„Die Besetzer bleiben“

kopiert aus dem Weser Kurier

Sie halten durch, trotz Schlafmangel: Vor einem Monat haben Jugendliche das Freizeitheim Buntentor in der Neustadt besetzt. Ursprünglich wollten sie das von einer Mittelkürzung bedrohte Freizi selbst verwalten. Inzwischen hegen sie andere Pläne. In der Stadt wird unterdessen weiter über die Deckelung der Mittel für die Jugendarbeit diskutiert.

„Besetzen ist anstrengend“, sagt Yuri de Melo, einer der Sprecher der jungen Besetzer. Der 21-Jährige kennt und nutzt das Freizeitheim Buntentor schon seit zehn Jahren. Er gehört zu den älteren Besetzern, denen allmählich der Schlaf fehlt. „Es ist nicht immer einfach, darauf zu achten, dass die Nachtruhe eingehalten wird, viele Jugendliche flitzen hier aufgeregt durch’s Haus“, sagt de Melo. Für ein paar Tage übernachten deshalb gerade keine Jugendlichen unter 18 mehr im Freizi. Die Jüngeren seien aber tagsüber von 12 bis 22 Uhr weiter willkommen: „Wir müssen nur unsere Kräfte etwas schonen“, so de Melo.

Immer noch versorgt der Bäcker von nebenan die Besetzer mit frischen Brötchen, doch ansonsten ebbt die Zahl der Sympathisantenbesuche allmählich ab.

Was ist geschehen in diesem Monat, den die Jugendlichen das Freizi besetzt halten? An der finanziellen Situation hat sich nichts verändert. Der Beirats-Beschluss, 22000 Euro vom Freizi–Budget im Buntentor abzuziehen und nach Huckelriede zu verschieben, steht. Er ist allerdings bislang nicht umgesetzt worden. Diese Umschichtung der Fördermittel war der Grund dafür, dass die Öffnungszeiten des Freizis eingeschränkt werden sollten – und die Jugendlichen auf die Barrikaden gingen.

Inzwischen streiten der Bremer Zusammenschluss der Wohlfahrtsverbände und die Sozialbehörde über die Frage, wie ein vereinbartes Moratorium zu verstehen ist: Wurde vereinbart, dass bis Ende des Jahres keine Mittel für Jugendarbeit zwischen verschiedenen Stadtteilen verschoben werden dürfen, wie die Sozialbehörde sagt? Oder sollten überhaupt keine Mittel verschoben werden, wie die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Bremen (LAG FW) sagt? Dann wäre der Beiratsbeschluss nicht zulässig. Das Aktionsbündnis „30 Prozent für die Zukunft“, zu dem sich etwa 50 Jugendeinrichtungen in Bremen und Bremerhaven zusammengeschlossen haben, fordert ohnehin seit Monaten, dass die gedeckelten Mittel für die Jugendarbeit aufgestockt werden müssen.

Während in der Stadt weiter um die Finanzen gestritten wird, versuchen die Besetzer und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Träger des Freizeitheims Buntentor, vor Ort mit den gegebenen Mitteln eine Lösung zu finden. Das DRK hat den Jugendlichen die Finanzsituation des Freizis offengelegt. Außerdem erklärt sich das DRK bereit, den Bereich der Offenen Tür an einen anderen Träger abzugeben. „Wir sehen unter den gegebenen Umständen keine Möglichkeit, die Öffnungszeiten so wie bisher aufrechtzuerhalten“, sagt Bernd Assmann vom DRK. „Aber wenn ein anderer Träger das besser kann, würden wir die Verträge mit dem Amt für Soziale Dienste kündigen und die Offene Tür abgeben.“

Die Jugendlichen begrüßen, dass es nun mehr Gespräche als zuvor mit dem DRK gebe. Dennoch wollen sie nicht auf Dauer mit dem DRK zusammen arbeiten, sagt Yuri de Melo. „Wir sind auf der Suche nach einem anderen Träger.“ Von ihrem ursprünglichen Ziel, das Freizi selbst zu betreiben, sind die Besetzer inzwischen abgerückt. „Das Verfahren wäre sehr kompliziert“, sagt de Melo. „Wir wollen, dass es bald eine Lösung gibt.“ Der Besetzerrat fordert aber weiterhin, dass die Mittel für Jugendarbeit insgesamt aufgestockt werden.

Das aber ist bislang noch nicht in Sicht. Am Dienstag befasst sich der Jugendhilfeausschuss mit der Situation des Freizis Buntentor und den Finanzplänen für die Jugendarbeit insgesamt. Und im Herbst will Bremen ein neues Anpassungskonzept – also eine Art Finanzplan – beschließen. Die LAG FW drängt darauf, dass dies nun dringend vorbereitet werden müsse.

Während Bremen mit der Mittelknappheit ringt, verweist das Bremer Service-Bureau Jugendinformation darauf, dass in den kommenden Jahren die Fördermittel der EU für Jugendarbeit um 40 Prozent steigen. Bis 2020 stellt die EU über das Förderprogramm „Erasmus“ mehr als 14 Milliarden Euro für internationale Jugendarbeit zur Verfügung. Um diese Mittel können sich auch Bremer Jugendprojekte mit Europa-Bezug bewerben. „Das sind allerdings projektgebundene Mittel, die keine festen Stellen ersetzen können“, stellt Lena Lorenz vom Service-Bureau klar.

Quelle: Weser Kurier