Bahnhof auf Ihre Kundgebung vor dem Bahnhof zu dirigieren. Dies taten Sie über den Lautsprecher der Polizei mit der Botschaft, dass sonst ein Ausschluss von eben jener Kundgebung möglich sei. Ebenso haben Sie sich darum bemüht, die Sitzblockierer*innen zu überreden, von der Blockade der Straße auf Ihre Kundgebung zu wechseln. Als diese sich dennoch weigerten zu weichen wurde die Sitzblockade unter Gewaltandwendung geräumt. Wir finden Ihr Verhalten unangebracht! Im Kampf gegen die Nazis in Weyhe und sonstwo ist es uns wichtig, dass viele Aktionsformen nebeneinander bestehen können. Denn im Ziel sind wir uns einig: Nazis dürfen weder in Weyhe noch sonstwo aufmarschieren! Um dieses zu gewährleisten ist eine Vielfalt an Aktionsformen und vor allem auch die gegenseitige Solidarität miteinander statt eines Spaltens des Widerstands sehr wichtig. Wir wünschen uns, dass Sie in Zukunft anderen Protestformen, auch wenn Sie diese für sich womöglich ablehnen sollten, dennoch mit Solidarität begegnen. Zwar erachten wir eine abgeschottete Kundgebung und viele bunte Zettelchen “gegen Rechts” auch nicht als unsere Aktionsform, dennoch verhalten wir uns weiterhin solidarisch mit allen, die in der Vergangenheit gegen Nazis in Weyhe agierten oder agieren werden. Also auch mit Ihnen und den Teilnehmer*innen Ihrer Kundgebung. Gleiches wünschen wir uns von Ihnen, Herr Lemmermann, auch wenn wir dies leider nicht länger erwarten.
Im Übrigen sehen wir das direkte Blockieren von Nazis bei Aufmärschen als ein probates Mittel, es den Nazis so schwer wie möglich zu machen und ihnen die inszenierte Selbstbestätigung zu nehmen.

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

einige Nazigegner*innen vom letzten Protest