„Asta kritisiert duale Studienplätze – Protest gegen Kooperation mit Bundeswehr“

kopiert aus dem Weser Kurier

Studierende haben eine Sitzung des Akademischen Senats an der Hochschule Bremen gestört und dabei protestiert. Rund 30 bis 40 Studenten kamen mit Plakaten, Trillerpfeifen und einer Musikanlage zur Sitzung.

Sie kritisieren die Einrichtung neuer dualer Studiengänge und einen Verstoß gegen die Zivilklausel. Studium, Lehre und Forschung an der Hochschule Bremen sollen laut ihrer Klausel ausschließlich friedlichen Zielen dienen.

Im Herbst sollen nun neue duale Studienplätze im Fach Fraueninformatik entstehen. Kooperationspartner dafür ist die Bundeswehr, die die Kosten für diese Plätze mitfinanziert. Der Frauenstudiengang Informatik existiert der Hochschule zufolge bereits seit über 16 Jahren – aber bislang nicht als duales Studium. Von 38 Plätzen sollen nun ab dem Wintersemester bis zu neun Plätze dual werden. Sie sollen Bewerberinnen der Bundeswehr vorbehalten sein. Die Bundeswehr, die um Nachwuchs wirbt, weist auf ihrer Webseite bereits auf den Bremer Studiengang hin. Studierende würden unter anderem in internationalen Einrichtungen der Rüstungskooperation eingesetzt oder im Personalmanagement, heißt es dort.

Jusos üben scharfe Kritik

„Eine Kooperation mit der Bundeswehr ist in jedem Fall abzulehnen“, sagt Timm von Bodecker, Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta). Er kritisiert auch, dass sich die Hochschule mit neuen dualen Studiengängen abhängig von externen Geldgebern mache.

Die Linke sieht einen klaren Verstoß gegen die Zivilklausel. Krieg werde zunehmend digital geführt, sagt Miriam Strunge, hochschulpolitische Sprecherin der Linksfraktion in der Bürgerschaft. „Der Auftraggeber wird auch auf die inhaltliche Ausrichtung des Studiengangs Einfluss nehmen wollen – schließlich bezahlt die Armee ja auch für die vorgehaltenen Studienplätze.“ Auch die Bremer Jusos üben scharfe Kritik: „Die Ausbildung von Soldatinnen an der Hochschule Bremen ermöglicht es der Bundeswehr, gezielter in klar militärischen Bereichen wie dem sogenannten ,Cyber-War’ zu operieren“, sagt Aftab Chand, stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos.

Mehr Partner für Fraueninformatik

Das Rektorat der Hochschule sieht laut Sprecher Ulrich Berlin durch das Kooperationsprojekt keinen Verstoß gegen die Zivilklausel. „Studenten, die uns von der Bundeswehr vermittelt werden, arbeiten ausschließlich im zivilen Bereich und übernehmen Verwaltungsaufgaben mit hohem IT-Bedarf“, sagt Berlin. Die Bundeswehr solle nicht der einzige Kooperationspartner für den dualen Studiengang Fraueninformatik bleiben – man sei im Gespräch mit weiteren Partnern. Mit der Einrichtung dualer Studienplätze setze die Hochschule Ziele des Wissenschaftsplans um.

Quelle: weserkurier.de

siehe auch
taz: Ein denkwürdiger Partner