„Nach Antisemitismusvorwurf – Bürgerhaus Weserterrassen streicht Veranstaltung“

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Eigentlich sollte am Dienstagabend im Bürgerhaus Weserterrassen ein Vortrag stattfinden, in dem sich der Bremer Publizist Arn Strohmeyer kritisch mit Israels Palästina-Politik auseinandersetzt. Doch der Leiter des Bürgerhauses sagte die unter anderem von der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft (DPG) getragene Veranstaltung kurzfristig ab. Und das sorgt nun für Diskussionen.

Der Absage vorausgegangen war eine E-Mail von Benjamin Weinthal, er ist Korrespondent der israelischen Tageszeitung „Jerusalem Post“. Sein Vorwurf: Strohmeyers Buch „Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt“ und auch die Veranstaltung seien antisemitisch. Weinthal wirft Strohmeyer, der DPG und anderen Bremer Organisationen vor, Boykott-Aktivitäten gegen den jüdischen Staat zu unterstützen. Strohmeyer wird in einem Artikel der Jerusalem Post am Montag obendrein als „Hardcore-Anti-Israel-Aktivist“ bezeichnet.

Zwischen diesen Fronten steht nun Stephan Pleyn, der Leiter des Bürgerhauses Weserterrassen. Er könne als Außenstehender nicht sagen, ob die Vorwürfe in irgendeiner Form begründet seien. Er selbst habe auf den ersten Blick keine bösen Absichten hinter der Veranstaltung erkannt. „Die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft macht immer mal wieder Vorträge bei uns, da sehen wir kein Problem“, sagt Pleyn. „Im Zweifel bin ich aber dafür, erst einmal Luft aus der Situation zu lassen.“ Es sei das oberste Ziel des Bürgerhauses, den kontroversen Austausch und die friedvolle Verständigung zwischen den Generationen und Nationen zu fördern. „Verständigung kann aber nicht funktionieren, wenn sich eine Seite diffamiert fühlt. Das haben wir mit der Absage respektiert.“ Ein weiterer Grund für die Absage war Pleyn zufolge die zeitliche Nähe der Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag am Mittwoch.

Arn Strohmeyer selbst zeigt sich empört über die Vorwürfe: „Ich halte Antisemitismus im Hinblick auf die deutsche Geschichte nicht nur für eine Dummheit, sondern für ein schlimmes Verbrechen“, sagt er. „Wenn ich Israels Politik aus dem Blickwinkel des Völkerrechts kritisiere, hat das aber nichts mit Antisemitismus zu tun.“ Grigori Pantijelew, stellvertretender Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, wiederum begrüßt die Absage. „Der Antisemitismus ist in Deutschland nicht verboten, es ist aber Konsens, dass er nicht in öffentliche Räume transportiert werden dürfe. Wenn alle sich daran halten, ist dem gesellschaftlichen Frieden geholfen.“ Rolf Verleger, ehemaliges Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland, drückte in einer E-Mail hingegen Verständnis für Strohmeyers Kritik an Israels Politik aus: „Menschenrechte müssen für alle gelten“, so Verleger.

Stephan Pleyn überlegt nun, zu einer Podiumsdiskussion ins Bürgerhaus einzuladen, bei dem der Nahost-Konflikt thematisiert wird. So lange wollten Arn Strohmeyer und die DPG aber nicht warten: Sie riefen am Dienstagabend zu einer Protestkundgebung vor dem Bürgerhaus auf.

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3 Antworten auf „„Nach Antisemitismusvorwurf – Bürgerhaus Weserterrassen streicht Veranstaltung““


  1. 1 ... 27. Januar 2016 um 14:13 Uhr

    Lässt der Artikel nur was aus oder ist die Grundlage des Vorwurfs ganz schön dünn? Geht es um den vermeintlichen Boykottaufruf? Da müsste man doch unterscheiden: Geht es bei diesem Aufruf einfach grundlegend gegen den „jüdischen Staat“, einfach wegen des Attributs „jüdisch“ oder geht es um ein Boykott von Waren aus den besetzten Gebieten als Protest gegen die seit über 50 Jahren andauernde Apartheitspolitik der diversen israelischen Regierungen?

  2. 2 gegen jeden antisemitismus 27. Januar 2016 um 21:43 Uhr

    wenn diese (sekundär) antisemitisch argumentierenden leute sich einmal so ausgiebig und leidenschaftlich mit nordkorea, china, jemen, iran, türkei und so weiter, auseinandersetzen würden. aber das können sie nicht es verschafft einfach nicht genug publikum das eh nur hören will das israel ursache und wirkung in einem ist. es muss immer und immer wieder israel herhalten und wenn das diesen antisemiten dann doch zu plump ist, so wie elsässer pder kenFM muss es die usa sein um darüber eine dumpfe kapitalismuskritik vor sich herzutreiben, an deren ende wieder israel, der staat, irgendwie negativer oder aggressiver sein soll als andere staaten und nationen. es irgendwie gelingen soll durch die hintertür doch wieder das existenzrecht in frage zu stellen oder es gleich ganz abzusprechen. wieso üben diese leute keine generelle staatskritik oder wenden sich gegen nationalismus. wieso fangen sie nicht einfach damit an den staat zu kritisieren in den sie leben. da gibt es unendlich zu kritisieren. nein, diese leute werden nicht müde sich immer neue konstruktionen, codierungen, analogien auszudenken um israel zu diskreditieren. gerade menschen die dort nicht leben, und gerade deutsche, sollten einfach mal zum thema israel ihre gottverdammte fresse halten.

  3. 3 (A) 29. Januar 2016 um 14:44 Uhr

    „gerade menschen die dort nicht leben, und gerade deutsche, sollten einfach mal zum thema israel ihre gottverdammte fresse halten.“

    Also wäre auch Kritik an dem Iran, der Türkei, dem Jemen, China und Nordkorea unanbgebracht? Das führt deine Argumentation irgendwie ad absurdum. Mal abgesehen davon, dass es zu diesen Ländern sehr viel Publikum gibt und ebensoviele AutorInnen. Darüber hinaus ist es irgendwie ja nicht verwunderlich, dass sich die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft mit dem Thema Palästina/Israel befasst.

    Was den Rest angeht wirst du irgendwie auch ganz schön wirr. Die ganzen Vorwürfe (KenFM, Elsässer, „Israel an allem Schuld“, …) gibt der Artikel doch garnicht her.

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