Armutsrisiko in Bremen am höchsten

kopiert aus dem Weser Kurier

Bremen bleibt das Bundesland mit dem höchsten Armutsrisiko in Deutschland. Das geht aus dem Armutsbericht 2016 hervor, den der Paritätische Wohlfahrtsverband und weitere Sozialverbände am Dienstag in Berlin vorstellten.

Danach sank die Armutsquote in Bremen zwar von 24,6 Prozent im Jahre 2013 auf 24,1 Prozent ein Jahr später – damit ging die Quote im kleinsten Bundesland erstmals seit 2009 wieder zurück. Allerdings ist der Abstand zwischen dem Schlusslicht Bremen und dem Land mit der geringsten Armut, Baden-Württemberg (11,4 Prozent), sehr groß.

In Niedersachsen sank der Anteil von armen Menschen ebenfalls: Laut den jüngsten Zahlen lebten 15,8 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2014 in Armut. Das waren 0,3 Prozentpunkte weniger als im Jahr davor. Trotz des Rückgangs liegt der Anteil der Armen in Niedersachsen über dem Bundesdurchschnitt mit 15,4 Prozent.

Unterschiedliche Entwicklungen in den Bundesländern

Die Armutsschwelle liegt bei 60 Prozent des mittleren Haushalts-Nettoeinkommens. Für Singles ohne Kinder lag dieser Wert 2014 bei 917 Euro, für ein kinderloses Paar bei 1376 Euro. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind unter 14 Jahren betrug die Armutsgrenze 1192 Euro, für Paarhaushalte mit einem Kind dieses Alters 1651 Euro. Mit zwei Kindern gelten Beträge von 1476 Euro (Alleinerziehende) und 1926 Euro (Paare).

Bundesweit ist die Armut trotz der guten Wirtschaftslage nur leicht um 0,1 Prozentpunkte gesunken. Betroffen sind laut dem Bericht 12,5 Millionen Menschen. Ob der leichte Rückgang ein Indiz dafür ist, dass das Armutsrisiko insgesamt nicht weiter zunimmt, lasse sich anhand dieser Zahl noch nicht sagen, erklärten die Verbände. In den vergangenen zehn Jahren ist die Quote von damals 14 Prozent an kontinuierlich gestiegen.

Bemerkenswert an den Zahlen ist, dass die Entwicklung in den Bundesländern recht unterschiedlich verlief. Den stärksten Rückgang der Armut verzeichnete Berlin, wo die Quote deutlich von 21,4 auf 20 Prozent abnahm. In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sank der Anteil armer Menschen um jeweils 1,3 Punkte auf 15,6 und 21,3 Prozent. Rückgänge wurden unter anderem auch in Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen registriert.

Alleinerziehende und Renter stark gefährdet

Dem Absinken in neun Bundesländern steht eine wachsende Armut in sechs Ländern gegenüber. Am deutlichsten stieg die Quote in Nordrhein-Westfalen und dem Saarland, jeweils von 17,1 auf 17,5 Prozent. Der negative Trend in Nordrhein-Westfalen ist laut Armutsbericht vor allem der Entwicklung im Ruhrgebiet geschuldet. Während die Quoten in Bonn um 1,1 Punkte auf 13,4 Prozent und in der Region Köln um 1,2 Punkte auf 16,3 Prozent sanken, vermeldeten die Regionen Dortmund sowie Duisburg-Essen nochmals einen Anstieg um je 0,4 Punkte auf 22 und 19,3 Prozent. Mit einer durchschnittlichen Quote von 20 Prozent sei das Ruhrgebiet mittlerweile die „Problemregion Nummer Eins“ in Deutschland, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. „Deutschland ist armutspolitisch eine tief zerklüftete Republik“, erklärte Schneider.

Besorgniserregend ist dem Armutsbericht zufolge auch das deutliche Plus bei der Altersarmut. Erstmals liege der Anteil einkommensarmer Rentnerhaushalte mit 15,6 Prozent über dem Durchschnitt. Gegenüber dem Jahr 2005 wuchs der Anteil der von Armut betroffenen Ruheständler um 46 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Zahl der Personen, die die Grundsicherung im Alter in Anspruch nehmen. 2003 waren es bundesweit noch knapp 258.000 Rentnerinnen und Rentner, 2014 lag die Zahl bei über 512.000.

Noch deutlich häufiger stehen Arbeitslosen weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung. 84 Prozent der Arbeitslosen sind arm, umgekehrt sind 57,6 Prozent der Armen arbeitslos, geht aus dem Bericht hervor.

Einem sehr hohen Armutsrisiko sind auch Alleinerziehende – zu 90 Prozent Mütter – ausgesetzt. Die Armutsquote lag 2014 bei 41,9 Prozent. Zum Vergleich: Unter den Elternpaaren mit einem oder zwei Kindern ist nur jeder zehnte Haushalt von Einkommensarmut betroffen. Überdurchschnittlich hohe Armutsanteile von über 30 Prozent weisen überdies gering qualifizierte Personen auf. Zudem ist jeder vierte Inländer mit Migrationshintergrund arm, aber nur jeder achte ohne Migrationshintergrund.

Quelle: Weser Kurier