#ohlauer-Sponti

Solidarität muss praktisch werden…

Bremen, 03.07.2014: #ohlauer Soli-Sponti für die Geflüchteten und Unterstützer_innen in der Gerhart-Hauptmann-Schule

Donnerstagabend um 21:00 Uhr haben sich gut 80 Menschen am Bremer Ziegenmarkt zusammengefunden, um ihrer Solidarität mit den Geflüchteten und Unterstützer_innen in der Gerhart-Hauptmann-Schule (Berlin-Kreuzberg) Ausdruck zu verleihen. Nach einer kurzen Rede zur aktuellen Situation der Geflüchteten machte sich die Demonstration auf den Weg zum Sielwalleck. Dabei wurden Parolen wie „No Border, No Nation – Stop Deportation!“, „Kein Mensch ist illegal – Bleiberecht überall!“ skandiert und eine Sambagruppe trommelte zu Beginn. Anschließend lief die Demonstration bis zum Domshof, wo sie sich dann auflöste. Am Ende gab es einige Personenkontrollen. Allerdings haben die hiesigen „Ordnungshüter“ lange gebraucht zu reagieren und wurden von der Aktion wohl eher überrascht.

Inhaltlich war es uns im Endeffekt leider nicht möglich, längere Redebeiträge zu halten (Denkt ja ans Megaphon bei euren Aktionen!), aber es wurden Flyer an die Passant_innen verteilt.

Wir freuen uns sehr über die große Beteiligung an der Aktion, trotz einer enorm kurzen Zeit der Mobilisierung.

Wir sind uns aber dennoch bewusst, dass wir eine Gruppe von weißen Menschen mit überwiegend deutschen Staatsbürgerschaften sind, die die Möglichkeit und überhaupt das (kulturelle) Bewusstsein haben, in unserer Situation so zu handeln. Wir haben das Privileg, überhaupt auf diese Weise eine mit solchen Kontrollen belegte Aktionsform wählen zu können, ohne ein großes persönliches Risiko ein zu gehen. Menschen aus den Bremer Übergangswohnheimen und generell Refugees wurden nicht informiert. Wir sind uns der ausschließenden Dynamiken dieser Aktion bewusst, sahen aber die Notwendigkeit, schnell zu reagieren.

Lautstark haben wir deutlich gemacht, dass wir uns zwar freuen, dass die Geflüchteten in der Gerhart-Hauptmann-Schule nicht mehr mit einer baldigen Räumung zu rechnen haben, dass ihre Forderungen aber noch lange nicht erfüllt sind. Dass nunmehr spezielle Pässe zum Verlassen und Betreten des Gebäudes für die wenigen Verbliebenen in der Schule ausgestellt werden, ein Sicherheitsdienst den Zugang kontrolliert und ein Großteil der Geflüchteten in genauso problematische Umstände verlagert wurde, ist zynisch. Wir möchten vor diesem Hintergrund auf die widersprüchliche Parteiprogrammatik der Grünen aufmerksam machen.

Die Grünen, deren Bundesfraktionssprecherin eine legalisierte und befristete Einwanderung befürwortet, um den Agrarsektor mit billigen Arbeitskräften zu versorgen (denn in der BRD wird die Regelung eines Mindestlohns für den landwirtschaftlichen Sektor nicht gelten!), verstricken sich so erneut in Widersprüchen zwischen Parteiprogrammatik und persönlichen Anschauungen. [link]

Ebenso ist das Vorgehen der Kreuzberger Grünen fadenscheinig, praktisch zwar die Räumung der Schule anzusetzen, jedoch mit dem Lippenbekenntnis, „dass das keine Aufforderung zur sofortigen Räumung, sondern zu Verhandlungen ist“[link].

Die Verwaltungsstruktur repräsentativer „Demokratie“ manifestiert sich erneut absolut unbefriedigend: Ein System, in dem sich Berufspolitiker gegenseitig die Verantwortung zuschieben können und mal argumentieren, der Bezirk sei allein zuständig für die Situation (die unter massivem Druck seitens der Polizei auf das Stadtamt beeinflusst wurde) und mal ihre Machtlosigkeit artikulieren, die Kreuzberger Grünen seien ja nicht in der Lage die Forderungen der Geflüchteten[link]

zu erfüllen, das müsse schon der Senator des Inneren tun. So verlieren sich erneut existenzielle Konflikte in den Wirren systemischer Hierarchien und lenken den Fokus auf die politische Struktur einer Region, die sich abschottet, Unterstützung verweigert und letztendlich die Aufmerksamkeit der Medien auf sich selbst richtet, anstatt auf die verzweifelte Lage der Geflüchteten.

Wir hingegen wollen den Blick weiten, sehen die Parallelität der Schicksale von Refugees in ganz Europa: Berlin-Kreuzberg, Lampedusa in Hamburg, Freedom-not-Frontex, Calais Migrant Solidarity, No Border Network. Der Kampf gegen die Festung Europa, für globale Bewegungsfreiheit aller Menschen, gegen das Projekt Nationalstaat und entfesselten Kapitalismus wird an unzähligen Orten geführt und wir setzten ein kleines Zeichen unserer Solidarität, die gerade jetzt, da sich die Situation in Berlin zu beruhigen scheint, nicht abreißen darf!

Wir unterstützen die Forderung nach dem sofortigen Bleiberecht für die Geflüchteten nach §23. Auf dass keine_r mehr „illegal“ oder „geduldet“ leben muss!

No Border! No Nation! Stop Deportation!

Kein Mensch ist illegal!


7 Antworten auf „#ohlauer-Sponti“


  1. 1 caaat 06. Juli 2014 um 21:02 Uhr

    War ’ne schöne Aktion.
    Aber wenn die Macker_innen mit ihren La Bombas und ähnlichen Böllern sich in Zukunft einfach wo anders austoben könnten, das wäre zuckersüß! Die Bengalen am Anfang der Demo haben richtig gute Laune gemacht und es war klar zu erkennen, dass die Personen, die die Bengalen gehalten haben, sich Gedanken gemacht haben, um niemanden zu verletzen.
    La Bombas etc. verschrecken hingegen Leute einfach nur und sind dazu arschgefährlich. Wenn die entsprechenden Werfer_innen die Dinger dann noch Unbeteiligten vor die Füße oder direkt neben die Demo werfen, hört der Spass auf.
    Wer einfach mal zeigen will, was er_sie für ein krasser Mensch ist, sollten dafür andere Orte gefunden werden.

  2. 2 egal 06. Juli 2014 um 21:44 Uhr

    ein großer dank an die organisator*innen und beteiligten!

    ABER ein fuck u an die mackers mit den böllern: sehr sehr unnötig und total dämlich diese dinger den passanten und den menschen in der demo vor die füße zu werfen. für mich war´s ein grund die demo zu verlassen …

  3. 3 Ausschlag 07. Juli 2014 um 2:13 Uhr

    Wer die verlinkten Inhalte sehen möchte, möge auf linksunten kucken!

  4. 4 FuBa 07. Juli 2014 um 10:19 Uhr

    Was denn für verlinkte Inhalte???

  5. 5 schnuppe 07. Juli 2014 um 12:59 Uhr

    Insgesamt coole Aktion mit vielen Beteiligten. Dennoch: Bei Aktionen sollen Inhalte transferiert werden, bzw. Außenstehende auf gewisse Umstände aufmerksam gemacht werden. Wie soll das funktionieren, wenn wir die an der Straße stehenden Bürgis mit La Bombas abwerfen?! Und wenn dann jemand nem Typen, der gerade sein Fahrrad anschließt, son Ding vor die Füße wirft und dann nach 2 Sekunden noch ruft „Hau doch ab da“, dann frag ich mich wirklich obs hackt. Wenn du meinst mit La Bombas rumböllern zu müssen, und dabei 1. völlig außenstehende Verletzte in Kauf nimmst und 2. unsere eigenen Leute die ganze Zeit damit abfuckst, dass die Dinger direkt neben uns explodieren, dann verpiss dich von der Demo, denn politische Inhalte scheinen dir dann auch egal zu sein.

  6. 6 wichtig ist der Widerstand 07. Juli 2014 um 16:53 Uhr

    Beide Aktionsformen (bunt mit Flyern und Schwarz mit Böllern) haben ihre Berechtigung. Beide Aktionsformen finde ich passend zu dem Thema. Aber bitte nicht beide gleichzeitig. Flyer verteilen und Böller werfen passt leider nicht so richtig zusammen. Der Schutz der schwarzen Masse ist auch nicht gegeben, wenn die Hälfe unvermummt ist. Das nächste Mal sollten wir uns da besser absprechen was für einen Charakter die Demo haben soll.

    Ansonsten schön gelaufen. Vielleicht einen kleinen Hauch zu spät aufgelöst, da viele dann schon weg waren.

  7. 7 endofroad 07. Juli 2014 um 17:02 Uhr

    Auch wenn die vorgetragene Kritik unheimlich wichtig ist: Dies ist nach wie vor kein geeigneter Ort für Diskussionen. Wir verweisen an dieser Stelle (wie so oft) an geeignetere Medien zum Führen von Diskussionen, wie z.B. die Zeitschrift La Rage.

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