„Musikschau der Nationen“: Jubeldemo und Protest

Am Samstag Mittag zog die Jubeldemo „Flöten! Tröten! Töten! – Gib Krieg eine Chance“ mit zeitweise knapp 100 Leuten mitten durch die Innenstadt und zum Militärmusikfestival „Musikschau der Nationen“, wo dann das Eintreffen der Gäste gestört wurde.

Nachdem schon Freitag Abend ein kleines Grüppchen die „Musikschau“-Gäste mit antimilitaristischem Protest empfangen hatte, rollte am Samstag pünktlich um 11 Uhr der Panzer-Lauti auf dem Marktplatz vor (mit Konfettikanone übrigens!). Allerlei Uniformierte und Gleichgesinnte versammelten sich bei eisigen Temperaturen um getreu dem Motto „Schlechtes Wetter, harte Zeiten – für mehr Militarismus fighten!“ ein Zeichen für mehr Militarisierung und Krieg zu setzen. Die Eröffnungsrednerin begrüßte, dass sich auch die „echte“ Polizei so zahlreich zur Unterstützung eingefunden hatte (wobei einige von denen unpassenderweise ihre Uniformen vergessen hatten…). Dann marschierte die Samba-Marching-Band ein und der Trupp setzte sich gen Haupteinkaufsstraße in Bewegung. „Und alle so yeah“ schallte es aus den Boxen, „Neue Männer braucht das Land“, „In the army now“ usw.. Dazwischen waren Kriegsgeräusche zu hören und Parolen wie „Yo Nation, Yo Border – Love Law and Order“, „Bürger lasst das Glotzen sein – steigt in einen Panzer ein!“ oder „Mehr, mehr, mehr Militär“. Ein Flyer erklärte das Anliegen der Demo.

Beim umjubelten Kontaktbüro der Bullen in der Obernstraße gab es inmitten amüsierter Wochenend-Shopper*innen die erste Zwischenkundgebung, dann ging es über die Brillkreuzung zur CDU. Der Einsatz von Kriegsministerin Ursula von der Leyen für eine familienfreundlichere Bundeswehr wurde natürlich gewürdigt und mit Vorschlägen wie „Wehrpflicht ab 6 Jahren“ ergänzt. Hin und wieder wurde umgeschaltet zum Truppenbetreuungsradio um zu hören wie das Wetter in Kabul so wird oder was Angela Merkel im Exklusivinterview zu berichten hat. Bei der letzten Zwischenkundgebung am Waffenladen kurz vorm Hauptbahnhof verfolgte der Inhaber das Geschehen verunsichert, er hatte den Laden geschlossen und komplett verrammelt. Vielleicht lag’s an der Forderung „Waffen für alle – und zwar umsonst!“? Mit Sprechchören wie „Deutsche Waffen, deutsches Geld – bringen Glück in alle Welt“ und „Waffen made in Germany, gehen rein in jedes Knie“ lief die Demo durch den Bahnhofstunnel weiter zur Stadthalle.

Die Clownsarmee hatte ihren Spaß mit den rumstehenden Bullentrüppchen und lieferte wieder großartige Szenen. Sie hatte auch einen eigenen Panzer. Überhaupt war der Großteil der Jubeldemo natürlich schwer bewaffnet mit Maschinengewehren, Handgranaten und Bomben. Absurderweise beschlagnahmten die Bullen irgendwann an der Stadthalle ausgerechnet ein kleines Multifunktionswerkzeug und nahmen von einer Person, die es angeblich benutzt haben soll, die Personalien auf.

Als so langsam die ersten der überwiegend älteren „Musikschau“-Besucher*innen eintrudelten, mussten sie durch echte und falsche Uniformierte und vorbei an Sambas, Clowns und Antimilitarist*innen, die direkt vor dem Eingang standen. Nun wandelte sich auch der Charakter des Protests und es blieb nicht mehr nur satirisch: Rechts und links des Eingangs hingen Transpis (u.a. „Krieg dem Krieg“ und „Soldaten sind Mörder“), es wurden massenhaft Flugblätter verteilt. Der Lauti spielte jetzt Antikriegsmucke und fiese Kriegsgeräusche. Im Antikriegscafé, das ein Stück vor der Stadthalle aufgebaut war, gab es noch heiße Getränke und einen Broschürentisch.

siehe auch
buten & binnen – „Musikschau der Nationen“ wird 50
Weser Kurier – Demonstration gegen Musikschau


3 Antworten auf „„Musikschau der Nationen“: Jubeldemo und Protest“


  1. 1 Bombenwetter 26. Januar 2014 um 20:01 Uhr

    Noch zu erwähnen ist, dass die Türen des Haupteingangs zeitweise verschlossen wurden, sodass Besucher*innen und mindestens ein Offizier der Bundeswehr durch einen kleinen Nebeneingang in die Hallen mussten.

  2. 2 @ Ekkehard Lentz 27. Januar 2014 um 22:42 Uhr

    Lieber Ekkehard Lentz,
    schön, dass Ihnen die Aktion gefallen hat. Ich freue mich auch sehr, dass sie einen eigenen Bericht geschrieben haben, auch wenn es dort so erscheint als hätten sie die Kundgebung vor der Stadthalle angemeldet, geplant oder ähnliches.

    Ich freue mich auch sehr darüber, dass sie Bilder der Veranstaltung über Ihre Kanäle publizieren. Aber bitte, bitte machen sie die Gesichter unkenntlich! Die Aktivist*innen möchten sicher nicht ihre Portraits (!) in diesem Zusammenhang im Internet wiederfinden. Ich nehme nicht an, dass sie die Personen gefragt haben. Also bitte entweder löschen oder unkenntlich machen. Dass heißt: auf Ihrer Website, Ihrer Facebookseite und den anderen Seiten wo sie Ihren Artikel veröffetnlicht haben. Vielen Dank für ihr Verständnis.

  3. 3 endofroad 27. Januar 2014 um 23:18 Uhr

    Danke für den Hinweis zu den nicht verpixelten Bildern. Wir haben entsprechendes Posting von „Ekkehard Lentz“ entfernt und diesen bezüglich der Problematik kontaktiert.

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