Rezension: „Ne znam – Zeitschrift für Anarchismusforschung“

Bereits im Frühjahr diesen Jahres erblickte eine neue Zeitschrift das Licht des anarchistischen Büchermarktes. „Ne znam“ – das ist kroatisch und steht für „Ich weiß es nicht“, so der Titel der „Zeitschrift für Anarchismusforschung“. Wissenschaft und Anarchismus sind oft zwei unterschiedliche paar Schuhe. Zu zeigen, dass dies aber nicht zwangsläufig so sein muss, gelingt der von Philippe Kellermann herausgegebenen Publikation auf eindrucksvolle Art und Weise. Lobende Erwähnungen in der libertären Netzwelt[1], die Auszeichnung zum „Buch des Jahres 2015“ der Berliner „Bibliothek der Freien“[2] und ähnliche Vorschusslorbeeren weckten die Neugier in mir, welche mich letztendlich dazu bewegte auch gleich noch die kürzlich erschienene Herbstausgabe einzuholen.

Eine Besprechung der beiden Hefte zu schreiben und diese auf Indymedia zu verbreiten verfolgt vor allem den Zweck die kritisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Anarchistischer Theorie und die Meinungsbildung in der „Szene“ (abseits der Hörsäle) zu befördern und ist der Tatsache geschuldet, dass mir die beiden Bände ausgesprochen gut gefallen. Zudem kann eine Plattform wie Indymedia neben all den unterhaltsamen Randalevideos und Protestaufrufen auch andere Akzente vertragen – wie zum Beispiel die Rezension klassischer Holzmedien[3].

Wie für wissenschaftliche Literatur üblich, ist das Erscheinungsbild schlicht und betont übersichtlich gehalten. Einige mögen dies als unleserliche Bleiwüste verteufeln, andere empfinden diese hingegen als bewußt zweckmäßig. Auf bunte Bildchen und Gewaltdarstellungen aller Art wird hier anscheinend bewußt verzichtet. Gut so!

Lediglich Comiczeichner Findus durfte die Tristesse mit ein paar stimmigen Cover-Zeichnungen und den gelungenen Portraits bereits verblichener Anarchisten wie Élisée Reclus, Paul Brousse oder Luigi Galleani aufhellen. Ein oder zwei illustrierende Fotos hätten der Seriösität hier sicherlich keinen Abbruch getan, aber letztendlich ist der Text das entscheidende Kriterium, von daher gibt es an dieser Stelle keinen Punktabzug. Die Rückseite scheint allerdings dazu verdammt zu sein, auf ewig das gleiche Volin-Zitat zu führen:
„Möge der Leser nie Anarchist werden: Es ist nicht obligatorisch, Anarchist zu sein. Doch den Anarchismus kennen, das muss man.“ Volin (~ 1939)[4]

Dieses Spannungsverhältnis von Wissen und Nichtwissen (Ne Znam) über den Anarchismus bildet nicht nur eine symbolische Klammer (von Titel bis zur Rückseite), sondern auch eine inhaltliche. Die Autoren unterwerfen die Zeitschrift einer bewährten Dreiteilung. Ein erster Teil wird durch Aufsätze noch lebender Verfasser gefüllt. Hierbei halten sich rein historische Betrachtungen und Artikel mit aktuellem Bezug in etwa die Wage. Sie sind in der Regel aus der Perspektive der Wissenschaft auf den Anarchismus geschrieben. Darauf folgt die Rubrik „Historische Dokumente“, welche Textquellen aus anarchistischer Sichtweise präsentieren. Abgeschloßen werden die Hefte durch einen dritten Teil mit deutlich kürzeren Rezensionen aktueller Veröffentlichungen zur Anarchismusforschung.

Kontroversen & Debatten im ersten Band

Die Nummer 1 wird mit einem Brief des französischen Geographen und Pariser Kommunarden Élisée Reclus (1830 – 1905) an die Redaktion der spanischen Zeitschrift „La Huelga General“ eröffnet. Der Text fällt gewissermaßen aus dem Rahmen, da er – als historisches Dokument aus dem Jahr 1901 – nicht in die oben skizzierte Dreiteilung passt und viel mehr der Debüt-Ausgabe von „Ne znam“ als eine Art Prolog vorangestellt ist. Reclus, zu der Zeit bereits hochbetagt, schrieb den Brief anlässlich der Eröffnung eines anarchistischen Kongresses, gewissermaßen als Motivationsrede an die Bewegungsjugend. Demzufolge beschäftigt er sich mit Moral & Tugend des idealisierten anarchistischen Aktivisten. Gleicherzeitig finden sich in dem Schreiben jedoch auch Aussagen über das Verhältnis des Anarchismus zur Wissenschaft. Letztere sind wesentlich interessanter, als die Ausführungen über Tatkraft und Zuversicht, da sie wohl als sinnstiftend für die Zeitschrift verstanden werden sollen. So heißt es bei Reclus:
„Der bewusste Revolutionär ist nicht nur ein Gefühlsmensch, er ist auch ein Vernunftsmensch, dessen ganzes Streben nach mehr Gerechtigkeit, Solidarität sich auf exakte und umfassende Kenntnisse der Geschichte, Soziologie und Biologie stützt. Er kann sozusagen seine persönlichen Ideen in das größere Ganze der Humanwissenschaften eingliedern und sich, bestärkt durch die immense Kraft, die er aus diesem Wissen schöpft, dem Kampf stellen.“[5]
oder auch:
„[…] flieht die Idole, sucht selbst in dem, was der beste Freund, der weiseste Lehrer euch sagen, allein die Wahrheit. Und sollten euch noch Zweifel bleiben, wenn ihr sie vernommen habt, ergründet euer Bewusstsein, prüft den Sachverhalt erneut, bevor ihr ein abschließendes Urteil fällt.“[6]

Mit diesem Ziel setzen die Autoren die Messlatte an das eigene Projekt sehr hoch. Ich hoffe dass sie ihren Ansprüchen gerecht werden können. In der Rubrik „Aufsätze“ enthält die erste Ausgabe immerhin fünf Texte und ein Streitgespräch. Der zweite Band, etwas kürzer ausgefallen, enthält hier noch vier Artikel.

In dem Gespräch, welches als Interview zwischen dem Herausgeber Kellermann und den beiden Buchautoren Oskar Lubin und Gabriel Kuhn gehalten wurde, streiten die Protagonisten über den gegenwärtigen Zustand der anarchistischen Theorie und Praxis. Lubin vertritt die Ansicht, das zentrale theoretische Forschungserkenntnisse der letzten Jahre von der anarchistischen Bewegung gewissermaßen verschlafen wurden. Dabei konzentriert er sich auf „nicht repressive Techniken zur Herrschaftssicherung“ einerseits und die Frage nach kulturellen Differenzen und Diskriminierungsformen andererseits. Sein Gegenpart Kuhn widerspricht ihm da. Einig werden sich beide allerdings im Bezug auf den amerikanischen Anarchisten David Graeber, dessen Anarchismusbegriff zu vage sei, um konkrete Aussagen zu treffen.

Mir gefällt, dass die strenge Form der Zeitschrift durch ein Interview aufgelockert wird. Besonders positiv fällt hierbei die selbstkritische Feststellung Kuhns auf, dass sich hier „drei weiße Männer“[7] über den Anarchismus austauschen, ganz im Kontrast zum universalen Anspruch des Forschungsobjektes. Dieses krasse Missverhältnis setzt sich in der gesamten Zeitschrift fort. Es schreiben ausschließlich männliche Autoren. Das muss meiner Meinung nach nicht zwangsläufig zu einem Problem werden, sollte auf jeden Fall aber eine verstärkte Sensibilisierung für solche Ungleichgewichte seitens der Redaktion zur Folge haben.

Im nächsten Aufsatz schreibt Peter Bescherer über den „Anarcho-Populismus gestern und heute“. Für mich besonders lehrreich sind hier die Ausführungen zu den Begriffen „Proletariat“ und „Lumpenproletariat“ sowie deren Trennlinien. Die anschließende Suche nach möglichen Ansätzen zur Nutzbarmachung des Populismusbegriff für eine anarchistische Stratagie ist hingegen weniger nach meinem Geschmack.

Darauf folgt Jens Kastner mit einer Auseindersetzung über die Vorlesungen des Soziologen Pierre Bourdieu, welche 2014 im Suhrkamp-Verlag erschienen sind. Obwohl Bourdieu streng genommen nicht zum Anarchismus zählt, untersucht Kastner dessen Analyse des Staates mit dem Leitgedanken, dass es für eine leistungsfähige Herrschaftskritik auch eines entsprechenden Staatsbegriffs bedarf:
„Nun ist der Staat ohne Zweifel eines der Hauptgegenstandsbereiche des Anarchismus, sowohl als politisches Angriffsziel, als auch analytisch, wenn man so will als Forschungsobjekt – schliesslich sollte man ein wenig kennen, was man attackieren will.“[8]

Bis hier hin bewegten sich die Beiträge – insbesonders historisch – zweifellos in spannenden Gewässern, jedoch fehlte es bisher an einer eindeutigen Kontroverse. Der darauffolgende Beitrag von Gerhard Hanloser behebt diesen Makel postwendend. In einer Mischung aus Gegenrede und Rezension liefert Hanloser hier einen Verriss über die beiden Sammelbände „Antisemit, das geht nicht unter Menschen“ ((Jürgen Mümken/Siegbert Wolf (Hg.), „Antisemitismus, das geht nicht unter Menschen“. Anarchistische Positionen zur Antisemitismus, Zionismus und Israel. Band I, Von Proudhon bis zur Staatsgründung, 295 Seiten; Band II, Von der Staatsgründung bis heute, 268 Seiten, jeweils 18 €.)) welche von Jürgen Mümken und Siegbert Wolf vorletztes Jahr im Verlag Edition AV[9] herausgegeben wurden und eine ebenso umfangreiche wie umfassende Auseinandersetzung zum Verhältnis von Anarchismus & Antisemitismus darstellen.

Da Antisemitismus immer ein dankbares Thema für handfeste Streitigkeiten ist versuche ich diesen Teil möglichst kurz abzuhandeln. Hanloser beschwert sich, dass Mümken und Wolf beispielsweise seine eigenen Arbeiten zum Antisemitismus von Proudhon nicht zur Kenntnis genommen hätten und gleichzeitig die Geschichte des Anarchismus im Sinne der eigenen Vorlieben fehlinterpretiert hätten. Weiterhin würden Verweise auf den Anarchisten und Antisemiten Wilhelm Marr (1819 – 1904) und die Behandlung anarchistischer Kritik an der Kibbuz-Bewegung fehlen. An einer Stelle wirft Hanloser den Autoren mehr oder weniger direkt antideutsche Argumentation vor, in dem sie Antisemitismus und Antizionismus in ideologischer Absicht zusammengeführt hätten.

Für meinen Geschmack bietet die Zeitschrift „Ne znam“ an dieser Stelle nicht den geeigneten Rahmen um diesen Punkt ausreichend zu bearbeiten. Hanlosers Kritik bedarf zusätzlicher Erläuterungen um nicht missverständlich zu wirken. Da oftmals ein enger Zusammenhang zwischen antisemitischer und antizionistischer Argumentation besteht und viele moderne Antisemitismusdefinitionen den Antizionismus explizit miteinschließen, kann ich in den von Hanloser kritisierten Textstellen keinen Skandal erkennen. Insgesamt hätte der Beitrag auch eher in den hinteren Teil des Bandes zu den anderen Rezensionen gehört.

Der vorletzte Aufsatz beschäftigt sich mit der Geschichte des anarchistischen Liedgut am Beispiel von „Le Drapeau Rouge“ – der roten Fahne. Florian Eitel untersucht hier die Metamorphose des Liedes. Ein durchweg geschichtswissenschaftlicher und sehr angenehm zu lesender Beitrag. Nach der anstrengenden und zuweilen polemischen Lektüre des vorherigen Artikels ist er das notwendige Kontrastprogramm an der richtigen Stelle. Abschließend beschäftigt sich John Clark mit dem Leben des bereits erwähnten Élisée Reclus.

In der Kategorie „Historische Dokumente“ bietet der erste Band einen längeren Brief des österreichischen Anarchisten Pierre Ramus (1882 – 1942). Dieser „Brief über den Sozialistischen Bund“ von 1910/1911 stellt als offener Brief eine Abrechnung von Ramus mit den Standpunkten von Gustav Landauer dar und markiert einen Höhepunkt in der Kontroverse zwischen den beiden Theoretikern. Besonders hervorgehoben gehört an dieser Stelle die klare Kritik am Genossenschaftswesen und seinen Grenzen innerhalb des Kapitalismus, die Ramus hier formuliert. Erfreulich ist auch, dass der Quelle eine zusätzliche Einleitung verpasst wurde, die vor allem für Einsteiger_innen eine hilfreiche Kontextualisierung des historischen Hintergrundes bietet.

Den Abschluß bildet ein Teil mit Kurzrezensionen (jeweils ca. 2 – 5 Seiten) halbwegs aktueller Neuerscheinungen. Wer eine stets prallgefüllte Readlist hat und – so wie ich – nie weiss welches der tausend neuen Bücher er_sie zu erst lesen soll, kann mithilfe dieser Rezensionen durchaus die eine oder andere Neuanschaffung überdenken.

Transnationaler Anarchismus – Band 2

Das zweite Heft, welches überraschend pünktlich, bereits im November in meinem Briefkasten landete, startet mit einem Aufsatz über transnationalen Anarchismus am Beispiel spanischer Aktivisten, die während des späten 19. und frühen 20. Jahrhundert den Atlantik in beide Richtungen zwischen Spanien und Argentinien überquerten. James A. Baer zeichnet typische Lebenswege dieser Migrant_innen nach und skizziert die daraus resultierende gegenseitige Beeinflußung der Bewegungen in den beiden Ländern.

Von Francisco Javier Navarro Navarro stammt der zweite und mit Abstand längste Artikel in dieser Ausgabe. Auf knappen 40 Seiten beschäftigt sich der Autor mit dem Verhältnis von Moral & Aktivismus in der anarchistischen Bewegung Spaniens des vergangenen Jahrhunderts. Akribisch werden verschiedene Idealtypen des Aktivisten aus der zeitgenössischen Vorstellungswelt herausgearbeitet und deren Ursprünge beleuchtet. Dieser Beitrag öffnet dem_der Leser_in definitiv die Augen darüber, wie wandlungsfähig Moralvorstellungen über die Jahrzehnte, selbst in so relativ kleinen Bewegungen wie dem Anarchismus, sein können. Wer würde einen „typischen“ Anarchisten heute noch mit Pünktlichkeit, Monogamie & Enthaltsamkeit in Verbindung bringen? Mein persönlicher Höhepunkt der ironische Implikationen der strengen spanischen Anarchistenmoral:
„Gut zumindest hat Bakunins Anarchismus mit unserem wenig zu tun.‘ Ja genau, dieser russische Fürst, Bonvivant und gerissene Fuchs konnte sich sicher sein, von der anarchistischen Gewerkschaft in Lliria nicht als Mitglied aufgenommen zu werden …“[10]

Der dritte Beitrag: „Im freien Bunde zusammen“ geht wiederum in eine gänzlich andere Richtung. Johann Thun beschäftigt sich in ihm mit der Staatskritik & Prosa des Dichters Friedrich Hölderlin. Dieser kann – was mir bis dahin unbekannt war – anscheinend zu den Vorläufern des Anarchismus gezählt werden und wurde von Rudolf Rocker, Gustav Landauer und anderen Anarchisten eifrig rezipiert.

Zum Abschluß gibt es einen Bericht von Peter Seyferth über den Workshop „Anarchismus und Techné, welcher am 12. Juni 2015 an der TU Berlin stattfand. Seyferth war selbst einer der Referenten, dennoch kann ihm kein Vorwurf gemacht werden, dass er sich selbst rezensieren muss. Alternativ hätte es sonst wohl gar keinen Beitrag dazu gegeben. Allerdings beschreibt dieser Umstand eventuell auch das Problem der Exklusivität der deutschen Hochschulen?

Ich muss zugeben, an diesem Text interessieren mich die weniger die Schilderungen des Konferenzablaufs, als viel mehr die Schlussfolgerungen Seyferths über das Verhältnis von Anarchismusforschung und Wissenschaftsbetrieb. Zum Beispiel an der Frage nach der Offenheit von Informationen & Forschungsergebnissen:
„Aber das gilt ja generell für die Anarchismusforschung: wer hat Zugriff auf die Ergebnisse, und wem gereichen sie zum Vorteil? Wie Bookchins[11] Hierarchiekonzept könnte auch die Anarchismusforschung als anarchistische Forschung gemeint sein und dann doch vom Staat rekuperiert werden und in eine regierungsorientierte und für Repressionszwecke verwendete Informationsbeschaffung über den Anarchismus werden. Dagegen kann man sich kaum mit klandestinen Forschungsbezugsgruppen wehren, da diese aus Geheimhaltungsgründen gerade die so fruchtbare wissenschaftliche Kommunikation verweigern müssten.“[12]

Der darauffolgenden Konklusion das sich die Anarchismuswissenschaft durchaus der Universitäten & ihrer Ressourcen bedienen sollte, auch wenn der Preis eine Anpassung sei, kann ich hingegen nicht vorbehaltlos zustimmen. Hier besteht die Gefahr Hierarchien und das immanente Konkurrenzdenken der universitären Wissenschaft auch in der eigenen „anarchistischen Wissenschaft“ zu reproduzieren. Daher müssen Wege gefunden werden, die es einerseits Akademiker_innen aber andererseits auch Menschen ohne Titel und Zugang zum Hochschulbetrieb gleichberechtigt ermöglichen, an der selben Wissenschaft mitzuwirken.

Das historische Dokument dieser Ausgabe passt wiederum unter das Schlagwort der anarchistischen Transnationalität. Es handelt sich um einen Zeitungartikel des amerikanisch-italienischen Publizisten Luigi Galleani. Er schrieb ihn 1916 als wortgewaltige Anklage gegen ersten Weltkrieg aber auch als Gegenrede an die Anarchisten (unter ihnen auch Peter Kropotkin), welche für eine Solidarisierung der anarchistischen Bewegung auf Seiten der Entente eintraten. Angesichts des 100-jährigen Jahrestages des Weltkrieges ein passender Moment um diesen Artikel zu veröffentlichen, da sich im Zuge ähnlicher Jahrestage (z.B. Zimmerwalder Konferenz) gerade ein gesteigertes Interesse an den zeitgenössischen Debatten ablesen lässt. In den Rezensionen trifft der_die Leser_in schliesslich (unter anderen) erneut auf Gerhard Hanloser, der sich diesmal an „An unsere Freunde“ vom Unsichtbaren Komitee abarbeitet. Hier wäre mir seine Schärfe aus dem ersten Band lieb gewesen.

Was nach dem Lesen bleibt

„Ne znam“ erfüllt die im Vorraus geweckten Erwartungen an eine Zeitschrift dieser Art auf beeindruckende Weise. Gefesselt habe ich selbst in der S-Bahn oder auf dem Weg zur Arbeit jedes kurze Zeitfenster genutzt um weiterzulesen. Trotz der sparsamen Gestaltung kam ich relativ unproblematisch durch den Text. Erfreulicherweise bieter der Verlag zudem ein Abo an, auch wenn der stolze Preis von 12 Euro pro Ausgabe dadurch nicht ermäßigt wird. Die Qualität der Texte macht diesen Malus aber locker wett.

Abschließend bleibt mir nur zu hoffen, dass die Autoren weiter fleißige Artikelschreiber_innen (!) finden werden und dem Projekt eine lange Zukunft bevorsteht. Die Anschaffung kann ich nur empfehlen.

Ne znam – Zeitschrift für Anarchismusforschung, Nummer 1, Verlag Edition AV (März 2015). 155 Seiten – ISBN 978-3-86841-136-2
Ne znam – Zeitschrift für Anarchismusforschung, Nummer 2, Verlag Edition AV (Oktober 2015). 146 Seiten – ISBN 978-3-86841-153-9

Fußnoten:
[1] siehe La Flora Negra
[2] vgl. Website www.bibliothekderfreien.de
[3] Das Heft wird anscheinend ausschliesslich als Printversion herausgegeben. Birgit Rydlewski hat das bereits auf „La Flora Negra“ kritisiert. Mir kommt das in meiner Bibliophilie zwar sehr entgegen, ich sehe aber auch ein Problem in mangelnder Barrierefreiheit, wenn keine digitale Alternative verfügbar ist.
[4] Volin, auch Voline oder Wolin war ein russischer Anarchist (1882 – 1945)
[5] Vgl. Ne znam, Nummer 1, S. 3
[6] Vgl. Ne znam, Nummer 1, S. 4
[7] Vgl. Ne znam, Nummer 1, S. 11
[8] Vgl. Ne znam, Nummer 1, S. 39
[9] siehe: www.edition-av.de
[10] Vgl. Ne znam, Nummer 2, S. 38
[11] gemeint ist Murry Bookchin (1921 – 2006)
[12] Vgl. Ne znam, Nummer 2, S. 79