„Zwischenrufe, Beleidigungen und Konfetti aus dem Publikum“

kopiert von weser-kurier.de

Tumulte bei Fragerunde mit Vertretern kleiner Parteien Politik-Talk mit Konfetti und Sirenen

Als Kleiner bei den Großen mitspielen: diese Sehnsucht verspüren wohl viele Kinder im Laufe ihres Heranwachsens. Wie schön wäre es, zu den Älteren zu gehören, zu denen, deren Meinung mehr Gewicht hat als die eigene.

Die fünf Politiker, die sich am Donnerstagabend in der Schwankhalle den Fragen von Moderator Axel Brüggemann stellen, sind längst erwachsen – ihre Ausgangslage ähnelt aber der von kleinen Brüdern und Schwestern. 24 Stunden zuvor hatten sich an gleicher Stelle die Spitzenkandidaten von SPD, CDU, Grüne und Linke präsentiert; das Quintett musste draußen bleiben. Für die „Kleinen“, die nach der Bürgerschaftswahl am 10. Mai die Politik in Bremen ebenfalls mitgestalten möchten, heißt es nun, sich untereinander auszustechen.

Der Beginn gerät zur Farce: Eine Gruppe Demonstranten stürmt die Bühne, protestiert mit einem türgroßen Plakat gegen die AfD und ihre „Hetze“. Der Feueralarm heult los, Polizisten begleiten die Störer nach minutenlangem Tumult vor die Tür. Es ist der Auftakt zu einem unterhaltsamen, aber über Strecken gänzlich unpolitischen Abend mit Zwischenrufen, Beleidigungen und Konfetti aus dem Publikum.

Alle fünf, so stellen sie nacheinander klar, wollen im Falle eines Bürgerschaftseinzugs in die Opposition. Die besten Chancen darauf haben nach den neuesten Prognosen wohl Tim Alexander Abitzsch (FDP) und AfD-Spitzenkandidat Christian Schäfer; beide liegen momentan bei etwa fünf Prozent. Mit unterschiedlichen Programmen, wohlgemerkt.

Abitzsch erklärt, die wirtschaftsnahen Liberalen wollten zunächst in Bildung investieren. „Bessere Bildungsangebote locken mehr Familien an“, sagt er. „Dadurch wird wiederum die Wirtschaft gestärkt.“ Einer der wenigen politischen Sätze des Abends.

Schäfer konzentriert sich auf die knappen Kassen: „Rot-Grün weiß nicht, wie man mit Geld umgeht“, sagt er, „wir müssen die Schuldenbremse konsequent durchsetzen.“ Teure Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr gäbe es mit ihm nicht.

Für eine alternative Einnahmequelle steht Robert Bauer von den Piraten ein: Die Partei möchte Marihuana legalisieren und am Verkauf partizipieren. Dass damit kein Haushalt saniert werden kann, sei ihm bewusst. Bauer: „Wir sind da als Opposition in einer angenehmen Lage.“ Sprich: Da brauche es nicht für alles Lösungen.

Die bietet auch Marco Manfredini von der Satirepartei Die Partei nicht. Er fordert den Verkauf Bremerhavens an Russland. „Da kann Putin dann Atomraketen stationieren.“ Immerhin: Es wird gelacht. Martin Korol (Bürger in Wut) will sich von den Spaßmachern abgrenzen. „Wir sind ehrlich“, versichert er. Das beweise der Slogan „Vollzug statt schöner Wohnen“, womit der Umgang mit kriminellen Flüchtlingen gemeint ist. Da lacht dann keiner mehr.

Quelle: Weser Kurier


2 Antworten auf „„Zwischenrufe, Beleidigungen und Konfetti aus dem Publikum““


  1. 1 Wahlveranstaltung mit AfD-Beteiligung gestört 24. April 2015 um 12:58 Uhr

    Wahlveranstaltung mit AfD-Beteiligung gestört

  2. 2 Werdersee-Marder 24. April 2015 um 16:25 Uhr

    So eine Scheißveranstaltung.
    Gut dass ihr die gestört habt!
    Es sind einfach zu viele Termine.

    Genau das ist die Motivation der Abspaltungen nach Rechts:
    Kaputtsparen konsequenter durchsetzen; Polizei- u.a. Gewalt statt schöner Wohnen;
    Die sind unzufrieden mit den Kompromissen, die die mittleren herrschenden Parteien eingehen. Das ist Hetze und das normalisiert diese Veranstaltung und der WK.
    „Gleichberechtigung durch Kandidaturen“

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