A-Cafe: ‚Tierra y Libertad‘

Sonntag, 1. März 2015 | 15 Uhr | SWH

Ab 15 Uhr Cafe, um 16.30 Uhr Film

Spanien, 1936. Nachdem Antifaschisten aus Spanien in England von der Situation in ihrem Land berichtet haben, brechen viele Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt auf, um in Spanien gegen Franco zu kämpfen. Auch David Carr (Ian Hart) sitzt schließlich in einem Eisenbahnwaggon in Richtung Barcelona. Dort schließt er sich der POUM an, obwohl er eigentlich Mitglied der Kommunistischen Partei ist. Nach einigen kurzen Einweisungen in Barcelona gelangt er als Teil der Miliz schließlich an die Front, nach Aragonien.

Nach England berichtet er seine Eindrücke in der Miliz. Niemand salutiere hier, es gebe keine Hierarchie, die Anführer würden gewählt; ja, er befinde sich hier im gelebten Sozialismus! Das wird auch deutlich nachdem die Miliz unter Opfern ein Dorf von der Besetzung durch faschistische Truppen befreit hat. Im Gemeindehaus wird über die Zukunft des Dorfes diskutiert und diesmal kommen alle zu Wort. Obwohl es unterschiedliche Meinungen gibt, am Ende wird schließlich jeglicher Privatbesitz kollektiviert und die Revolution scheint auch hier auf
fruchtbaren Boden zu fallen.

Der kommunistische Einfluss innerhalb des antifaschistischen Lagers wird größer und paradoxerweise stellt sich dies als das Ende der Revolution heraus. Aus ideologischen und außenpolitischen Gründen drängt die UdSSR unter der Führung Stalins darauf, dass in Spanien die Revolution nicht siegen darf. Schließlich startet die kommunistisch geführte Regierung einen Angriff auf die revolutionären Gruppierungen, z.B. die POUM und die CNT. Es kommt zu Straßenkämpfen in Barcelona und das Lager derjenigen, die eigentlich zusammen gegen Franco und seine Truppen kämpfen wollen, zerfällt im Richtungsstreit über die Zukunft der Revolution und kriegspolitische Erwägungen. Am Ende wird die Miliz gewaltsam aufgelöst und durch eine Volksarmee ersetzt. Doch nicht nur die Revolution findet ein jähes Ende, auch der Krieg ist verloren und in Spanien beginnt die bis 1975 dauernde Herrschaft des Diktators Franco.

Die *POUM* ging 1935 aus dem Zusammenschluss der trotzkistischen Izquierda Comunista (Kommunistische Linke) um Andreu Nin und Juan Andrade mit dem Bloque Obrero y Campesino (Arbeiter- und Bauernblock) um Julián Gorkin und Joaquin Maurin hervor. Letzterer orientierte sich an Nikolai Bucharin. Die Mehrzahl der Anhänger dieser beiden Gruppen waren in Katalonien (dort vor allem in Lleida), in Valencia und in Extremadura zu finden.

Die *Confederación Nacional del Trabajo (CNT)* ist eine anarchosyndikalistische Gewerkschaft in Spanien und Mitglied der Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation (AIT). Die Gewerkschaft war mit 2 Millionen Mitgliedern einer der wichtigsten Akteure des Widerstandes gegen General Francisco Franco im Spanischen Bürgerkrieg, wo es zeitweise gelang eine sozialistisch/anarchistische Gesellschaft in weiten Teilen Kataloniens aufzubauen. Nach dem Sieg Francos wurde sie verboten und 1976 in der Illegalität, offiziell erst 1979 wieder gegründet, ohne allerdings an die alte Bedeutung anknüpfen zu können.

Ken Loach gilt als Chronist und Ankläger sozialer wie politischer Missstände. Dabei richtet er seinen Blick fest auf die britische Klassengesellschaft. Inspiriert durch den italienischen Neorealismus, überträgt er das Prinzip von der Abbildung der ungeschminkten Wirklichkeit auf Großbritannien. Zur Umsetzung seiner Ideen präferiert er Laiendarsteller mit Lebenserfahrung, um den authentischen Charakter seiner Rollenfiguren zu betonen. Das Medium Film dient Loach als Instrument gesellschaftlicher Veränderung. Seit mehr als drei Jahrzehnten setzt er sich kritisch mit den sozialpolitischen und ökonomischen Verhältnissen auseinander. Dabei agiert er Genreübergreifend und vertritt sein Anliegen sowohl in Dokumentationen als auch in Dramen oder Politthrillern.
Aufgrund der Radikalität seiner Ansichten und teilweise einseitigen Parteinahme zugunsten linker Ideen, löst er mit seinen Beiträgen oft hitzige Kontroversen aus.