„Marktkonfrome und kultursensible Demokratie“

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Cordula Weißköppel Wie die Bremer Kulturwissenschaftlerin das blutige ägyptische Putschregime ganz kultursensibel demokratisiert.

Wenn mensch „Uni für Alle“ hörte, dachte man noch vor einigen Jahren an ein kritisches Lehrprogramm jenseits der offiziellen Curriculare.

Doch was unter dem Oberbegriff „Uni für Alle“ in Bremen am 6.1. geboten wird, hat wohl wenigen mit kritischen Lehrinhalten zu tun. „Ringen um Demokratie in der Transformation am Beispiel Ägypten und Tunesien“ heißt der gestelzte Begriff für die Veranstaltung der Ethnologin und Kulturwissenschaftlerin Cordula Weißköppel. Nun sollte mensch nicht immer vom Titel auf den Inhalt schließen. Doch was Cordula Weißköppel im Interview mit der Taz-Bremen über die Veranstaltung preisgab, lässt befürchten, dass in diesem Fall die Überschrift mit dem Inhalt übereinstimmt.

„Frau Weiköppel, sind Tunesien und Ägypten schon Demokratien?“ lautet die erste Frage und die Kulturwissenschaftlerin antwortet: Das ist differenziert zu betrachten. Von der politischen Staatsform haben die Staaten den Anspruch, eine Demokratie zu sein. Auch andere Kriterien sind erfüllt wie ein Mehrparteiensystem oder eine demokratische Verfassung. Allerdings zeigen sich in Ägypten erneut autokratische Tendenzen durch den Präsidenten As-Sisi.“

Vielleicht erinnern sich noch jemand. As-Sisi ist der Putschist, der eine bürgerlich-demokratische Regierung gewählte Regierung der Moslembrüder wegputschte, friedliche Proteste dagegen niederschießen ließ. Dabei gab es Tote in vierstelliger Höhe. Seitdem ist die größte Regierungspartei der Moslembrüder verboten, ein großes Teil ihrer Mitglieder sind im Untergrund oder ihm Gefängnis. Viele Führungspersonen wurden zum Tode verurteilt. Es gab Schnellgerichtsprozesse mit Todesurteilen. Auch Fußballfans, Gewerkschafter_innen und Journalist_innen sind ständig vom Terror bedroht und landen schnell im Gefängnis. Der Fall der kriminalisierten Reporter_innen in Ägypten hat mittlerweile Journalist_innenorganisationen in aller Welt alarmiert. Ebenfalls vom Terror bedroht ist auch die säkulare Opposition in Ägypten, die als Protagonist_innen des arabischen Frühlings am Tahirplatz einige Monate in unseren Medien gerne vorgezeigt und interviewt worden sind.

Kultursensibler Demokratisierungsprozess

Von alldem finden wir in dem Interview von Cordula Weißköppel kein Wort. Dafür finden sich hier die verräterischen Sätze: „Die säkularen Vorstellungen eines westlichen Staates sind in den arabischen Gesellschaften nicht angebracht. …. Ein kultursensibler Demokratisierungsprozess muss das berücksichtigen“. Gehört es also auch zur kultursensiblen Vorlesungen, dass ein blutiger Putschist zum etwas autoritären Demokraten umgemodelt wird. Die Dozentin hat viel Verständnis für die Anhänger_innen des Putschisten. „Für uns in Europa ist es schwer vorzustellen, über Jahre in einem politischen Umbruch, also mit strukturellen Unsicherheiten zu leben. Als ich 2014 in Ägypten war, sehnten sich die Menschen wieder nach einer starken Hand As-Sisi. Sie haben ein Interesse an einem demokratischen Ordnungsprozess“. Also was will uns die kultursensible Dozentin da erzählen? Die Anhänger_innen eines Putschisten, die darauf drängten, eine demokratisch gewählte Regierung, die den ehemaligen Mubarak-Anhänger_innen nicht passte, kann um den Preis von einigen Tausend Toten und einigen Hundert Todesurteilen beseitigt werden. Wenn dann in Angesicht des Terrors eine neue Demokratiefassade aufgebaut wird, dann ist das schon ein demokratischer Ordnungsprozess.

Denn jetzt wieder Cordula Weißköppel. „Die Masse der Gesellschaft unterstützt das Militär. Es steht für Ordnung und Stabilität. Ohne das Militär wäre die Revolution nicht friedlich verlaufen, dafür ist die Bevölkerung darüber. In Ägypten ist es stark in die Mittelschicht verankert und ein wichtiger ökonomischer Akteur.“ Da hat die kultursensible Dozentin wahr gesprochen. Es war der Mittelstand und die Schicht der Neureichen aus der Mubarak-Ära, die den Umbruch von Anfang hassten und die ihre Ruhe und Stabilität verteidigten auch mit vielen Toten. DAs ist dann ein friedlicher Prozess des Militärs, der bereits in der Phase der Massenproteste vor dem Sturz von Mubarak für die Folter von Demonstrierenden verantwortlich war. Veile Frauen wurden zudem noch vergewaltigt und sexuelll gedemütigt.
Für Cordula Weißköppel ist der faschistoide Mittelstand die Masse der Gesellschaft. Dass die Masse der Gesellschaft mehrheitlich die Moslembrüder wählten, zählt für die Kultursensible genau so wenig wie für die ägyptische Mittelschicht. Die Angehörigen der Toten und Verfolgten des As-Sisi-Regime werden so schon ganz kultursensibel aus der ägyptischen Gesellschaft aussortiert. Dass die Wahlen, die die Putschregierung abhalten ließ, von der großen Mehrheit der Bevölkerung boykottiert wurde, spielt bei der Professorin auch keine Rolle. Dass aber eine Veranstaltung unter diesen Prämissen “Ringen um Demokratie“ genannt wird, lässt tiefblicken. Denn Demokratie heißt hier, alles muss marktkonform dem Mittelstand und den ausländischen Handelspartnern nutzen. Diese Kriterien aber erfüllt die gegenwärtige Putschregierung in Ägypten wirklich sehr exakt. Deswegen stört den Terror weder die Handelsparnter_innen noch die kultursensiblen wissenschaftlichen Epigon_innen der marktkonformen Demokratie. Eine Uni für Alle, die den Namen verdient, würde eine Veranstaltung zum Thema „Wie an eine Bremer Uni ein Terrorregime kultursensibel demokratisiert wird“ veranstalten. Ob es in Bremen noch Studierende gibt, die daran Interesse haben?

Hier der Link zur Veranstaltung Ringen um Demokratie in der Transformation am Beispiel von Ägypten und Tunesien:

http://www.uni-bremen.de/kalender/event/caldate/2016/01/06/view/event//tx_cal_phpicalendar/5159.html?cHash=c0daf051c2cde78bc267e017032e2ad3

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