Immer wieder Bremer Hools

„HoGeSa“ – Von Köln nach Hamburg (mit Fotos)

Machtdemonstration der extremen Rechten in Köln Am Sonntag den 26.10.2014 versammelten sich ca. 5000 Nazis und Sympathisant_innen auf dem Breslauer Platz in Köln. Offiziell wollten sie um 15 Uhr unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ und dem Namen „Hooligans gegen Salafisten“ („HoGeSa“) durch Köln demonstrieren. Jetzt wollen sie am 15.11. nach Hamburg kommen (siehe unten).

Köln
Bereits um 14 Uhr wurde klar, dass die Analyse von Polizei und Verfassungsschutz, nur 1500 „Demonstrant_innen“ würden kommen, katastrophale Folgen haben wird. Die Polizei setzte 1000 Beamte ein aber es war absehbar, dass weitaus mehr kommen würden. Bis zum Sonntag kündigten immerhin über 7000 Menschen ihr Kommen bei Facebook an und auch Antifa Gruppen warnten bereits im Vorfeld, dass mit vielen, gewaltbereiten Neonazis zu rechnen sei.

Auf dem Breslauer Platz und im Bahnhof herrschte eine äußerst aggressive Stimmung. Die Polizei stand kaum wahrnehmbar im Hintergrund, während die ersten Nazis sich gegenseitig mit Hitlergruß begrüßten und die ersten Journalist_innen, Antifaschist_innen und Migrant_innen angriffen.
Schnell realisierten die meisten Neonazis, dass heute die Machtverhältnisse gekippt werden.
Bei der Auftaktkundgebung sprachen einige Redner – neben dem Neonazi Andreas Kraul aus Herne, der die Veranstaltung angemeldet hatte, sprach auch der Hamburger Neonazi Thorsten de Vries. Später trat noch die Berliner Naziband „Villain 051“ auf, die in zahlreichen Liedern gegen Asylunterkünfte hetzen.
Hannes Ostendorf, Sänger von „Kategorie C“, heizte die Meute weiter ein, unter anderem mit seiner extra für „HoGeSa“ geschriebenen Hymne „Hooligans gegen Salafisten“.
Mit Strophen wie „Wenn das Messer an der Kehle ist dann habt ihrs kapiert – Islam bringt keinen Frieden sondern Gottessklaverei“ und „Moslems verstehen hier keinen Spaß – Bei ihnen regiert vermummter Hass“ hetzt Ostendorf den rassistischen Mob gegen alle Muslime auf. Spätestens seit Montag dem 20.10., dem Tag der Veröffentlichung des Songs, hätte allen klar sein müssen, dass es den „HoGeSa“ und Sympathisant_innen niemals nur um eine reale Bedrohung durch den IS ging.

Während der Demonstration waren zahlreiche klassische Neonazi Parolen wie „Hier marschiert der nationale Widerstand“ oder auch „Frei, sozial und national“, sowie „Deutschland den Deutschen! Ausländer raus!“ zu hören. Mehrfach wurden Journalist_innen unter Rufen wie „Lügenpresse auf die Fresse“ Gewalt angedroht und die Drohung nicht selten auch in die Tat umgesetzt. Bereits nach wenigen hundert Metern eskalierte die von der Polizei so gut wie unbegleitete Demonstration. Einige Neonazis vermummten sich und griffen unter anderem einen asiatischen Imbiss, ein Wohnhaus, Journalist_innen und Passant_innen massiv an. Der Aufmarsch teilte sich während dieser Eskalation. Der vordere Teil lief weiter, während die Polizei versuchte gegen den Rest mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Pfefferspray vorzugehen. An dieser Stelle muss betont werden, dass die Polizei die Lage zu keinem Zeitpunkt unter Kontrolle hatte.
Die Polizei erklärte die Demonstration für beendet, absurderweise und sinnbildlich für das Fehlen eines wirksamen Konzeptes, folgte dann die Durchsage der Polizei, dass die „HoGeSa“ Teilnehmer_innen die Demoroute jetzt weiterlaufen können. Die Neonazis sollten zum Bahnhof zurück und so konnte der Mob weiter schlagend, pöbelnd und randalierend durch einen Park zum Breslauer Platz ziehen. Dort wieder angekommen warfen sie dann einen Polizeiwagen um und schmissen die Scheiben von Geschäften im Bahnhof ein. Während der Abreise stürmten sie mehrfach die Polizeiketten, griffen einen Wasserwerfer an und attackierten im Bahnhof zahlreiche Reisende, Pfandsammler_innen und Obdachlose.

Wer war da? Und was wollen die?
Kürzer zu beantworten wäre die Frage wer nicht da war. Denn so ziemlich alles was das rechte Milieu zu bieten hat, fand sich an diesem Tag auf dem Platz ein. Ja – sicherlich waren auch einige „Bürger_innen“ anwesend, denen es ihrer Wahrnehmung nach nur darum geht ihre „Kinder und das deutsche Volk zu schützen“, die sich selbst aber nicht dem rechten Milieu zuordnen würden. Das Erscheinungsbild der Demonstration wurde dominiert von kräftig aussehenden, alkoholisierten Männern in szenetypischen Neonazimarken wie beispielsweise „Thor Steinar“.

Unter anderem wurden von verschiedenen Journalist_innen und Antifaschist_innen Einzelpersonen oder Gruppen aus folgenden Zusammenhängen identifiziert: „SS Sigi“ und die „Borussenfront“, Nazihooligans aus Kaiserslautern, Berlin, Braunschweig, Bochum, Bremen, Aachen, Polen, von Lazio Rom, aus den Niederlanden und Belgien. Anwesend waren auch die alte Garde der „Löwen Hamburg“, Teile der „Weisse Wölfe Terrorcrew“, „Endstufe-Crew Bremen“, „AG Weserbergland“, Identitäre Bewegung“, „Freies Netz Hessen“, German Defence League, zahlreiche Neonazi-Skinheads und auch Rocker, Mitglieder extrem rechter Parteien, wie NPD, Die Rechte, „Der 3. Weg“ und der AFD.

In Köln kam zusammen was zusammengehört. Die Sarrazin-Leser_innen, die Pirincci--Verehrer_innen, die „das wird man jawohl noch sagen dürfen“-Schreihälse, vermeintlich „unpolitische Fußballfans“ und die als harmlos eingeordneten AFD-Wähler_innen liefen Seite an Seite mit gewaltbereiten Neonazis und Hooligans. „HoGeSa“ hat ein Bündnis geschaffen unter dem Neonazis, Nationalist_innen, Rassist_innen, Fußballfans und rechte Hooligans gemeinsam agieren können um ihrem diffusen rassistischen Hass freien Lauf zu lassen.

Unter dem Deckmantel gegen „Salafisten“ zu sein, versammelt sich der rechte Rand mit den Rassist_innen der sogenannten gesellschaftlichen Mitte. Gemeinsam wird der Rassismus in Form von Parolen und Gewalttaten ausgelebt und kanalisiert. Der angeblich vorhandene pazifistisch und demokratisch-orientierte Teil der „HoGeSa“ Demonstrant_innen hat zumindest am Sonntag in Köln diese Eskalation mitgetragen, die Wenigsten haben sich davon distanziert.
Dabei fühlen sich die allermeisten unter ihnen zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt. Da einige Medien im Vorfeld bereits kritisch auf den hohen Anteil an Neonazis unter den Demonstrant_innen aufmerksam gemacht haben, entlud sich der Hass im Vorfeld und vor allem am Sonntag direkt bei anwesenden Pressevertreter_innen. Auch nach der Demo wird reichlich über die „Lügen-Presse“ geschimpft und viele verfallen in einen verschwörungstheoretisch angehauchten Opfer-Habitus, wie es nach Aufmärschen der extremen Rechten Gewohnheit ist. Paradoxerweise sehen sich die Teilnehmer_innen der „HoGeSa“ Demo selbst als „Retter_innen des deutschen Volkes“ und die Veranstalter sind trotz des offensichtlichen extrem Rechten Charakters weiterhin um Anschlussfähigkeit bemüht.

Die Polizei spricht in einer vorläufigen Pressemitteilung von 44 verletzten Polizist_innen. Andere Verletzte wurden nicht erwähnt, obwohl es zahlreiche Übergriffe unter anderem auf Migrant_innen gab. Offensichtlich ist die Polizei nicht um eine weitere Auswertung bemüht, welche die Zahl der angegriffenen Passant_innen, Journalist_innen und Reisende, die mit dem rassistischen Mob im Zug sitzen mussten, dokumentiert.

Wer steckt hinter „HoGeSa“?
Entgegen der Analysen des Verfassungsschutzes gibt es sehr wohl eine Art Organisationsstruktur bei „HoGeSa“.
Deutschlandweit sind die einzelnen Gebiete unterteilt in Nord, Ost, Süd und West. Federführend bei „HoGeSa“ sind die Regionalleiter West Andreas Kraul und sein Stellvertreter Dominik Roeseler von „ProNRW“. In „geheimen“ Facebook-Gruppen werden dabei teils organisatorische Angelegenheiten koordiniert, zum größten Teil aber nur rassistische und NS-verherrlichende Bilder, neonazistische Musik und Sprüche geteilt. Neben der Hetze gegen den Islam und alle Muslime, werden vor allem Antifaschist_innen und die Presse als der Hauptfeind ausgemacht. In zahlreichen Beiträgen wird zu Gewalt gegen diese aufgerufen.

Jede Region hat ihren Regionalleiter und einen Stellvertreter. Die Nordgruppe umfasst Schleswig Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen.
In der Nordgruppe ist „CaptainFlubber“ aus Bremen der Regionalleiter. Der Neonazi ist bei den „Freibeutern Bremen“ organisiert und hat enge Kontakte zu weiteren Neonazis, sowie zu der Band „Kategorie C“ und den „Farge Ultras“. Sein Stellvertreter ist der bekannte Neonazi Christian Sternberg aus Lüneburg. Sternberg betrieb bis 2009 den Neonaziladen „Hatecore Lüneburg“ und ist momentan für das Merchandise wie Sticker und Kleidung der „HoGesa“-Nord verantwortlich. Weiter unterstützt wird die Nordgruppe von Sven Reichert aus Bargstedt, der bereits 2006 auf der Liste der NPD für den Kreistag zu finden ist. Damals war er mit Heike Dammann zusammen und hält bis heute gute Kontakte zu Hamburger Neonazis.
Dazu gibt es für fast alle Städte „Whatsapp“-Gruppen. Für den Norden leitet Benjamin „Benni“ Krüger die Gruppe. Des Weiteren gibt es einen Kassenwart für jede Region. In der Nordregion ist dafür „Svener Potas“ aus Rostock zuständig.

Hamburg
In Hamburg ist aktuell für den 15.11. eine Demonstration der „HoGeSa“ von Benjamin Krüger, wohnhaft in Hamburg Lokstedt angemeldet. Zunächst war die Demo von der Sternschanze zum Hauptbahnhof angemeldet. Dabei sind die Orte der Anfangs- und Endkundgebung sicherlich nicht rein zufällig gewählt, sondern müssen als Provokation gegenüber Antifaschist_innen, Lampedusa-Refugees und der migrantisch geprägten Community in Hamburg St. Georg gesehen werden. Vor wenigen Wochen griffen schwer bewaffnete IS-Anhänger zahlreiche Menschen vor dem kurdischen Zentrum nahe dem Hauptbahnhof an. Politiker_innen und Neonazis instrumentalisieren seitdem diesen Angriff für rassistische Hetze und fordern verstärkt repressive Maßnahmen.

Aktuell mobilisiert „HoGeSa“ am 15.11. um 14 Uhr zum Hauptbahnhof. Ob dies der letzte Stand der Dinge ist, bleibt abzuwarten.
Momentan sind in Hamburg am 15.11. mehr als 5000 Teilnehmer_innen zu erwarten. Die Politik fordert nach den Ausschreitungen in Köln ein Verbot der Veranstaltung. Die antifaschistische Szene sollte keinesfalls auf ein Verbot spekulieren. Selbst wenn die Demonstration untersagt wird, ist davon auszugehen, dass die Neonazis am 15.11. dennoch nach Hamburg kommen. Bereits jetzt haben sich Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus angekündigt und auch die NPD-Hamburg und die extrem rechte Band „Kategorie C“ mobilisieren über Facebook.
Angekündigt haben sich neben rechten Fußballfans (u.a. Neonazihooligans und Gruppen aus Braunschweig, Leipzig und Fans vom FC Schalke 04) auch Kameradschaften wie „Ag Weserbergland“, „Ag Nordheide“, die „Weisse Wölfe Terrorcrew“ (WWT- Hamburg, Ost und „Helvetia“), „Brigade 8“ sowie Burschenschaftler, Anhänger_innen der „Identitären Bewegung“, Neonaziskinheads und Gruppierungen wie „Skinheads Uelzen“, „Blood & Honour“ Niederlande. Des Weiteren ist mit Mitgliedern von allen extrem rechten Parteien wie NPD, Die Rechte und „Der 3. Weg“, sowie der rechtspopulistischen Partei AFD zu rechnen.

In sozialen Netzwerken gibt es mittlerweile hunderte Aufrufe und Gewaltandrohungen von Neonazis. Viele drohen damit an diesem Tag Asylunterkünfte, die Rote Flora und andere linke Einrichtungen anzugreifen und fantasieren frei davon „die Antifa zu köpfen“.
Nach den Ereignissen in Köln feiert sich der rassistische Mob und weitere Neonazis wollen an der Entwicklung aktiv teilhaben und für vergleichbare Pogrom-Stimmung in Hamburg sorgen.

Die erste Spaltung treibt gerade der bekannte Hamburger Neonazi Thorsten de Vries voran. Auf dem Neonazi-Portal Altermedia veröffentlichte er bereits einen Artikel, in dem er harsche Kritik an der „HoGeSa“ Führung äußert und als Konsequenz alle Kameraden und „echten alten politischen Hooligans“ dazu auffordert zu Hause zu bleiben. Seiner Meinung nach sind alle Demonstrationen abgesagt. Er und sein Umfeld entziehen der „HoGeSa“ das Vertrauen. Sein Vorhaben ist, dass „Hooligans gegen Salafisten“ 2015 mit neuem Namen zurück kommt. Unterschrieben hat er seinen offenen Brief mit „HGS Aktionsgruppe Hamburg“. Wegen eines zuvor von ihm veröffentlichten Artikels distanzierte sich „HoGeSa“ bereits von de Vries. Momentan stehen nur wenige Neonazis hinter ihm. Bei Altermedia sind überwiegend ablehnende Kommentare zu lesen: „Thorsten de Vries ist ungefähr genauso hirnverbrannt, wie der durchschnittliche Hooligan an sich“ und „nennt sich hier stabiler Hooligan und jammert wie ein altes Waschweib rum“. Wie sich bekannte Neonazihooligan Gruppen wie die „Rot-Front“ Kaiserslautern, die Stuttgarter oder die Bochumer zu der Spaltung verhalten werden, wird sich noch zeigen. Die derzeitig organisierte Hamburger Hooligan-Szene aus dem Umfeld des HSV hält sich bislang zurück und wird sich wahrscheinlich nicht als geschlossener Gruppenzusammenhang an der „HoGeSa“ Demonstration beteiligen. Die Mobilisierung von „HoGeSa“ für den 15.11. wird weiterlaufen und vermutlich werden sich nur wenige Neonazis de Vries Appell anschließen zu Hause zu bleiben.

Ebenfalls in Köln anwesend war der Hamburger Neonazi Andreas Schacht, der „Cultura Germanica e.V“ initiierte und für den 6.11. eine Demonstration gegen Refugees in Hamburg Farmsen (17 Uhr, Parkplatz der VHS) angemeldet hat.

Quelle: linksunten.indymedia.org (dort gibt es auch viele Fotos)