Polizei-Schuss auf 33-Jährigen:
Polizist behindert Ermittlungen

Kopiert aus dem Weser Kurier

Vor rund einer Woche wurde in der Östlichen Vorstadt ein Mann von einem Schuss aus der Dienstwaffe eines Polizisten verletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung im Amt. Doch es gibt in diesem Fall noch ein zweites Verfahren: Der Chef der Spezialeinheit der Polizei soll die Ermittlungen behindert haben. In der Nacht zum Freitag vergangene Woche war ein 33-Jähriger von einer Kugel aus der Dienstwaffe eines Polizisten getroffen worden. Laut Polizeibericht hatte der Mann zuvor mehrfach beim Lagezentrum angerufen und damit gedroht, sich mit einem Messer umzubringen. Einsatzkräften der Polizei gelang es wenig später, den Mann zu überwältigen. Dabei fiel ein Schuss, der den 33-Jährige schwer, aber nicht lebensgefährlich am Bauch verletzte.

Unmittelbar danach habe die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen, hieß es hierzu von Polizeiseite. Dieses Verfahren sei in Bremen so vorgegeben. Immer wenn der Verdacht besteht, dass ein Polizist sich strafbar gemacht hat, wird der Fall an die Staatsanwaltschaft abgegeben, die bei der anschließenden Untersuchung von internen Ermittlern unterstützt wird.

Doch ganz soweit her scheint es damit in der Nacht zu vergangenem Freitag nicht gewesen zu sein, wie Recherchen dieser Zeitung ergeben. Das Geschehen hatte sich ungefähr um Mitternacht ereignet, doch die Staatsanwaltschaft wurde nicht sofort, sondern erst am nächsten Morgen benachrichtigt, bestätigte am Donnerstag dieser Woche Frank Passade, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dabei wäre die Benachrichtigung mitten in der Nacht problemlos möglich gewesen und auch durchaus üblich. Die Staatsanwaltschaft hat einen Notdienst, der 24 Stunden erreichbar ist, und zusätzlich noch eine 24-Stunden-Rufbereitschaft ausschließlich für Kapitaldelikte. „Sicher wäre es sachdienlicher gewesen, uns unmittelbar in der Nacht hinzuzuziehen“, kommentiert Passade das Vorgehen der Polizei.

Doch damit noch nicht genug: Im Anschluss wurden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft durch einen Polizeibeamten behindert, erklärt Frank Passade. Inwieweit dies strafrechtliche Konsequenzen für den Mann haben wird, sei noch zu klären. Doch dies sei zunächst nachrangig. „Uns geht es in erster Linie um das eigentliche Geschehen.“ Außerdem hinge die Antwort auf die Frage, als wie schwerwiegend die Behinderung der Staatsanwaltschaft durch den Beamten beurteilt wird, nicht zuletzt von der strafrechtlichen Relevanz der Ereignisse ab.

Auch hierbei ist die Staatsanwaltschaft inzwischen einen Schritt weiter. Nachdem der Polizist, aus dessen Dienstwaffe der Schuss kam, am Wochenende nicht vernehmungsfähig war, hat er inzwischen Angaben zu dem Vorfall gemacht, berichtet Passade. Demnach habe sich der Beamte „in der Situation des unmittelbaren Zugriffs vergriffen“ – er wollte den 33-Jährigen mit einem Elektroschocker, einem sogenannten Taser, außer Gefecht setzen, zückte stattdessen aber seine Dienstpistole und gab einen Schuss ab. Taser und Pistole sollen sich stark ähneln, erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Derzeit müssen wir von einer fahrlässigen Körperverletzung im Amt ausgehen“.

Zur Frage, worin genau die Behinderung der Staatsanwaltschaft bestanden hat, äußerte sich Holger Münch, Staatsrat beim Senator für Inneres. Es gehe um den Abteilungsleiter der Spezialeinheit, also den Chef des beschuldigten Polizisten. Der habe sich im im Rahmen seiner Fürsorgepflicht im Hinblick auf mögliche posttraumatische Folgen um seinen Kollegen gekümmert und dafür gesorgt, dass dieser sofort mit dem Seelsorger der Polizei sprechen konnte. „Die Kernfrage ist, ob er dabei eventuell zu weit gegangen ist.“

Es gehe nicht um eine aktive Verdunklungshandlung, sondern darum, ob der Abteilungsleiter seinen objektiven Verpflichtungen zur Beweismittelsicherung nachgekommen ist, betont Münch. „Genau das prüft jetzt die Staatsanwaltschaft.“

Kopiert aus dem Weser Kurier


1 Antwort auf „Polizei-Schuss auf 33-Jährigen:
Polizist behindert Ermittlungen“


  1. 1 Taser 29. März 2014 um 2:01 Uhr

    Taser tragen hier doch nur die SEK-Bullen oder? Da wird ja auch von „Spe­zi­al­ein­heit“ gesprochen, es scheint sich also ums Bremer SEK zu handeln.

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