OL: Kulturschaffende in rechten Kreisen

kopiert von bnr.de

Die Schauspielerin Imke Barnstedt steht in der Kritik, da sie an einer Tagung zusammen mit bekannten Holocaust-Leugnern teilgenommen hat. In den vergangenen Jahrzehnten tauchte die 72-jährige Oldenburgerin immer wieder im rechtsextremen Zusammenhängen auf.

Seit Jahren ist bekannt, dass Barnstedt (Jg. 1942) in der rechtsextremen Szene aktiv ist – auch in herausgehobener Position. So war sie Vorstandsmitglied der „Bauernhilfe“, einer Unterorganisation des „Collegium Humanums“ (CH). Im Zuge des CH-Verbots 2008 wurde auch die „Bauernhilfe“ vom Bundesinnenministerium aufgelöst, da es sich um ein „Sammelbecken für Holocaust-Leugner“ handelte. Bei der „Bauernhilfe“-Gründungsversammlung hatte Barnstedt den Posten der Schatzmeisterin übernommen, den sie drei Jahre später an den wegen Volksverhetzung verurteilten Rechtsextremisten Arnold Höfs (Jg. 1936) abgab.

Vorsitzende der „Bauernhilfe“ war die umtriebige Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel (Jg. 1928). Mit Haverbeck-Wetzel und anderen einschlägig bekannten „Reichsbürgern“ war Barnstedt bereits am 30. Juli 2003 unterwegs. Auf der Wartburg bei Eisenach hielt Barnstedt mit einem Mitstreiter ein Schild mit der Aufschrift „Die Lüge vernichtet sich selbst“, daneben stehen Haverbeck-Wetzel und Horst Mahler (Jg. 1936) mit einem Plakat, auf dem stand: „Den Holocaust gab es nicht“.

Kleinkunstbühne „Berliner Zimmer“ ist in Oldenburg etabliert

Eigentlich wollten die Rechtsextremisten an jenem Tag nach Polen fahren, um beim ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz die im Holocaust ermordeten Juden zu verhöhnen. Wie es später in einem Propaganda-Pamphlet hieß, wollte die Gruppe um Mahler die „Jüdische Kultstätte als Tatort des Seelenmordes am Deutschen Volk“ markieren. Die Behörden verhinderten die Ausreise nach Polen jedoch. „Schon bald wird das Judäo-Amerikanische Imperium krachend zu Boden stürzen. Das wird ein Fest!“, kündigte ein „um das ‚Verdener Manifest’ versammelter Freundeskreis von Reichsbürgern“ nach der Aktion auf der Wartburg an.

Doch in Oldenburg ist Barnstedt mit ihrem kleinen Theater „Berliner Zimmer“ im öffentlichen Leben etabliert. Die städtische Tourismus- und Marketing-Gesellschaft kündigt freimütig die Termine der Kleinkunstbühne an. Wie die „Nordwest-Zeitung“ berichtet, habe Barnstedt 2009 gegenüber der Tourismus-Gesellschaft versichert, den Holocaust nicht zu leugnen. Sie hatte offenbar erklärt, die Kontakte zur rechten Szene gehörten der Vergangenheit an. Bereits ein Blick auf Barnstedts Internetauftritt hätte jedoch stutzig werden lassen können. Gestaltet wurde die Webseite von Wirtschaftsinformatiker Stefan Kaus aus Gießen. Kaus ist Autor in „Glauben und Wirken“, dem Blatt des extrem rechten „Bunds Deutscher Unitarier“ und wird dem Umfeld von Holocaust-Leugnern wie Horst Mahler zugerechnet. Dies legt zumindest der veröffentlichte Schriftwechsel auf der Seite des geschichtsrevisionistischen „Adelaide-Institutes“ nahe.

Mit Ursula Haverbeck-Wetzel in Guthmannshausen

Barnstedts Aktivitäten sind auch im Nordwesten Niedersachsens bekannt. Denn die Schauspielerin, die in TV-Serien wie „Unter uns“ und „Liebling Kreuzberg“ mitspielte, kann bereits auf eine lange politische Karriere am rechten Rand zurückblicken. Beispielsweise war sie im „Friedenskomitee 2000“ von Alfred Mechtersheimer tätig, 1999 wurde sie zu dessen Stellvertreterin gewählt. Die Neonazi-Gruppe „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ ehrte Barnstedt 2001 als „verdiente Kulturschaffende“. Und auch beim rechtsextremen „Schulverein zur Förderung der Russlanddeutschen in Ostpreußen“ und dem völkischen „Bund Deutscher Unitarier“ trat Barnstedt als Referentin auf.

Just im August dieses Jahres nahm Barnstedt an einer zweitägigen Veranstaltung des rechtsextremen Vereins „Gedächtnisstätte“ im thüringischen Guthmannshausen (Kreis Sömmerda) teil, zu der rund 200 Personen kamen. Unter den Angereisten waren dort für Barnstedt sicherlich alte Bekannte: Ursula Haverbeck-Wetzel und andere Holocaust-Leugner aus Deutschland und dem europäischen Ausland. Wie die „Nordwest-Zeitung“ jetzt berichtet, sei die Versammlung in Guthmannshausen nach den Worten Barnstedts nicht rechtsextrem motiviert gewesen. Es habe sich um ein Treffen gehandelt, auf dem an die Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten gedacht worden sei. Verfassungsschutz und zivilgesellschaftliche Initiativen bewerten dies freilich anders.

kopiert von bnr.de