VA: „Protest und Widerstand gegen neonazistische Bewegungen in Russland“

Diskussion und Konzert mit der Band Moscow Death Brigade aus Russland

Donnerstag, 7. Mai 2015 | 19 Uhr | Spedition

Stellungnahme „Warum wir trotz Kritik ein Konzert mit Moscow Death Brigade veranstalten“ weiter [unten].

Am 7. Mai spielt die russische Band Moscow Death Brigade in der Spedition am Güterbahnhof in Bremen. Vor dem Konzert wird es eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zu neonazistischer Mobilisierung und Formen des Widerstands gegen diese geben. Start der Veranstaltung ist 19 Uhr.
Am 16. November 2009 wird Ivan Khutorskoy im Alter von 26 Jahren im Eingang seiner Wohnung von Neonazis erschossen. Khutorskoy mochte Punk und Skindhead Musik und engagierte sich gegen Neonazis. Für seine Mörder war dies Grund genug ihn zum politischen Feind zu erklären und zu ermorden.
2015, 6 Jahre nach seiner Ermordung, kommt die russische Hardcore-Band Moscow Death Brigade auf Europa-Tournee und sammelt Geld für die Familie des Ermordeten. Am 7. Mai machen Moscow Death Brigade auch Halt in Bremen und werden in der Spedition am Güterbahnhof ein Konzert geben. Vor dem Konzert laden die Veranstalter*innen und die Band zu einer Diskussion ein. Was bedeutet antifaschistisches Engagement in Russland? Wie ist die extreme Rechte in Russland aufgestellt und organisiert? Und wie kann es den Aktiven vor Ort gelingen sich einerseits vor der Gewalt der Neonazis zu schützen und gleichzeitig politischen Widerstand gegen deren Erstarken zu leisten?

Warum wir trotz Kritik ein Konzert mit Moscow Death Brigade veranstalten: eine Stellungnahme der Veranstalter_innen in Bremen

Die Band Moscow Death Brigade (MDB) ist derzeit und im Mai auf Deutschlandtournee. Rund um diese Auftritte wurde auf der deutschsprachigen Diskussionsseite von Indymedia Linksunten ein Artikel veröffentlicht, indem explizite Vorwürfe gegen Moscow Death Brigade und weitere russische Hardcore-Antifa-Bands (namentlich unter anderem What We Feel) erhoben wurden. Zentrale Bestandteile der Kritik waren Sexismus und Verherrlichung von Männlichkeit, Nationalismus, Rassismus und Gewaltverherrlichung.

Die Band Moscow Death Brigade wird am 7. Mai in der Spedition in Bremen spielen. Warum wir uns als Veranstalter_Innen trotz der geübten Kritik dafür entschieden haben, wollen wir im folgenden erklären. Wir beziehen uns dabei sowohl auf den Indymedia-Artikel1 als auch auf die Stellungnahme der Band Moscow Death Brigade2.

Wir haben die Band bereits vor zwei Monaten nach Bremen eingeladen und hielten die Idee, den 70. Jahrestag der Befreiung zusammen mit einer russischen Antifa-Band zu feiern, für großartig. Für den Konzertabend hatten wir die Idee einer Infoveranstaltung über die russische antifaschistische Bewegung. Wir fanden es spannend etwas über die Verhältnisse in Russland zu lernen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede antifaschistischer Politik in Russland und Deutschland zu beleuchten. Selbstverständlich war und ist uns bewusst, dass eine derartigen Veranstaltung nur einen spezifischen und sehr begrenzten Einblick bieten kann und höchsten Anstoß einer Diskussion sein kann.
Persönliche Vorlieben für die Musik von MDB und die Unterstützung der Band, die ihre Einnahmen der Tour an die Familie eines von Neonazis ermordeten Freundes (wie heißt der?) spendet, spielten bei der Entscheidung ebenfalls eine Rolle.

Nachdem nun die Vorwürfe an MDB und anderen Bands über Indymedia laut geworden sind und wir diese unter keinen Umständen ignorieren wollen, wollen wir uns eben über diese mit der Band gemeinsam und öffentlich austauschen. Zum einen um der Band die Möglichkeit zu geben, sich zu den Vorwürfen zu äußern, sich zu erklären und zum anderen um Interessierten die Möglichkeit der direkten Nachfrage zu geben. Dazu werden wir auch zwei Menschen einladen, die durch persönliche Erfahrungen durch Reisen nach Russland und auch Freundschaften in die russische Szene nochmal einen anderen Blickwinkel haben.

Für uns steht es außer Frage, dass Sexismus, Homo- oder Transphobie oder „gesunder Patriotismus“ nicht mit der Idee eines emanzipatorischen Gesellschaftsentwurf vereinbar sind. Auch halten wir es nicht für tragbar, wenn der Gebrauch von diskriminierender Sprache durch Aussagen wie „ wir meinen das ja nicht so“ gerechtfertigt werden. Dennoch hat die Band MDB durch ihre Stellungnahme, in der Diskussion zu den Vorwürfen in der Köpi, und die erneute Bereitschaft an einer Diskussionsveranstaltung teilzunehmen bisher bewiesen, dass sie zugänglich für Kritik ist und Interesse an einer konstrukiven Auseinandersetzung hat. Wir möchten vermeiden, dass Leute ausgeschlossen werden, weil sie dem gewohnten links-akademischen Standard nicht entsprechen. Stattdessen bevorzugen wir die Auseinandersetzung und den Austausch.

Wir laden alle Interessierten und die Autor_Innen des Indymedia Artikels nach Bremen ein, um mit der Band über die Vorwürfe und die russische Antifa-Szene zu sprechen. Wir freuen uns über weitere Anregungen. Kommt am 7. Mai in die Spedition! Diskutiert und feiert mit uns!

  1. https://linksunten.indymedia.org/de/node/135018 (Stand: 15.03.2015) [zurück]
  2. https://linksunten.indymedia.org/de/node/135332 (Stand: 15.03.2015) [zurück]

2 Antworten auf „VA: „Protest und Widerstand gegen neonazistische Bewegungen in Russland““


  1. 1 Павель 23. April 2015 um 17:18 Uhr

    Nähere Infos über das Konzert wären nicht schlecht wie:
    Vorverkauf
    Abendkasse
    Preis
    Konzertbeginn
    Weitere Bands?

    Mfg

  2. 2 M 06. Mai 2015 um 23:53 Uhr

    Alle Infos: http://planlosbremen.de/termine/termin/6448/

    Kein VVK, Eintritt 5-10 EUR
    19 Uhr Film, 20 Uhr Diskussion, 22 Uhr Konzert, keine weiteren Bands

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