„Bremer Rechte machen mobil“

kopier aus dem Weser Kurier

Hooligans planen Aufmarsch in Hamburg

Marcel K. steht im schwarzen Windbreaker vor der Nordtribüne des Weserstadions. Im Hintergrund wehen grün-weiße Fahnen. Auf K.s schwarze Wollmütze ist der Schriftzug „Hooligan“ gedruckt. In dem Video, dass auf der Online-Plattform „Youtube“ hochgeladen wurde, fordern K. und andere Mitglieder der Vereinigung „Gemeinsam sind wir stark“ die Zuschauer auf, sich ihnen anzuschließen. „Wir fragen dich auch nicht, was du gestern getan hast, welcher Partei oder welchem Verein du angehörst“, sagt K. in die Kamera.

Hooligans mobilisieren im Internet und in der Szene derzeit bundesweit für eine geplante Demonstration in Hamburg. Unter dem Slogan „Gemeinsam sind wir stark“, will der gleichnamige Ableger der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) am 12. September dort am „Tag der Patrioten“ durch die Innenstadt marschieren.

Bremer Kopf von „Gemeinsam sind wir stark“ ist Marcel K. Unter dem Pseudonym „Captain Flubber“ ist er schon bei den HoGeSa-Demonstrationen in Hannover und Köln im vergangenen Jahr als Regionalleiter für den Norddeutschen Raum in Erscheinung getreten. Nach einem Streit brach K. mit HoGeSa. Er könne sich mit diesem „Kindergarten“ nicht länger identifizieren und bedauere, was für ein Hooligan-„Haufen“ dabei herausgekommen sei, schrieb K. in einem Facebook-Beitrag.

Verfassungsschutz schaut ganz genau hin

In mehreren sozialen Netzwerken und im Gründungsaufruf der mittlerweile als Verein eingetragenen Gruppe „Gemeinsam Stark Deutschland e.V.“ nennt K. sich selbst nach WESER-KURIER-Informationen Sven Heuke. Unter diesem Namen besetzt er bei dem neuen Hooligan-Verein den Posten des 2. Vorsitzenden.

K. ist beim Verfassungsschutz kein Unbekannter. Über die zu erwartende Personenzahl, mit der er und seine Mitstreiter im September von Bremen nach Hamburg fahren wollen, kann Hans-Joachim von Wachter, Chef des Bremer Verfassungsschutzes, derzeit noch keine genauen Angaben machen. Die Demonstration durch die Hamburger Innenstadt wurde bereits am 12. Mai von mehreren Privatpersonen angemeldet. Das geht aus der Antwort des Hamburger Senats auf die Anfrage der Linken-Abgeordneten Christiane Schneider hervor. Eine zuverlässige Gefahrenprognose zum mutmaßlichen Verlauf der Versammlung liege der Hamburger Polizei noch nicht vor, heißt es in dem Papier.

In Bremen registriert der Verfassungsschutz seit Jahren eine im Bundesvergleich verhältnismäßig große Hooligan-Szene. Von Wachter beziffert ihre Zahl auf rund 100 Personen. Rund ein Drittel davon sei dem rechten Spektrum zuzuordnen. „Deswegen schauen wir dort ganz genau hin“, sagt von Wachter. Der Verfassungsschutz beobachtet allerdings nur das politisch motivierte Drittel. Der 29-jährige Marcel K. engagiert sich seit Jahren in der Bremer Neonaziszene. Unter anderem nahm er bundesweit an diversen Neonazi-Aufmärschen wie am 2. Mai in Erfurt teil. Das belegen Fotos, die dem WESER-KURIER vorliegen.

Bei der rechten Bremer Band „Vollkontakt“ übernahm K. im Jahr 2005 das Schlagzeug. Musik spielt bei den neuen Hooligan-Bewegungen eine wichtige Rolle: Die Bremer Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ (KC) fungiert dabei als wichtiges Bindeglied zwischen Neonazi- und Hooligan-Szene: Bei der HoGeSa-Demonstration in Köln hatte die Band im vergangenen Jahr einen Auftritt, und sie schrieb auch die Hymne der „Hooligans gegen Salafisten“. Bei einem Aufmarsch von „Gemeinsam sind wir stark“ in Ludwigshafen Anfang dieses Jahres wurde dem angereisten KC-Sänger Hannes O. der Zutritt zur Kundgebung von der Polizei untersagt. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend.

Bremer Hooligans sind weiter aktiv

Wie gewaltbereit die Bremer Hooligan-Szene ist, zeigte sich am 31. Spieltag der vergangenen Fußball-Bundesliga-Saison: Im Weserstadion besiegt der SV Werder den Hamburger SV mit 1:0. Im Viertel fliegen die Fäuste. Rechte Hooligans und linke Ultras liefern sich vor der Fan-Kneipe „Verdener Eck“ in Peterswerder eine handfeste Schlägerei. Flaschen fliegen durch die Luft. Videoaufnahmen des Vorfalls zeigen, dass Marcel K. an diesem Tag mit der Hooligan-Gruppe im Viertel unterwegs war.

Das Bremer Fanprojekt beobachtet die jüngsten Entwicklungen mit großer Sorge. „Wir haben den Eindruck, dass die Hooligans durch die HoGeSa-Demonstrationen wieder im Aufwind sind“, sagt Sozialarbeiter Daniel Behm vom Fanprojekt. „Sie schauen, was sie im Stadion und in der Stadt zurückerobern können.“ Das geschehe in Bremen auch mit Unterstützung von Hooligans anderer Fußballklubs wie Rot-Weiß-Essen.

Obwohl sich die rechten Bremer Hooligan-Gruppen „Standarte Bremen“ und „Farge Ultras“ Anfang des Jahres offiziell aufgelöst haben, sind ihre Mitglieder weiter aktiv, sagt Verfassungsschutz-Chef von Wachter: „Die offizielle Auflösung hat keine Bedeutung – es ist alles beim Alten.“ In Bremen gebe es seit Jahren eine Mischszene aus Hooligans und Neonazis – mit hohem Gewaltpotenzial. Es gelte, sich dieser schlagkräftigen Allianz konsequent entgegen zu stellen. Ansonsten sei es nicht auszuschließen, dass beispielsweise auch Flüchtlingsunterkünfte in Bremen zum Angriffsziel der Hooligans und Neonazis werden könnten, warnt von Wachter.

Quelle: Weser Kurier