„Gegen rechte Propaganda im Job“

kopiert aus dem Weser Kurier

Das Heft „Aufdecken! Rechtsextreme Gefährdung am Arbeitsplatz“ soll darüber aufklären, mit welchen Methoden Rechtsextreme für ihre Sache werben.

Bei der Firma Reetec, einem Dienstleister für Windenergie, begann es mit einer CD in einem Montage-Fahrzeug. „Vor anderthalb Jahren entdeckten wir in einem Auto, mit dem mehrere Kollegen unterwegs waren, eine CD mit rechtsradikaler Musik.“ Für Geschäftsführer Detlef Lindenau Anlass zu handeln. Er schickte eine Mitteilung an alle Mitarbeiter, dass er rechtsextreme Musik, Symbole und Äußerungen in seiner Firma nicht dulde. Assistentin Katharina Claus beauftragte er, das Thema nachhaltig anzugehen. In der europaweit tätigen Firma arbeiten 180 Beschäftigte aus Deutschland, Frankreich und Rumänien.

Mitarbeiter des Verfassungsschutzes in Bremen vermittelten Lindenau an das Expertennetzwerk „Pro aktiv gegen rechts – mobile Beratung in Bremen und Bremerhaven“. Beraterin Isabell Stewen schulte die Reetec-Führungskräfte. Unter anderem lernten die Vorgesetzten, mit welchen Symbolen Neo-Nazis ihre Zugehörigkeit zur Szene zeigen und mit welchen Zahlen- und Buchstaben-Codes sie untereinander kommunizieren.

„Der Workshop hat zum Beschluss beigetragen, eine Broschüre über Rechtsextremismus am Arbeitsplatz zu veröffentlichen“, sagt Isabell Stewen. Aber auch Fragen von Betroffenen anderer Unternehmen seien darin eingeflossen, so Stewen.

3000 Exemplare der 24-seitigen Broschüre hat das Netzwerk drucken lassen, heute liegen die ersten Hefte zum Verschicken bereit. Auf den einzelnen Seiten beschreiben die Fachleute zum Beispiel die Elemente des Rechtsextremismus: Aufgelistet haben sie Symbole, Codes und Feiertage, die von Menschen rechter Gesinnung benutzt werden. Die Broschüre zeigt auch auf, wie diskriminierende Handlungen verhindert werden können. Weiter gibt es Literaturtipps zum Thema Rechtsextremismus. Außerdem führen die Berater vom Netzwerk „Pro aktiv gegen rechts“ rechtliche Grundlagen auf und geben Hinweise, welche Anlaufstellen und Initiativen in Sachen Diskriminierung und Konflikte beraten.

Das Bremer Landesamt für Verfassungsschutz indes beurteilt den Rechtsextremismus in Bremen zurückhaltend: Im Vergleich zu anderen Bundesländern gebe es hier mit rund 120 Personen relativ wenige Rechtsextreme, sagt Hans-Joachim von Wachter, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz. 2012 seien 127 Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund angezeigt worden, darunter vier Gewalttaten und viele Delikte, die mit verfassungsfeindlicher Propaganda zu tun gehabt haben. Seit 2008 seien diese Zahlen nahezu gleich geblieben. „Man sollte das Problem aber nicht kleinreden“, so von Wachter. „Die rechtsextreme Szene ist sehr in Bewegung und nicht mehr auf Parteien fixiert, sie weist häufiger Bezüge zur Gewalt oder zu gewaltaffinen Gruppierungen auf.“ Vieles spiele sich im Internet ab, mit Hilfe von Netzwerken und Pseudonymen. Zur Szene gehörten vor allem jüngere Männer.

Beraterin Isabell Stewen und Nisrin Rayan, Koordinatorin des Netzwerks „Pro aktiv gegen rechts“, arbeiten meist in einem Bereich, in dem es nicht um strafbare Handlungen geht. Laut Strafgesetzbuch wären das zum Beispiel Volksverhetzung und Verstöße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, auch Antidiskriminierungsgesetz genannt.

Bei Reetec hat man nie herausgefunden, wer die CD mit rechtsradikaler Musik im Auto liegen ließ. „Das ist auch nicht wichtig“, sagt Detlef Lindenau. „Viel wichtiger ist, dass das Thema mit einer Offenheit diskutiert wird, die es vorher nicht gab.“

kopiert aus dem Weser Kurier

Die Broschüre gibt es [hier] als pdf.