Christoph Seidl – Bürgerschaftskandidat der AFD Bremen und sein Anschluss an die Ideologie der PEGIDA und der Identitären Bewegung

Christoph Seidl, ehemaliges Mitglied der Jungen Union, RCDS, CDU und seit Herbst 2014 Kandidat der AFD für die Bürgerschaftswahl im Mai, kommentierte als Regionalleiter der AFD Bremen Nord am Sonntag in der Onlineausgabe des Bremer Weserkuriers1 einen Artikel über das behördliche Verbot aller Pegida-Demonstrationen:

“Alle diejenigen, die in den vergangenen Wochen keinerlei Mühe gescheut haben, PEGIDA und deren Organisatoren zu diffamieren und persönlich zu diskreditieren, sollten nun einmal innehalten. Sie, und allen voran SPIEGEL Online, haben einen erheblichen Anteil daran, dass in keinster Weise auch nur halbwegs objektiv berichtet wurde.”

Christoph Seidl unterstellt Kritiker_innen gegen PEGIDA Hetze und dem Spiegel Magazin in codierter Form bewusst inszenierte Falschbehauptungen. Eine Opferrolle wie wir es seit Wochen von PEGIDA Teilnehmer_innen in jede Kamera gebrüllt bekommen. Decodiert lässt sich lesen, dass der Regionalleiter der AFD Bremen Nord darin aber den gern von Personen des rechtsradikalen Spektrums verwendeten Gebrauch des Wortes “Lügenpresse” aber meint. Examinierte Akademiker_innen wie Seidel, bedienen sich nicht dieses hässlichen Jargons so unmittelbar und plump, wie es für PEGIDA und ihre Ableger üblich scheint. Seidl konstatiert weiter:

“Menschen,die ihr selbstverständliches Recht auf Meinungsfreiheit und ihr Demonstrationsrecht in Anspruch nehmen, werden lächerlich gemacht, pauschal als Nazis verunglimpft und wie zuletzt in Hannover massiv angegriffen.”

Das Seidl für die AFD Bremen PEGIDA als Nazis “verunglimpft” sieht und “lächerlich gemacht”, bezieht sich auf die weitreichende Kritik gegen die PEGIDA-Bewegung. Zu dem nicht zuletzt der Vorsitzende der Bundespartei B90/Die Grünen, Cem Özdemir, über Twitter verkünden ließ: “Gemeinsam gegen Pegida – Gib Nazischweinen keine Chance”. Strafrechtlich hat diese Bezeichnung, die sich abstrakt gegen PEGIDA und nicht gegen eine bestimmte Person richtet, keine Relevanz.

Wer sich jedoch den Schuh anzieht, muss sich nicht über noch mehr Häme und kritische Aufmerksamkeit wundern. Seidl, ganz in der gemimten Opferrolle wie der Bundesvorsitzende und vielleicht bald Alleinherrscher der AFD Bernd Lucke, zieht sich gerne den Schuh an und zieht damit die Inhalte der PEGIDA Bewegung wahlkampf-strategisch auf die Seite der AFD Bremen. Das sollte nicht überraschen, hat Seidl einen großen Beitrag dazu geleistet Hetze gegen eine Unterkunft für geflüchtete Jugendliche in Bremen Nord zu unterstützen und bestehende rassistische und sozialchauvinistische Ressentiments vor Ort für den eigenen Wahlkampf weiter voranzutreiben.

Der von Seidl behaupteten “massiven Angriff” gegen einen Ableger der so genannten HAGIDA in Hannover, lässt keinen Zweifel mehr daran, welcher Quellen sich der Regionalleiter der AFD Nord bedient. Seriöse Medien berichteten keineswegs von einem einseitigen Angriff seitens der 16.500 Gegendemonstrant_innen gegen die 200 Teilnehmer_innen des Pegida-Ablegers. Vielmehr berichten rechtsideologische Internetmedien undifferenziert von den Ereignissen am 12.01.2015 und verstehen eine Blockade gegen Rassist_innen und Neonazis als “massiven Angriff”. Die Darstellung der Blockade als Angriff seitens der von Behörden als “islamfeindlich” eingestuften Bewegung, sollte nicht wundern. Ist der Anmelder dieser Demo in Hannover doch kein Unbekannter in der einschlägig rechtsradikalen Szene in Niedersachsen. Dieser gehört der vom Verfassungsschutz beobachteten“Identitären Bewegung” an und spielt insgesamt in der niedersächsischen Szene eine tragende Rolle.

Christoph Seidl, dem sicher nicht unterstellt werden kann, dieser habe als examinierter Lehrer und Coach (unter anderem für Angestellte im Jobcenter) nicht den nötigen Intellekt sich differenziert mit Quellen und Medien auseinanderzusetzen, bezieht sich in seinem Online-Kommentar also auf Rechtsradikale, auf deren einschlägig braune Internetveröffentlichungen und ist empört über eine kritische Öffentlichkeit, die sich erfolgreich gegen einen Aufmarsch von Rechtsradikalen unter dem Label HAGIDA gestellt hat.

“Wo sind die Zeichen der Solidarität mit den Dresdner PEGIDA-Verantwortlichen? Wo werden jetzt die Lichter gelöscht? Gibt es in diesem Land mittlerweile eine Zweiklassengesellschaft auch bezogen darauf, wer seine Grundrechte unbeeinträchtigt in Anspruch nehmen darf?”

Der Begriff “Solidarität” aus dem Munde eines Bürgerschaftskandidaten, der sich rechten Gedankengut näher verbunden fühlt und nur befähigt scheint Empörung gegen aktive Antirassist_innen und Antifaschist_innen empfinden zu können, aber kein Wort der Solidarität mit dem in der letzten Woche ermordeten Asylbewerber Khaled B. ausspricht, tritt auf beschämende Weise den Begriff Solidarität mit Füßen. Besonders, da unterstellt werden kann, dass dieser Mord auch eine kausale Verbindung hat zu der Hetze die aus den Reihen der Pegida-Anhänger_innen kommt.

“Welch elende Heuchelei derer, die uns bei jeder Gelegenheit ideologisch zu ihrem oft „grünem“ Besten umerziehen wollen und die jetzt dröhnend schweigen!”

Mit dieser polemischen Äußerung, dass also all diejenigen die sich nicht auf die Seite der PEGIDA und der AFD ziehen lassen wollen und auch nicht naiv ihre Inhalte verharmlosen, weil sie wie ihresgleichen Hetze nur als bloße Meinungskundgabe verstehen, belegt Seidl welch Geistes Kind er ist. Wohlgemerkt vertritt er dies nicht als bloße Privatperson, sondern verweist bei seiner Äußerung im Bremer Weserkurier besonders darauf, dass er dies als Kandidat für die Bürgerschaftswahl kommentiert.

Wähler_innen die nicht auf den braunen Zug aufspringen wollen und die AFD sowie Pegida ablehnen, sind seiner Überzeugung nach nichts weiter als Heuchler_innen und werden seiner Auffassung nach „Umerzogen“. Hierbei codiert Seidl genau den braunen Mist, den die Verschwörungstheoretiker_innen dieser Tage besonders laut vertreten.Mit der Behauptung, alle Deutschen würden von Oben fremdbestimmt und manipuliert und zu Menschen erzogen, die sie ohne die Manipulation von Oben gar nicht wären. Seidl verwendet das zur Abwertung von“Linken” verwendete Wort “Gutmenschen” nicht, meint aber bei dieser polemischen Selbstinszenierung nichts anderes. Weiß er doch genau, dass seine Partei im Wahlkampf an den rechten Rand adressiert.

Seine Kandidatur-Kollegin Ute Döpke (Platz 13), würde ihm sicherlich beipflichten. Hat sie doch klare Belege für derartige Manipulationen von Oben durch sogenannte “Chemtrails” und ist sich in ihrem Verschwörungswahn auch nicht zu Schade während des Wahlkampfs nachweislich von rechtsradikalen Demagog_innen inszenierte Verschwörungen2, die im Internet kursieren, auf den von ihr verwalteten Internetseiten der Öffentlichkeit zu präsentieren. Sie verlinkt dabei Quellen aus deren gleichen Feder auch behauptet wird, Jüd_innen schickten die Muslime in die BRD, um den “deutschen Volkstod” herbeizuführen.

Wer vorgibt, vermeintlich an eine exakten und objektiven Berichterstattung interessiert zu sein, wie Seidl inmitten seines WahlKampfs, sollte zunächst besser bei sich damit beginnen. Seidel,als angeblicher Retter der Grundwerte des Abendlandes, muss selbst ernsthaft prüfen,ob er auf dem fragwürdigen Boden seiner freiheitlich demokratischen Grundordnung (FdGO) steht. Wie dieser es in einer peinlich anmutenden “Challenge3”in einem Video im Oktober 2014 an diverse Personen und Institutionen proklamierte. Seidl forderte darin den Adressat_innen ein Bekenntnis zur FdGO ab. Ein Bekenntnis, das nicht jeder Mensch schon deshalb abgeben muss, nur weil Rechtspopulist_innen aus der AFD es ihnen als Beleg abverlangen wollen; zum Beweis nicht einer “extremistischen Organisation” anzugehören. Kritisch der FdGO gegenüberzustehen ist kein Anzeichen für menschenfeindlichen „Extremismus“. Eine Partei dazu zu nutzen, um gegen Minderheiten zu hetzen und Rechtspopulismus Vorschub zu leisten, hingegen schon.

Wer in einer Form wie Christoph Seidl und seine Kollegin Ute Dopke Quellen aus dem rechtsradikalen Spektrum heranzieht und dabei ganz bewusst ins braune Fettnäpfchen tritt, kann sicherlich kein_e ernstzunehmende Vertreter_in aller Bremer Bürger_innen in der Bürgerschaft sein. Seidl muss sich daher auch nicht wundern, wenn auch ihn und die AFD Bremen in Zukunft Bezeichnungen treffen sollten, wie aus der berechtigten Forderung Özdemir’s: “Gib Nazischweinen keine Chance”.

  1. http://www.weser-kurier.de/deutschland-welt_artikel,-Islamistische-Drohung-konkret-gegen-Pegida-Organisator-Bachmann-_arid,1036043.html#comments [zurück]
  2. https://afdwatchafd.wordpress.com/2014/12/26/afd-bremen-ute-dopke-kandidatin-burgerschaftswahl/ [zurück]
  3. https://www.youtube.com/watch?v=zIRJYZA_yNg [zurück]

1 Antwort auf „Christoph Seidl – Bürgerschaftskandidat der AFD Bremen und sein Anschluss an die Ideologie der PEGIDA und der Identitären Bewegung“


  1. 1 Ergänzung 20. Januar 2015 um 17:31 Uhr

    Eine interessante und gute Analyse. Ich würde sie gerne ergänzen. Ein Pamphlet von Herrn Seidl auf der Facebook-Präsenz der Transatlantiker der AfD zeigt nämlich noch deutlicher die geistige Übereinstimmung zwischen Herrn Seidl und dem Milieu der antimuslimischen Rassist*innen. Der Beitrag ist als „persönlicher Beitrag von Christoph Seidl“ ausgewiesen. Im Beitrag schwadroniert Seidl über eine „erneuerte Partnerschaft mit Russland – Aus kulturstrategischer Perspektive“.
    Was das bedeuten soll, wird schnell klar. Seidl sieht Russland als „geostrategischen Sperrriegel“ zur „Eindämmung des Islamismus“. Ganz im Sinne PEGIDAs wähnt Seidl die „abendländische Kultur“ unmittelbar bedroht. Auch deshalb, weil die westlichen Staaten (im Christoph-Seidl-80er-Jahre-Politthriller-Sprech: „London“ und „Washington“) eine „entschiedene Reaktion“ auf die „grassierende Islamisierung“ vermissen ließen. Wer an dieser Stelle laut Anti-Terror-Gesetze, Afghanistan- und oder Irakkrieg schreien möchte, spare sich seine Energie auf, denn der Geo-Stratege Seidl hat noch mehr „klare Kante“ anzubieten:

    „Früher pflegte ich zu sagen, dass ich im Falle der EU-Mitgliedschaft der Türkei nach Norwegen auswandern würde. Nie habe ich die Unterwanderung Norwegens und auch Schwedens durch den Islamismus vorausgesehen. So heißt das neue Ziel wahrscheinlich Island.“

    Norwegen. Ich würde das gerne irgendwie pfiffig kommentieren. Es gelingt mir einfach nicht. Das wird an absolut bodenloser Geschichtsverdrängung nur noch getoppt durch die Passage aus dem Wahlprogramm der AfD Bremen: „Die Friedensbeiträge Deutschlands sind als bedeutender Beitrag zur menschlichen Zivilisationsgeschichte zu würdigen“.

    Link zum Text: https://www.facebook.com/transatlantiker.der.afd/posts/324848077708976

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