VA: „Zwischen Nutzung, Vereinnahmung und Unversöhnlichkeit“

Von Zustandsbetrachtungen zu neuen Wegen ?! – Diskussion mit Armin Kuhn

Freitag, 11. Dezember 2015 | 20 Uhr | Infoladen
und
Freitag, 18. Dezember 2015 | 20 Uhr | Infoladen

Heute wird Hausbesetzung und Stadtentwicklung in den seltensten Fällen in einem Atemzug diskutiert. Die verschiedenen Initiativen berücksichtigen oft beides, die Räumung besetzter Häuser durch bewaffnete Staatsdiener allerdings können sie nicht verhindern oder verlassen diese für Verhandlungsangebote freiwillig und die Stadterneuerung entzieht sich immer erfolgreicher einem (politischen) Konflikt. Prozesse der Stadtentwicklung wirken im ersten Moment als ließen sie sich für die eigenen Ziele ausnutzen. Bürgerbeteiligungs-, Wettbewerbs-, oder Mediationsverfahrenen isolieren die kritischen Akteure oder spannen sie sogar für die Ziele ein gegen die sie ursprünglich aufbegehrt haben.

In seinem Buch über Besetzungsbewegungen und Stadtentwicklung konnte Armin Kuhn zeigen, dass nicht nur lokalstaatliche Strategien, sondern auch Häuserkämpfe Einfluss auf die soziale Realität im städtischen Raum hatten. Mit sich verändernden Formen des Regierens, seit den achtziger Jahren, schafften es die Berliner Besetzer_innen im Zusammenspiel mit anderen sozialen Protestbewegungen, Teile ihrer Anliegen durchzusetzen. Dazu gehörten direkte Alternativen zu Wohnungsnot trotz Leerstand, zu toter Schlaftstadt und zu Appellen an die Regierenden. Dies zeigte sich beispielsweise in Instandbesetzungen, lebenspraktischen Kollektiven in lebendigeren Vierteln und eigenständigem Handeln. Unter veränderten Bedingungen, dem durchgesetzten Neoliberalismus in der staatlichen Politik in der Stadt müsse sich der Erfolg von Hausbesetzung anders messen, so Armin Kuhn.

In den Veranstaltungen wollen wir die stadtpolitischen Kämpfe in Bremen auf ihre Wirksamkeit, im Sinne einer befreienden Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, überprüfen. Um dann zusammen zu überlegen, wie und mit welchen Mitteln erfolgreicher eine Gesellschaftsveränderung auch im urbanen Raum zu erkämpfen wäre, in der die Menschen in lebenspraktischen Kollektiven ihr Leben frei von Herrschaft selbst organisieren.

Dazu haben wir einige Gruppen und Projekte eingeladen u.a. Sportamt, Ak Kritische Geographie, Interventionstische Linke, …

Einige interessante Punkte könnten hier sein: Bürgerbeteiligung, Eigentumslogik und Investorenlogik vermeiden, den Leerstands-Skandal in einen Vorteil verwandeln, Bewegungsfreiheit für alle Menschen, Selbstbestimmung und gerechtere Verteilung ermöglichen, staatliche Kontroll- und Ordnungsmechanismen boykottieren, subversive Formen kollektiven Wohnens und auch Arbeitens finden, Kunst und Party entgegengesetzt zu Kommerz und Eventmanagment entfalten, größere Teile der Gesellschaft für eine subversive Gratiskultur und ein Stadtleben jenseits der Konsum-Illusion anzusprechen, zielgerichtetes Vorgehen welches zugleich eigenständige Spielräume für alle eröffnet, …

Armin Kuhn ist zugleich Aktivist im europäischen Squatter-Netzwerk und Politikwissenschaftler. Buch: Vom Häuserkampf zur neoliberalen Stadt. Besetzungsbewegungen und Stadterneuerung in Berlin und Barcelona (Münster: Westfälisches Dampfboot 2014)