Valentin: 3. Prozesstag

kopiert aus dem Weser Kurier

Dritter Prozess-Tag gegen Valentin S.: Zeugen entlasten einen der Angeklagten

Der Prozess gegen den Ultra Valentin S. und zwei weitere Mitangeklagte hat am dritten Verhandlungstag kaum neue Erkenntnisse ergeben. Die Schlägerei im März 2014 beschäftigt weiter das Landgericht.

Dritter Tag im Prozess gegen Valentin S. sowie zwei weitere Werder-Ultras – und weiterhin fördert die Verhandlung kaum Belastendes gegen die drei Beschuldigten zutage.

Am Mittwoch ging es im Landgericht um den 2. März 2014. An diesem Tag sollen laut Staatsanwaltschaft zwei der drei Angeklagten – Valentin S. und Daniel M. – an einer Bushaltestelle in der Heinrich-Hertz-Straße einen Mann zusammengeschlagen haben. Drei Zeugen sollen dazu Angaben machen – das Opfer, ein junger Mann aus Polen, seine Mutter, die mit ihm an der Bushaltestelle wartete, und eine 24-jährige Studentin, die das Ganze beobachtet hatte.

Doch der Hauptbelastungszeuge, das Opfer, taucht nicht im Gerichtssaal auf. Die Zeugenladung habe nicht zugestellt werden können, erklärt der Vorsitzende Richter. An der angegebenen Adresse in Bremen sei er nicht auffindbar, es gebe Hinweise, dass er sich in Polen aufhalte. Was die Mutter des Mannes wenig später bestätigt. Ja, ihr Sohn sei in Polen bei seiner Freundin. Aber die Adresse kenne sie nicht, man stehe nur telefonisch in Kontakt.

Da ist sie nicht die einzige, wie sich am Vormittag herausstellt. Auch die Polizei habe mit ihrem Sohn telefoniert, sagt die Mutter, und der Staatsanwalt bestätigt dies. Man habe mehrfach versucht, Kontakt mit dem Mann aufzunehmen, ihm sogar eine Vernehmung im Grenzbereich angeboten. Doch damit sei er nicht einverstanden gewesen. „Er will wohl überhaupt nicht aussagen.“

Unvollständige Akten

Dies wiederum ist ein gefundenes Fressen für die Verteidigung. Denn die wusste nichts von den telefonischen Kontakten der Polizei mit dem Zeugen. Ebenso wenig wie der Vorsitzende Richter. Warum dies alles nicht in den Akten stehe, fragt die Verteidigerin von Daniel M. Immerhin gehe es doch um den Zeugen, auf dessen Aussage sich die Anklage gegen ihren Mandanten stütze. Weil der Vorgang ohne Bedeutung sei, kommt es kurz und knapp vom Staatsanwalt zurück. Woraufhin der Anwalt von Valentin S. beantragt, die Verhandlung sofort auszusetzen, da die Akten unvollständig seien.

Dabei sagen die beiden verbliebenen Zeugen wenig Besorgniserregendes für die Angeklagten aus. Mehr noch: Daniel M. wird von den Frauen ausdrücklich entlastet. Das Tatgeschehen schildern die Mutter des Opfers sowie die Studentin fast identisch: Mutter und Sohn warteten an der Haltestelle auf den Bus, als plötzlich zwei junge Männer auf den Polen zustürzten, ihn mit Schlägen und Tritten traktierten und dann ebenso schnell wieder verschwanden.

Grund für die Attacke könnte ein Kapuzenpullover der Marke Thor Steinar gewesen sein, den das Opfer getragen haben soll. Die Marke gilt als Erkennungsmerkmal der rechtsextremen und neonazistischen Szene. Ihr Sohn sei kein Nazi, entrüstet sich die Mutter. Das habe sie auch einem der Täter zugerufen. „Bist du bescheuert, er kommt doch aus Polen.“

Die Studentin schildert, wie das Opfer den Männern eine „Polska“-Tätowierung auf seinem Arm gezeigt habe. Daraufhin hätten sie von ihm abgelassen, ihm aber auch zugerufen: „Selber schuld, wenn du eine Nazi-Marke trägst.“

„Ich war mir zu unsicher“

Die Mutter sagte der Polizei unmittelbar nach der Tat, dass sie die Männer nicht wiedererkennen würde. Ihr Sohn könne das vielleicht, aber sie selbst sei viel zu geschockt von dem Überfall gewesen. Auch als ihr die Polizei mehr als ein Jahr später, Ende April 2015, Lichtbilder von möglichen Tätern zeigte, habe sie nichts sagen können. „Ich war mir zu unsicher.“ Am Mittwoch im Gerichtssaal identifiziert sie auf Frage des Richters dann aber Valentin S.: „Den kenne ich.“ Frage des Richters: „Der war dabei?“ Antwort: „Ja.“

Die Studentin entdeckte im März 2014 in der Reihe von Bildern, die ihr die Polizei vorlegte einen der Täter „mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit“. Auch, als ihr die Polizei im April 2015 noch einmal eine Reihe von Bildern zeigte, habe sie jemanden ausgemacht, der einer der Täter sein könnte, bestätigt die Studentin einen entsprechenden Vermerk der Polizei. „Aber zu 100 Prozent konnte ich das nicht bestätigen.“

Ganz sicher sind sich beiden Zeuginnen dagegen beim Blick auf die Anklagebank was den Beschuldigten Daniel M. betrifft: Nein, der sei nicht dabei gewesen, sagt die Mutter des Opfers. Noch deutlicher formuliert es die Studentin. „Den kann ich auf jeden Fall ausschließen, der war keiner der Schläger.“

Der Prozess wird am Montag, 15. Februar, um 9 Uhr im Landgericht fortgesetzt.

Quelle: Weser Kurier

siehe auch

3. Prozesstag
Weser Kurier: Zeugen entlasten einen der Angeklagten
Weser Kurier: Prozess Zeugen können Daniel M. als Täter nicht identifizieren

2. Prozesstag
Weser Kurier: Opfer kann Täter nicht identifizieren

1. Prozesstag
AKJ: Erster Prozesstag des Verfahrens gegen antifaschistische Ultras
Weser Kurier: Prozessauftakt gegen Valentin S.
taz: „Klatschen gegen das System“
buten & binnen: Ultras vor Gericht
Radio Bremen: Prozess gegen Ultras wird vorläufig nicht eingestellt


2 Antworten auf „Valentin: 3. Prozesstag“


  1. 1 justMe 04. Februar 2016 um 12:58 Uhr

    Kein verhandlungstag am 05.02 ?

  2. 2 free valentin 05. Februar 2016 um 1:22 Uhr

    Der Prozess wird am 15.02.2016 um 9 Uhr im Saal 218 des Landgerichts fortgesetzt.

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