Utopien schaffen und Kapitalismus abschaffen

Wir alle sind gedanklich und finanziell Unterstützer des Kapitalismus.
Mit gedanklich meine ich, dass wir nur teilweise erkennen können, was für Auswirkungen der Kapitalismus auf unser Verhalten und unsere Vorstellungen hat.
Wir haben Ideen und einige Konzepte, von einer Umsonst-Ökonomie oder eines Grundeinkommens oder von einem Kollektiv Besitz, aber alle Projekte und Alternativen müssen sich innerhalb des Kapitalismus bewegen, seiner Rechte und seiner Gewalt. Keine Alternative scheint momentan ausgereift genug, im Falle des Zusammenbruchs der Staatlichen und Kapitalistischen Ordnung, ein friedliches heterogenes zusammenleben zu ermöglichen. Das liegt auch daran, dass einige Kapitalismuskritiker ihre eigenen Ideale und Utopien für unrealistische Träume halten, oder für eine Form des Zusammenlebens, die als Voraussetzung den „besseren Mensch“ benötigt. Die konsequente Überprüfung von Theorien an der Praxis und ihre Alltagstauglichkeit ist eine Sache, dem Kapitalismus nicht die Lösung, sondern eine Teillösung für ein bestimmtes Problem entgegenzusetzen.
Die andere Schwierigkeit ist, dass wir oft immer noch durch unsere Geldströme den Kapitalismus unterstützen.
Uns steht eine bestimmte Summe Geld zur Verfügung, die wir willkürlich ausgeben können. So die Theorie, aber unsere Grundbedürfnisse kosten Geld und am Ende des Monats sind alle unsere finanziellen Mittel wieder in die Deutsche Marktwirtschaft zurück geflossen. Der größte Anteil geht für Miete und Essen drauf, aber auch Beträge für Telefon, Krankenkasse, Nebenkosten und Beförderung u.a. verschlingen Geld.
Eigentlich habe ich kein Gewinn von meinem Bafög, ich kann mich damit am Leben erhalten und Wohnen, Essen und mich Kleiden, aber langfristig gesehen sind nur meine Grundbedürfnisse erfüllt, ein Mehrwert ist nicht gegeben. Die Wohnung gehört nach 10 Jahren Miete zahlen immer noch zu 100% der GEWOBA, das Essen ist in Energie umgewandelt und die Kleider abgetragen. Ich habe also von dem monatlichen Geldbetrag nur Grundbedürfnisse erfüllt, die auch ohne Geld erfüllbar sind. Davon profitieren und ein Mehrwert erhalten aber die Firmen, denen ich mein Geld überweise, die GEWOBA Aktiengesellschaft (Wohnen), die KABEL DEUTSCHLAND Aktiengesellschaft (Internet und Telefon), die Supermärkte (LIDL, ALDI, REWE…) usw.
Die Idee ist einfach, die Geldströme dürfen unsere Szene nicht (wenig) verlassen, dann schlagen wir den Kapitalismus mit seinen eigenen Waffen, indem wir permanent ein Großteil des Kapitals der Deutschen Marktwirtschaft entziehen.
Also könnte ein Kollektiv zum Beispiel Häuser befreien, die Miete der Bewohner (vom Bafög oder Sozialamt etc. ) tilgt den Kredit und hält das Haus in stand, zumindest was nicht selbst gemacht werden kann. Um keine Nebenkosten zu zahlen bzw. diese zu verringern, übernimmt oder kauft sich ein Kollektiv Sonnenkollektoren, Windräder, Regenwasserspülung, Kompostheizung etc. und spart wo es möglich ist. Natürlich fließt das Geld für den Hauskauf zurück in den Kapitalismus, aber ein Mehrwert ist gewonnen. Die Miete erlaubt dem Mieter sein Grundbedürfnisse zu erfüllen und vermehrt das Eigentum des Kollektivs. Eigentum ist
ein schlechter Begriff für das was ich meine, befreiter Besitz oder kollektivierter Raum trifft es vielleicht besser.
Wenn wir Produktionsmittel für Nahrung besitzen, können wir eine Umsonst Ökonomie aufbauen. Das kann mit einem Schrebergarten der Obst, Gemüse und Beeren produziert anfangen. Wichtig ist das jeder einzelne sich befreit (auch von Vorurteilen) und Besitz befreit und kollektiviert wird. Es kann sich von unnötigen Aufgaben befreit werden (mehr Zeit) und von Arbeit. Z.B. :Wir haben einen Garten mit vielen reifem Obst und Beeren, aber keine Zeit diese zu ernten und verarbeiten, möchte jemand diese Ernten und zu Marmelade oder Kuchen machen? Wichtig ist nicht nur dem Kapitalismus seine Macht zu entziehen und diese dann zu dezentralisieren, sondern gleichzeitig auch noch unsere Zusammenhänge zu festigen und unsere Stärken auszubauen: Solidarität, unsere eigene Freiheit und ein Verständnis für die Freiheit des anderen, Kreative Ideen und Verantwortung, Ideen und Selbstbestimmung. Den Häusern denen, die drin wohnen!
Also entweder ein Haus besetzen, was ein ständigen Konflikt mit der Polizei, dem Besitzer und der Gesellschaft bedeutet, oder Häuser als Kollektiv mit unseren finanziellen Mitteln abkaufen um als nächsten schritt Nebenkosten zu verringern durch Sonnenkollektoren, Regenwasserspülung und Kompostheizung…später Grundsteuer zu verweigern und beim Ausziehen diesen Besitz an den nächsten Besitzer (als Teil des Hauskollektivs) zu übergeben. Ein befreites Haus muss öffentlich bekannt sein und darf niemals wieder zurück in die Kapitalistische Verwertungslogik. Das Wissen um ein befreites Haus macht es unmöglich, dass z.B. spätere Besitzer/Bewohner es verkaufen können, weil sonst eine aktive Szene dagegen vorgeht. Befreit meint hier nicht etwa Umsonst, sondern in Kollektiv Besitz, dass sich darum kümmert. Besetzte Häuser müssen immer ein verantwortliches Kollektiv haben, dass sich darum kümmert. Jeder Euro der lange innerhalb unserer Strukturen bleibt, schwächt den Kapitalismus.


2 Antworten auf „Utopien schaffen und Kapitalismus abschaffen“


  1. 1 Frage 23. Juli 2015 um 11:02 Uhr

    Wieso entfällt die jährliche Grundsteuer, wenn man das Haus jedes Jahr wieder verkauftß

  2. 2 Daniel 24. Juli 2015 um 9:38 Uhr

    Die Idee ist teilweise vom Mietersyndikat umgesetzt. Check dazu http://www.syndikat.org/de/ Allerdings sind das langfristige Mieter. In Bremen gibt es dazu auch ein paar Initiativen und z.B. die G18, die teil vom Mietsyndikat ist.

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