„Ermittlungen gegen Polizist wegen Körperverletzung“

kopiert aus dem Weser Kurier

Beamter soll Flüchtling geohrfeigt haben

Interne Ermittler der Polizei prüfen Vorwürfe gegen einen Polizisten, der einen 16-jährigen Flüchtling geohrfeigt haben soll. Gegen den 47-jährigen Beamten sei von Amts wegen Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt worden, teilte die Polizei gestern mit.

Demnach hatte der Polizist in der Nacht zum 21. September den Jungen aus Algerien nach einem Diebstahl als Tatverdächtigen mit zur Innenstadt-Wache genommen. Als ihm der 16-Jährige den Mittelfinger gezeigt habe, soll der Polizist mit einer Ohrfeige reagiert haben. Der Jugendliche habe später das Einschreiten der Polizei kritisiert. Die Behördenleitung erhielt nach ihren Angaben erst gestern Kenntnis von dem Geschehen. Das beim Innensenator angesiedelte Referat für Interne Ermittlungen übernahm die Bearbeitung des Falls.

Der 16-jährige gehört laut Polizei zu einer kleinen Gruppe von rund 15 unbegleiteten jungen Flüchtlingen, die mit Straftaten aufgefallen sind. Insgesamt leben etwa 300 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Bremen. Mitglieder der Gruppe hatten auch am vergangenen Wochenende mehrere Polizeieinsätze verursacht. Am Freitagabend war es zu einer Messerstecherei im Hauptbahnhof mit einem lebensgefährlich Verletzten gekommen (wir berichteten). Zuvor waren nachmittags bis zu sechs unbegleitete Jugendliche aus verschiedenen Unterkünften bei einem Fest in der betreuten Wohneinrichtung an der Berckstraße (Horn-Lehe) aneinandergeraten. Ein 18-Jähriger erlitt eine Schnittwunde, berichtete die Polizei.

In Horn-Lehe ging der Streit zwischen den jungen Flüchtlingen am späten Sonnabend weiter, so die Polizei. Ein 17-Jähriger bekam von drei Mitbewohnern außerhalb des Wohnheims Schläge gegen den Kopf und erlitt eine Platzwunde. Er kehrte ins Heim zurück, um sich mit einem Messer zu bewaffnen. Betreuer riefen die Polizei; der 17-Jährige wurde gestoppt. Die Beamten veranlassten eine getrennte Unterbringung der Jugendlichen.

Am Sonntag kam es erneut zu Gewalttätigkeiten: Im Heim an der Berckstraße bedrohten sich junge Flüchtlinge mit Messern, Schaufeln und Ziegelsteinen. Sozialarbeiter gingen dazwischen. Als die Polizei alarmiert wurde, flüchteten die Jugendlichen. Kurz darauf prügelte sich eine Gruppe am Bahnhofsvorplatz; ein 16-Jähriger erlitt eine Schnittwunde. Drei Verdächtige wurden zeitweise festgenommen.

Quelle: Weser Kurier

siehe auch
Radio Bremen: Polizist soll Jugendlichen in Bremen geohrfeigt haben
Polizeipresse: Interne Ermittlungen eingeleitet