„AfD-Beiratsmitglied fühlt sich bedroht“

kopiert von weser-kurier.de

Vermummte rufen Parolen und hinterlassen Flugblätter

Das Huchtinger Beiratsmitglied Adam Golkontt (AfD) sieht sich nach einem eklatanten Vorfall von Linksradikalen bedroht. Vermummte seien ins Treppenhaus vor der Wohnung seiner Familie eingedrungen und haben bedrohliche Parolen gerufen.

Das Huchtinger Beiratsmitglied Adam Golkontt (AfD) sieht sich nach einem eklatanten Vorfall von Linksradikalen bedroht. Seinem Bericht in der Beiratssitzung am Montag im Bürger- und Sozialzentrum (BuS) zufolge sind fünf bis sechs Vermummte ins Treppenhaus vor der Wohnung seiner Familie eingedrungen, haben bedrohliche Parolen gerufen und Flugblätter hinterlassen. Die Polizei sei eingeschaltet, berichtete Golkontt. „Der Staatsschutz hat erklärt, dass das jederzeit wieder passieren kann“, ergänzte er unter Hinweis darauf, dass AfD-Politiker bundesweit bedroht würden.

Die Pressestelle der Polizei Bremen bestätigt, dass Golkontts Anzeige wegen des Vorfalls am Sonntag, 29. Mai, eingegangen ist und dass der Staatsschutz ermittelt. Näheres werde zurzeit nicht mitgeteilt.

Golkontt forderte den Beirat zu einer Erklärung auf, in der politisch motivierte Gewalt allgemein und insbesondere gegen ihn und seine Familie verurteilt wird. Sein vorformulierter Text wurde aber nicht zur Abstimmung gestellt. Beiratssprecher Falko Bries (SPD) schlug vor, stattdessen einen Beiratsbeschluss aus dem vergangenen Jahr zu bekräftigen. Darin fordert der Beirat dazu auf, im Stadtteil Huchting friedlich und respektvoll miteinander umzugehen, unabhängig von Überzeugungen, Herkunft, Hautfarbe oder Religion. „Beim letzten Mal haben Sie nicht zugestimmt. Das können Sie jetzt nachholen“, forderte Bries Golkontt auf. Darauf ließ sich der AfD-Mann nicht ein. Anders alle übrigen Beiratsmitglieder stimmte er mit Nein, weil dieser Beschluss auch „illegale Ausländer“ umfasse.

Mediale Schlagzeilen tragen laut Gerrit Becker dazu bei, dass eine deutliche Kluft zwischen dem Sicherheitsgefühl vieler Huchtinger und den Zahlen aus der Polizeistatistik bestehe. Der Beirat hatte den Leiter der Polizeiinspektion Süd in die Beiratssitzung für einen Bericht aus der Polizeistatistik 2015 eingeladen, weil Sorgen in der Bevölkerung ernst genommen werden sollten und weil auch einige Beiratsmitglieder selbst die unguten Gefühle teilen. „Je mehr ältere Menschen es in der Gesellschaft gibt, desto mehr potenzielle Opfer gibt es. Die Zahl der Taten ist eindeutig auf dem aufsteigenden Ast“, räumte Becker ein. Aber: „Bei uns im Süden ist die Lage aber unauffällig.“

Anzahl der Autoaufbrüche zugenommen

Aussagekräftig sind dem Leiter der Polizeiinspektion Süd zufolge Fünf-Jahre-Vergleiche, nicht der Blick von einem Jahr aufs andere. Nach unten zeigt in Huchting laut Becker in diesem längeren Zeitraum vor allem die Kurve für die Delikte Raubüberfall und schwere Körperverletzung. Die Zahl der Taschendiebstähle, von 40 auf 41 angestiegen, nannte er „völlig unauffällig“. Zugenommen habe die Zahl der Autoaufbrüche. Einen örtlichen Schwerpunkt wie das Flughafenumfeld oder den Stadtwerder gebe es in Huchting nicht. Auch die Park&Ride-Plätze seien bei Autoknackern nicht besonders beliebt. „Eins ist klar: Das Auto ist kein Tresor“, stellte Becker klar.

Nach oben zeigt auch in Huchting die Kurve bei den Wohnungseinbrüchen. „Einbrecher suchen leere Wohnungen auf“, betonte Becker; er empfahl, bei Abwesenheit mit Zeitschaltuhren Licht in die Wohnung zu bringen.

Für einige Besucher der Beiratssitzung überraschend zählte Becker die Fahrraddiebstähle zu den Delikten, die abnehmen, der Polizeistatistik zufolge hat sich die Zahl in den vergangenen fünf Jahren nahezu halbiert. Einen möglichen Grund benannte ein Huchtinger: Ihm sei schon mehrfach ein Fahrrad entwendet worden. Er zeige das gar nicht mehr an. Er fürchte, wegen wiederholter Schadensmeldungen aus der Hausratsversicherung zu fliegen. „Was nicht angezeigt wird, erscheint auch nicht in der Statistik“, stellte Becker klar.

„Sie sagen: Unterm Strich ist alles schick. Ich bin ratlos: Was macht mich unsicher?“, fragte CDU-Ratsfrau Yvonne Averwerser nach Beckers Vortrag. Für Heike Kretschmer (SPD) sind dagegen Vermutungen bestätigt worden: „Der Ansatz ,Mehr Polizei auf der Straße statt am Schreibtisch‘ ist beschlossen und scheint zu funktionieren.“

Prävention sei und bleibe ein wichtiger Baustein der Polizeiarbeit, betonte Inspektionsleiter Becker. Er lobte ausdrücklich, dass Informationen zum Beispiel über neue Betrugsmaschen über das Huchtinger Netzwerk aus Einrichtungen, Vereinen und Verbänden schnell viele Bürger erreichen.

Einig sind sich der Leiter der Polizeiinspektion und der Beirat, dass die Kontaktbereichspolizisten (Kops) wichtig sind für das Miteinander von Polizei und Bürgern. Diese Schlüsselposten sind bedroht, weil etliche ältere Polizisten in absehbarer Zeit in Ruhestand gehen, bevor die Ausbildung angehender Polizisten abgeschlossen ist. Der Beirat forderte einstimmg, alle Stellen der Kops zu erhalten.

kopiert von weser-kurier.de